Amoklauf in Texas: Uvalde-Abgeordneter prahlte mit Voten gegen schärfere Waffengesetze

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Amoklauf in TexasUvalde-Abgeordneter prahlte mit Voten gegen schärfere Waffengesetze

Nach dem schlimmsten Schulmassaker in den USA seit einem Jahrzehnt gehen die Emotionen hoch. Doch die politischen Entscheidungsträger in Texas, auch im betroffenen Distrikt, lehnten auch kleinste Einschränkungen des Waffenrechts stets ab.

von
Reto Bollmann
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Tony Gonzales vertritt den 23. texanischen Kongressbezirk, zu dem auch die Stadt Uvalde gehört.

Tony Gonzales vertritt den 23. texanischen Kongressbezirk, zu dem auch die Stadt Uvalde gehört.

Getty Images via AFP
Vor nur gut einem Jahr schrieb Gonzales stolz auf Twitter, gegen zwei vorgeschlagene Massnahmen zur Waffenkontrolle gestimmt zu haben – aktuell sagt er, es sei nicht an der Zeit für politische Diskussionen.

Vor nur gut einem Jahr schrieb Gonzales stolz auf Twitter, gegen zwei vorgeschlagene Massnahmen zur Waffenkontrolle gestimmt zu haben – aktuell sagt er, es sei nicht an der Zeit für politische Diskussionen.

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Der republikanische Senator Ted Cruz, der in der Kongresskammer den Bundesstaat Texas vertritt, warf den Demokraten nur Stunden nach dem Blutbad in Uvalde vor, die Tat politisch zu instrumentalisieren.

Der republikanische Senator Ted Cruz, der in der Kongresskammer den Bundesstaat Texas vertritt, warf den Demokraten nur Stunden nach dem Blutbad in Uvalde vor, die Tat politisch zu instrumentalisieren.

AFP

Darum gehts

Die politische Stimmung in den USA ist aufgeheizt – noch aufgeheizter, als sie es ohnehin schon ist. Der jüngste Amoklauf an einer US-amerikanischen Schule befeuert wieder Diskussionen um das Waffenrecht und darüber, wie solche Massaker in Zukunft verhindert werden können.

Tony Gonzales ist ein Politiker der Republikanischen Partei und Mitglied des US-Repräsentantenhauses. Er vertritt den 23. texanischen Kongressbezirk, zu dem auch die Stadt Uvalde gehört. Auf Twitter schrieb er, dass sein «Herz für die Stadt Uvalde bricht», und forderte die Menschen auf, für die Betroffenen zu beten, wie «Newsweek» berichtet. Er fügte einen Bibelvers an, in dem kleine Kinder erwähnt werden. Kurz nach der Veröffentlichung seines Beitrags reagierten die Leute mit Screenshots von Tweets von Gonzales, die ihn an seine früheren Kommentare zur Waffenkontrolle erinnerten.

«Werde alles tun, mich dem Griff nach Waffen der Linken zu widersetzen»

Denn vor nur gut einem Jahr schrieb Tony Gonzales mit Stolz und grosser Überzeugung, gegen zwei vorgeschlagene Massnahmen zur Waffenkontrolle gestimmt zu haben. Gonzales bezeichnete sich als «stolzen Unterstützer des zweiten Verfassungszusatzes» und meinte, er werde «alles» tun, um sich dem «Griff nach Waffen von der extremen Linken» zu widersetzen. Der zweite Verfassungszusatz (Second Amendment) verbietet, das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen einzuschränken.

Sehr viel weniger klar drückte sich der Vater von sechs Kindern nach dem Massaker an der Grundschule von Uvalde aus. Es sei jetzt nicht die Zeit für politische Debatten. Stattdessen, meinte er, sollten Amerikaner jetzt vereint sein. Die Liebe müsse jetzt Menschen zusammenbringen.

«Bin gerne bereit, über Politik zu diskutieren, aber nicht heute»

Der Moderator der Sendung «CBS Mornings» hatte Gonzales zu Gast und wies darauf hin, dass dieser gegen die Waffengesetze gestimmt hatte. Er fragte: «Überdenken Sie diese Position heute Morgen angesichts der Ereignisse in Ihrem Bundesstaat?» «Ich bin gerne bereit, über Politik zu diskutieren, aber nicht heute», entgegnete Gonzales, wie die «Washington Post» schreibt.

In den sozialen Medien wird dem Abgeordneten nun Heuchelei vorgeworfen. Ein Twitter-Nutzer schreibt: «Das ist der Uvalde-Abgeordnete, der vor kurzem bei zwei Waffenmassnahmen mit NEIN gestimmt hat. @TonyGonzales4TX ist einer der vielen Heuchler in der texanischen Legislative, der sich nicht um das Leben der hispanischen Kinder und Lehrer schert, die heute sinnlos ermordet wurden.»

Senator Ted Cruz läuft davon

Ein anderer Nutzer wies auf verschiedene Stimmabgaben Gonzales’ hin: «Tony Gonzales sagte, die ‹radikale Linke will euch die Waffen wegnehmen›, erhielt grosse Mengen an Spenden von der Waffenlobby und stimmte gegen das Gesetz gegen Gewalt gegen Frauen und Schusswaffen-Hintergrundkontrollen».

Auch ein weiterer Politiker ist stärker in den Fokus gerückt. Der republikanische Senator Ted Cruz, der in der Kongresskammer den Bundesstaat Texas vertritt, warf den Demokraten nur Stunden nach dem Blutbad in Uvalde vor, die Tat politisch zu instrumentalisieren. Die Regierungspartei wolle «die verfassungsmässigen Rechte gesetzestreuer Bürger beschränken».

In einem Interview wurde Cruz, der an der Mahnwache für die Opfer teilnahm, gefragt, ob dies der richtige Moment für eine Reform der Waffengesetze sei. Doch Cruz blockte ab. «Warum passiert das nur in Ihrem Land? Warum nur in Amerika? Warum ist dieser amerikanische Exzeptionalismus so furchtbar?», wollte der Journalist wissen. Als Cruz versuchte, sich zu entfernen, sagte der Journalist, er wolle nur «verstehen, warum Sie nicht glauben, dass Waffen das Problem sind».

Vorwurf linker Propaganda

Am Ende des Gesprächs ignorierte Cruz erneut die Frage des Journalisten und beschuldigte diesen, Propaganda zu verbreiten. «Warum kommen Menschen aus der ganzen Welt nach Amerika? Weil es das freieste, wohlhabendste und sicherste Land der Welt ist», so der Senator. «Hören Sie auf, Propaganda zu betreiben.»

Die Republikaner stehen in der Frage des Waffenrechts an der Seite der mächtigen Waffenlobbyorganisation National Rifle Association (NRA). Diese erklärte am Mittwoch, das Schulmassaker in Uvalde sei die Tat eines «einzelgängerischen, geistesgestörten Verbrechers».

Cruz ist der Gesetzgeber, dessen Kampagnen oder politische Aktionskomitees gemäss der gemeinnützigen Organisation OpenSecrets das meiste Geld von der Waffenrechtslobby angenommen haben.

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

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Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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