Aktualisiert 10.10.2016 14:30

Rollenverteilung Väter arbeiten kaum Teilzeit

Laut einer Studie arbeiten 87 Prozent der Väter Vollzeit. Bei den Müttern geht dagegen nur jede fünfte einem 100-Prozent-Job nach.

von
bz
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An einem oder mehreren Tagen nur für die Kinder da sein?  Viele Schweizer Männer verzichten auf einen Papi-Tag und arbeiten 100 Prozent.

An einem oder mehreren Tagen nur für die Kinder da sein? Viele Schweizer Männer verzichten auf einen Papi-Tag und arbeiten 100 Prozent.

Keystone/Gaetan Bally
Markus Theunert, Präsident von männer.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, ist skeptisch. «Man kann nicht einfach sagen, dass es den Männern nicht ernst ist.» Die Geburt eines Kindes sei die grösste Traditionsfalle, weil Paare trotz anderer Absichten in die klassische Rollenteilung zurückfielen.

Markus Theunert, Präsident von männer.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, ist skeptisch. «Man kann nicht einfach sagen, dass es den Männern nicht ernst ist.» Die Geburt eines Kindes sei die grösste Traditionsfalle, weil Paare trotz anderer Absichten in die klassische Rollenteilung zurückfielen.

Keystone/Peter Schneider
Michael Hermann, Studienautor: «In der Praxis führt die Familiengründung zu einer stärkeren Rollenteilung.» Er glaubt, Männer verbrächten zwar mehr Zeit mit ihrer Familie, wollten dabei jedoch ihre beruflichen Perspektiven nicht einschränken. «In der Praxis setzt sich offenbar in der Regel Letzteres durch.»

Michael Hermann, Studienautor: «In der Praxis führt die Familiengründung zu einer stärkeren Rollenteilung.» Er glaubt, Männer verbrächten zwar mehr Zeit mit ihrer Familie, wollten dabei jedoch ihre beruflichen Perspektiven nicht einschränken. «In der Praxis setzt sich offenbar in der Regel Letzteres durch.»

Keystone/Christian Beutler

Viele Schweizer Väter verbringen den Alltag lieber im Büro als mit Windelnwechseln oder Kochen. Während bei den Müttern nur jede fünfte ein Arbeitspensum von 100 Prozent erfüllt, arbeiten bei den Vätern 87 Prozent Vollzeit. Diese Zahlen gehen aus einer Studie des Instituts Sotomo von Politgeograf Michael Hermann für den «Sonntagsblick» hervor. Weiter zeigt sich, dass Männer mit Kindern sogar häufiger voll arbeiten als kinderlose. Denn lediglich 79 Prozent der kinderlosen Männer haben einen 100-Prozent-Job.

Laut der Studie von Politgeograf Michael Hermann halten nur 18 Prozent der Väter die Möglichkeit zu Teilzeitarbeit und flexiblen Arbeitszeiten im Beruf für wichtig. Mehr Wert darauf legen die Kinderlosen mit 24 Prozent. Sind Männer demnach zu Vätern geworden, verliert Teilzeitarbeit an Attraktivität. Für die Studie wurden fast 22 000 Schweizerinnen und Schweizer befragt.

«Arbeit ist wohl befriedigender als Kinderbetreuung»

Markus Theunert, Präsident von männer.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, ist skeptisch. «Man kann nicht einfach sagen, dass es den Männern nicht ernst ist.» Die Geburt eines Kindes sei die grösste Traditionsfalle, weil Paare trotz anderer Absichten in die klassische Rollenteilung zurückfielen.

Theunert vermutet, dass sich viele Männer vor Teilzeitarbeit scheuten, weil sie sich dann nicht mehr als vollwertige Arbeitskräfte fühlten. «Für Männer, so erlebe ich das in meinem Umfeld, ist der Einsatz am Arbeitsplatz heute wohl schon noch befriedigender als die Betreuung von Kindern.» Das treffe auch auf ihn, Vater einer kleinen Tochter, selber zu.

Junge Frauen sind weniger offen für Familiengründung

Auch Michael Hermann sagt: «In der Praxis führt die Familiengründung zu einer stärkeren Rollenteilung.» Er glaubt, Männer verbrächten zwar mehr Zeit mit ihrer Familie, wollten dabei jedoch ihre beruflichen Perspektiven nicht einschränken. «In der Praxis setzt sich offenbar in der Regel Letzteres durch.»

Dennoch liegt Familie im Trend. Für knapp drei Viertel der 18- bis 25-Jährigen kommen Kinder infrage. Junge Männer sind dafür sogar offener als junge Frauen. Nur vier Prozent der jungen Männer können sich nicht vorstellen, eine Familie zu gründen. Die weiblichen Altersgenossinnen hingegen übertreffen diesen Wert mit neun Prozent. Ausserdem halten 47 Prozent der jungen Männer Familie für wichtiger als Karriere. Bei den 35- bis 54-jährigen Vätern wünschen sich 48 Prozent mehr Zeit für die Familie.

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