25.06.2020 21:07

Virale Videos

User machen Haustouren auf Tiktok

Erinnert ihr euch an MTV Cribs? So, aber in einer App: Auf Tiktok zeigen die User, wie chic sie (oder zumindest ihre Eltern) wohnen – oder eben, wie normal.

von
Meret Steiger

Haustouren sind das Ding auf Tiktok: Wenn du in einem Penthouse oder einem Hausboot wohnst, dann sind dir ein paar Likes schon garantiert – und falls irgendwo noch ein Strand mit dabei ist, ist dir ein virales Video sicher. Ebenfalls beliebt: Schlösser und Tiny Houses.

In den Luxushäusern der Tiktok-User fehlt es an nichts: Während der Filmer von Raum zu Raum geht, sieht man nicht nur diverse riesige Weinkeller, Pools und begehbare Kleiderschränke, sondern auch Garagen voller Ferraris und vereinzelte Angestellte. Besonders bekannt: Das «Hype House», in dem mehrere erfolgreiche Tiktok-User zusammenwohnen.

«Hey, yo, my best friend’s rich check»

Einer der Grundpfeiler von Tiktok sind die Audios. Die User nutzen Audiodateien anderer Nutzer (oder solche aus Filmen, Serien oder Youtube-Videos) und benutzen sie für ihre eigenen Videos. Das Originalaudio zu den Haustouren stammt von Tiktok-User Jordyn Frost und wurde bereits 149’100-mal benutzt.

In ihrem Video hört man Jordyn «Hey, yo, my best friend’s rich check» (Hey, meine beste Freundin ist reich-Check) sagen und sieht ein teures Auto, ein riesiges Haus und Jordyns peinlich berührte Freundin. Unter den fast 150’000 Videos sind natürlich auch viele sarkastische dabei, die besonders heruntergekommene oder kleine Wohnungen zeigen.

Spezielle Einbauten und Kletterwände

Aber nachdem eine ganze Reihe von Luxushäusern gezeigt wurde, sind nun auch «normale» Häuser ein beliebtes Motiv – oder eben Häuser, die irgendetwas Aussergewöhnliches an sich haben. Das Voiceover, das bereits in über 30’000 Videos genutzt wurde, sagt «Everybody has that one thing in their house that everybody thinks is so cool …» (Jeder hat diese eine Sache im Haus, die alle für besonders cool halten) und die User filmen ihre «coolen» Dinge.

Darunter sind riesige Aquarien, Spielhallen im Keller, Kletterwände zum eigenen Zimmer und zweistöckige Kleiderschränke. Da Tiktok-Videos aber grundsätzlich kürzer als 60 Sekunden sind, gibt es zu den Videos eigentlich keinen Kontext. Es ist also nicht klar, ob die User tatsächlich in diesen Häusern wohnen oder ob es überhaupt echte Häuser sind.

«Die wohnt da nicht, das ist ein Laden»

Aufgeflogen ist eine Userin, die mit ihrem Heim-Spa angegeben hat. Bis in den Kommentaren jemand darauf aufmerksam gemacht hat, dass sich dieser Spa in einem Laden befindet – und die Userin dort arbeitet. Und doch sind es überdurchschnittlich viele Nutzer aus vermögenden Verhältnissen: 37 Prozent geben bei einer Umfrage ein Haushaltseinkommen von 100’000 Dollar oder mehr an.

Die User haben die Zurschaustellung von Vermögen aber auch langsam gesehen: «I’m so tired of rich people» (Ich bin so gelangweilt von den Reichen) ist ein häufiger Kommentar unter solchen Videos. Wer lange genug sucht, der findet auch Videos von normalen Häusern – aber die geben halt auch weniger spektakuläre Videos her.

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