USA suchen Wege aus dem Irak-Schlamassel

Aktualisiert

USA suchen Wege aus dem Irak-Schlamassel

Wenige Tage nach der Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen hat US-Präsident George W. Bush eine Strategieänderung im Irak signalisiert.

In dem Land kamen unterdessen am Wochenende bei neuer Gewalt 70 Menschen ums Leben.

Bei seiner wöchentlichen Radioansprache bezeichnete Bush am Samstag den designierten neuen Verteidigungsminister Robert Gates als «Träger des Wandels». Bush stellte jedoch klar, dass es keinen schnellen Abzug der 150 000 US-Soldaten aus dem Irak geben werde. Der Irak sei die zentrale Front im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Debatte in den USA dreht sich hauptsächlich um die Truppenstärke im Irak sowie die Bedingungen und den Zeitplan für den Rückzug. Führende Politiker der Demokratischen Partei sprachen sich dafür aus, den Rückzug der US-Armee aus dem Irak innerhalb der nächsten vier bis sechs Monate zu beginnen.

Parteiübergreifender Ausschuss

Am Montag will Bush mit Mitgliedern eines parteiübergreifenden Ausschusses zur Irak-Politik unter Leitung von Ex-Aussenminister James Baker zusammentreffen. Bis Mittwoch will der Ausschuss auch den britischen Premierminister Tony Blair sowie führende Demokraten befragen.

Wie die britische Wochenzeitung «The Observer» am Sonntag berichtete, drängte Blair den US-Präsidenten bei dem Telefonat am Freitag dazu, Iraks Nachbarstaaten Syrien und Iran einzubeziehen, um das in Gewalt versinkende Land zu stabilisieren.

Eine Sprecherin des britischen Premiers bestätigte das Telefonat, nannte aber keine Inhalte. Australien und Grossbritannien sind sich nach Angaben des australischen Premierministers John Howard einig, dass ein Abzug ihrer Truppen derzeit nicht absehbar ist.

70 Tote bei neuer Gewalt

Im Irak kamen unterdessen am Wochenende bei neuer Gewalt 70 Menschen ums Leben. Bei dem folgenschwersten Anschlag starben am Sonntag 34 Menschen vor einem Rekrutierungsbüro in Bagdad, als sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte.

Nach Angaben arabischer Nachrichtensender fand die Polizei zudem mehr als 30 Leichen von Mordopfern. In Al-Kut starben ein polnischer und ein slowakischer Soldat durch eine Minenexplosion.

Al-Maliki für Regierungsumbildung

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki rechnet nach eigenen Worten damit, dass sich das Ergebnis der Kongresswahlen nur in «kleinen Veränderungen niederschlagen wird und nicht zu einem Strategiewechsel» der Amerikaner führen werde.

Gleichzeitig kündigte er im Gespräch mit Chefredaktoren irakischer Zeitungen eine Regierungsumbildung an. Die neuen Minister würden anhand ihrer Qualifikation und nicht nach einem Quotensystem ausgewählt, versprach Al-Maliki.

(dapd)

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