Gegenoffensive: USA und Kabul greifen Taliban in Kunduz an
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GegenoffensiveUSA und Kabul greifen Taliban in Kunduz an

Afghanische Regierungstruppen dringen mit Hilfe der US-Luftwaffe in Kunduz ein. Gestern hatten die Aufständischen erstmals seit ihrem Sturz eine Provinzhauptstadt erobert.

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In einigen Teilen der Stadt wird laut Angaben von Anwohnern noch gekämpft: Afghanische Einheiten in Kunduz. (1. Oktober 2015)

In einigen Teilen der Stadt wird laut Angaben von Anwohnern noch gekämpft: Afghanische Einheiten in Kunduz. (1. Oktober 2015)

Keystone/Jawed Kargar
Die Armee konnte die Stadt laut Angaben der Regierung in heftigen nächtlichen Kämpfen den Taliben wieder entreissen: Eine Armeepatrouille im Zentrum von Kunduz.(1. Oktober 2015)

Die Armee konnte die Stadt laut Angaben der Regierung in heftigen nächtlichen Kämpfen den Taliben wieder entreissen: Eine Armeepatrouille im Zentrum von Kunduz.(1. Oktober 2015)

Keystone/Jawed Kargar
Die Regierung hatte Verstärkung aus Kabul geschickt: Eine Kollone von Militärfahrzeugen trifft bei Kunduz ein. (30. September 2015)

Die Regierung hatte Verstärkung aus Kabul geschickt: Eine Kollone von Militärfahrzeugen trifft bei Kunduz ein. (30. September 2015)

kein Anbieter/Jawed Kargar

Das afghanische Militär hat in Kundus eine Gegenoffensive gestartet, um die Anfang Woche von den Taliban eroberte Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Die afghanischen Bodentruppen wurden unterstützt durch US-Kampfflugzeuge.

Die Taliban-Kämpfer hatten sich am Montag überraschend ins Zentrum der nordostafghanischen Stadt Kundus vorgekämpft. Knapp zwei Jahre nach dem Abzug deutscher Soldaten ist die Eroberung der Provinzhauptstadt für die Taliban ein Meilenstein in ihrem seit fast 14 Jahren dauernden Aufstand. Für den vor einem Jahr ins Amt gekommenen Präsidenten Aschraf Ghani markiert ihr Einmarsch in die Stadt einen herben Rückschlag.

Der Anführer der radikalislamischen Taliban, Mullah Achtar Mansur, forderte die Regierung auf, ihre Niederlage einzugestehen. Den Einwohnern der Stadt versicherte er, sie müssten nicht um ihr Leben und ihr Eigentum fürchten, erklärte Mansur. Sie sollten in der rund 125'000 Einwohner zählenden Stadt so normal wie möglich weiterleben.

Heftige Kämpfe

Das afghanische Verteidigungsministerium in Kabul erklärte seinerseits, die Regierungstruppen hätten die Nacht am Flughafen verbracht und würden den Ort bald zurückerobert haben. Das Polizei-Hauptquartier und das Gefängnis seien bereits wieder eingenommen worden.

Am Vortag hatten die Taliban Hunderte militante Glaubensbrüder aus dem Gefängnis befreit. «In Kundus sind frische Truppen eingetroffen und die Operation hat begonnen», erklärte das Verteidigungsministerium.

Ein Regierungsvertreter am Flughafen berichtete von heftigen Kämpfen. Strom und Telefone seien fast überall ausgefallen: «Die Sicherheitskräfte haben die meisten strategisch wichtigen Plätze zurückgewonnen, in vielen Stadtteilen ist Gewehrfeuer zu hören.» Es gab keine gesicherten Angaben, wie viele Personen bei den Kämpfen getötet oder verletzt wurden.

US-Luftangriffe

Ein Nato-Sprecher sagte, US-Kampfflugzeuge hätten Stellungen der Taliban in den Aussenbezirken attackiert. Wie viele Soldaten der von der Nato geführten Koalition im Einsatz seien, sagte er nicht.

Die Bundeswehr hatte in Kundus ab Oktober 2003 für zehn Jahre ein Feldlager betrieben. Die deutschen Soldaten waren Teil des Nato-Kampfeinsatzes, der 2014 beendet wurde.

Seither sind Nato-Soldaten überwiegend nur noch als Berater und Ausbilder im Land. Auch die Bundeswehr ist mit bis zu 850 vor Ort. Sie sind in Masar-i-Scharif und in der Hauptstadt Kabul stationiert.

Die Eroberung von Kundus durch die Taliban löste eine Debatte um den geplanten Abzug der Bundeswehr aus Nordafghanistan aus. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen warnte vor einem zu frühen Truppenabzug aus Afghanistan. Ein Nato-Entscheid dürfe erst nach einer genauen Analyse der jüngsten Ereignisse erfolgen, sagte sie am Dienstag in Berlin. (sda)

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