Terror-Razzia: V. L. war für Psychiater eine «Blackbox»
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Terror-RazziaV. L. war für Psychiater eine «Blackbox»

Der verhaftete V. L. soll nach seiner Rückkehr weiterhin Propaganda für den IS betrieben und sich mit Mitgliedern aus dem Umfeld der An'Nur-Moschee heimlich getroffen haben.

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Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich beim festgenommenen Rückkehrer um den 21-jährigen V. L.*

Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich beim festgenommenen Rückkehrer um den 21-jährigen V. L.*

DHA/Fatih Karacali
Der Winterthurer reiste als 16-Jähriger im Dezember 2014 mit seiner Schwester nach Syrien zur Terrormiliz IS.

Der Winterthurer reiste als 16-Jähriger im Dezember 2014 mit seiner Schwester nach Syrien zur Terrormiliz IS.

Keystone/Anthony Anex
Im Dezember 2015 kehrten die Geschwister dann in die Schweiz zurück und wurden am Flughafen verhaftet.

Im Dezember 2015 kehrten die Geschwister dann in die Schweiz zurück und wurden am Flughafen verhaftet.

Keystone/Anthony Anex

In verschiedenen Orten in den Kantonen Zürich, Bern und Schaffhausen wurden am Dienstagmorgen zeitgleich elf Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dies im Rahmen von Strafverfahren gegen elf Beschuldigte – sechs Erwachsene und fünf Teenager.

Der Grund: unter anderem der Verdacht auf Verstoss gegen Art. 2 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen al-Qaida und Islamischer Staat sowie verwandter Organisationen (SR 122) sowie des Verdachts der Unterstützung bzw. Beteiligung an einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB).

Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich beim festgenommenen Rückkehrer um den 21-jährigen V. L.* Der Winterthurer reiste als 16-Jähriger im Dezember 2014 mit seiner Schwester nach Syrien zur Terrormiliz IS. Im Dezember 2015 kehrten die Geschwister dann in die Schweiz zurück und wurden am Flughafen verhaftet. Im Dezember 2018 kam es vor dem Bezirksgericht Winterthur zum Prozess. L. kassierte eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten und eine einjährige Probezeit.

V. L. machte weiterhin Propanda

Laut dem «Tages-Anzeiger» fand der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) heraus, dass L. auch nach seiner Rückkehr weiterhin für den IS Propaganda machte und andere junge Menschen für die extremistischen Vorstellungen der Terrororganisation zu überzeugen versuchte. Psychiater, die ihn begutachteten, bezeichneten V. L. als «Blackbox».

Die Kantonspolizei Zürich soll zudem wissen, dass sich Mitglieder der sogenannten Jugendgruppe der inzwischen geschlossenen An'Nur-Moschee in Winterthur in einem Lokal trafen. Der Ort der heimlichen Treffen, später wurde der Treffpunkt verlegt, war eine Gemeinde an der Grenze zwischen den Kantonen Zürich und Thurgau.

Kontakte zur IS-Zelle eines irakischen Hasspredigers

Laut dem «Tages-Anzeiger» war L. vor seiner Syrien-Reise nicht nur in der An'Nur-Moschee und bei der Koranverteilaktion «Lies!» aktiv, sondern auch beim IS-Kampfsporttraining MMA Sunna in Winterthur. Dort hatte er Kontakt mit Mitgliedern der Jugendgruppe sowie einigen älteren Extremisten aus dem Umfeld der An'Nur-Moschee.

Zudem gehören zum Bekannten- und Freundeskreis von L. der ehemalige Koordinator der An'Nur-Moschee und einer der Mitgründer des MMA-Sunna-Trainingsraums. Die beiden Männer sind wegen IS-Unterstützung und -Beteiligung angeklagt.

L.s Kollegen sollen hingegen mit der IS-Zelle des irakischen Hasspredigers Ahmad Abdullah alias Abu Walaa in Kontakt gestanden sein, einige Mitglieder der An'Nur-Jugendgruppe hätten Abu Walaa sogar in Hildesheim besucht. Zudem hatten mehrere junge Männer aus Biel Kontakt mit dem mutmasslichen IS-Deutschlandchef und sollen ihm sogar Geld überwiesen haben.

*Name der Redaktion bekannt

(20 Minuten)

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