Fast Food vor dem Rennen: Usain Bolt ist der neue Ronald McDonald
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Fast Food vor dem RennenUsain Bolt ist der neue Ronald McDonald

Usain Bolt posaunte nach dem 100-m-Sieg, er habe zuvor einen Wrap von McDonald's gegessen. Eine bessere Werbefigur könnte sich der Fast-Food-Riese nicht wünschen. Zufall oder nicht?

von
fox

Nach dem Olympiasieg in der zweitschnellsten je gelaufenen Zeit von 9,63 Sekunden wurde Usain Bolt gefragt, was er denn vor dem Rennen gegessen habe. Der Jamaikaner zählte auf. Neben «Reis und Schweinefleisch mit einem Apfelsaft» machte die Reporter vor allem die Aussage «ein Wrap von McDonald's» stutzig. Ein Superathlet haut sich Fast Food rein? «Verurteilt mich nicht, da hatte es auch Gemüse drin», wehrte sich der 25-Jährige und fügte an, dass er nicht zu viel gegessen habe, damit es nicht schwer auf dem Magen liege. Damit nicht genug: Bolt habe auch schon «einige Nuggets» im McDonald's im Athletendorf verzehrt.

Der schnellste Mensch der Welt mit einem traumhaft durchtrainierten Körper isst bei McDonald's. Wie soll man seinen Kindern da noch klarmachen, dass Fast Food ungesund ist? Für McDonald's ist die Aussage eine Steilvorlage für Werbezwecke. Oder war es gar eine Abmachung mit dem Sportler, dass er den Konzern erwähnt? Wir wollen nichts unterstellen, aber bei Bolt weiss man nie.

Wie passt ungesundes Essen zu Olympia?

Fakt ist auf jeden Fall: McDonald's bemüht sich seit Jahren um ein besseres Image. Man will weg vom ungesunden Burger und fettigen Pommes frites. Die Menükarte präsentiert sich mittlerweile auch gesundheitsbewusst mit Salaten oder vegetarischem Essen. Dass die dicken Burger weiterhin die Verkaufsschlager sind, ist kein Geheimnis. Man muss sich nur mal in einer entsprechenden Filiale umsehen.

McDonald's gehört zudem – wie schon bei der Fussball-EM und –WM – bei Olympia zu den weltweiten Hauptsponsoren. Die Logopräsenz ist nach London auch in Sotschi 2014, Rio 2016, Pyeongchang 2018 und 2020 (Ort noch nicht bestimmt) garantiert. Rund 160 Millionen Euro soll der Auftritt kosten, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet.

Dass Sponsoren ihr Engagement dazu nutzen, ihre Produkte mit sportlichen Athleten in Verbindung zu bringen, statt mit dicken, ungesunden Menschen, liegt auf der Hand. Dies kommt im Fall von McDonald's oder auch Coca-Cola nicht überall gut an. Selbst im IOC soll es Proteste gegen das Sponsoring gegeben haben. Die zwei Firmen seien nicht mit der olympischen Bewegung vereinbar. Am Ende siegte wohl das Geld. Die Akademie der medizinischen Hochschulen schreibt dazu: «Es ist bedauerlich, dass ein Anlass, an dem Athleten körperliche Höchstleistungen erbringen, von Firmen gesponsert wird, die zur zunehmenden Fettleibigkeit der Bevölkerung beitragen.»

Wie McDonald's zu Olympia kam

Dabei waren es angeblich die Sportler selbst, welche McDonald's zu Olympia brachten. 1968 bei den Winterspielen in Grenoble bekundete das amerikanische Team riesigen Heisshunger auf heimisches Essen, worauf McDonald's einzig für diese Burger einflog. Acht Jahre später stieg das Unternehmen als offizieller Sponsor ein. In London stehen im Olympia-Park exklusiv vier Restaurants – eines darunter hat 1500 Sitzplätze und ist somit der grösste McDonald's der Welt. Auch im Olympia-Dorf, wo die Athleten exklusiv wohnen, steht eine Filiale. Abgeneigt scheinen auch die Spitzensportler zumindest zwischendurch nicht zu sein.

Aber zurück zur Frage, ob Bolts Aussage ein geplanter PR-Gag war oder der Sprinter halt einfach die Wahrheit gesagt hat. Der Jamaikaner erklärte nach dem Sieg auch, dass seine Faxen vor dem Start oft die Wünsche seiner Freunde seien. Diese baten ihn beispielsweise um die «DJ-Einlage» vor dem 100-m-Finale. Vielleicht kommen die Antworten auf die Frage nach dem Essen vor dem Rennen auch von einem guten (reichen) Freund.

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