Aktualisiert

«Wie Väter ticken»«Väter brauchen ständig Bestätigung»

Der 18-jährige Hamburger Maximilan Brost hat ein Buch über Väter geschrieben. Wir haben uns mit ihm über Vorbilder, Missverständnisse und Biertrinken unterhalten.

von
Stephan Seiler

Die Schramme 10 ist die vielleicht alternativste Kneipe, die der vornehme Hamburger Stadtteil Eppendorf zu bieten hat. Auf dem Boden liegen Erdnussschalen verstreut, Rauch hängt unter der niedrigen Decke. Es ist 16 Uhr, Maximilian Brost kommt gerade aus der Schule, hatte Mathe. Nun setzt er sich im Hinterraum der Kneipe auf ein schwarzes Sofa und zündet sich eine Zigarette an.

Friday: Max, hast du ein gestörtes Verhältnis zu deinem Vater?

Maximilian Brost: Nein, überhaupt nicht. Das Verhältnis zu meinem Vater ist sogar sehr freundschaftlich. Was auch daran liegen mag, dass sich meine Eltern scheiden liessen, als ich klein war, und ich seitdem bei meiner Mutter lebe (lacht).

Wie kamst du dann auf die Idee, ein Buch über Väter zu schreiben?

Mein Vater hatte einige Ratgeberbücher geschrieben, unter anderem «Wie Teenies ticken». Aus einer Laune heraus habe ich mich entschlossen, darauf eine Replik zu schreiben. Mein Vater gab mir die E-Mail-Adresse seines Verlegers, dem ich dann ein Exposé geschickt habe.

Wie kannst du als 18-Jähriger schon wissen, wie Väter ticken?

Das Buch ist keine persönliche Betrachtung, sondern gründlich recherchiert. Ich habe insgesamt mehr als 80 Väter befragt, vor allem die von Freunden und Bekannten. Teilweise mit Fragebögen, teilweise in kleinen Runden mit viel Wein. Ich wollte nicht über meinen eigenen Vater schreiben, sondern über den Vater an sich. Ich habe versucht, den 08/15-Vater herauszukristallisieren.

Und wie ist der Vater an sich?

Der typische Vater ist einerseits mürrisch, übermüdet und zu gestresst, um auf die Probleme der Kinder einzugehen. Auf der andern Seite aber vor allem auch voller Vaterstolz, wenn seine Kinder etwas gut gemacht haben, und ein guter Kumpel, mit dem man auch gerne mal ins Fussballstadion geht.

Das klingt jetzt aber sehr pauschal.

Natürlich pauschalisiere ich. Schliesslich wollte ich ja ein Buch schreiben, in dem möglichst viele Leser ihre eigenen Väter wiederfinden. Zugleich war ich überrascht, wie sehr die meisten Väter die gängigen Klischees bestätigen.

Inwiefern denn?

Im Inneren sind viele immer noch Spielkinder, die den Fernseher auch dann noch selbst reparieren wollen, wenn er nicht mehr zu retten ist. Sie fühlen sich als Anführer, wenn sie uns Bier holen schicken. Und fast alle Väter quer durch alle Schichten haben grosse Ängste, dass sie die Familie nicht ernähren könnten.

Sind Väter eine verunsicherte Spezies?

Ich finde eher, dass sie eine missverstandene Spezies sind. Sie möchten nichts mehr, als dass ihre Kinder in ihnen ein Vorbild sehen. Väter brauchen Bestätigung. Und zwar ständig. Was sie wiederum sehr leicht manipulierbar macht.

Ein Beispiel bitte.

Da muss ich auf den Fernseher zurückkommen, den der Vater eines Freundes reparieren wollte, obwohl sein Sohn natürlich sofort die Aussichtlosigkeit dieses Vorhabens erkannte. Doch statt sich über den Vater lustig zu machen oder mit ihm zu streiten, hätte mein Kumpel seinem Vater zeigen sollen, dass er ihn für seinen Eifer bewundert und ihm so die Möglichkeit lassen sollen zu scheitern. Am Ende wird der Vater sowieso einsehen, dass er um den Kauf eines neuen Fernsehers nicht herumkommt. Und damit wird er genau das tun, was mein Freund von Anfang an wollte.

Hat sich dein Vater jemals bei dir

entschuldigt?

Ja, an ein Mal erinnere ich mich noch gut: Ein Lehrer hatte mich beschuldigt, dass ich mich vor dem Saubermachen der Klasse gedrückt hätte, was nicht stimmte. Es gab viel Ärger und mein Vater hat mir zuerst nicht geglaubt. Als sich dann die Wahrheit herausstellte, hat er sich entschuldigt. Ich glaube, Vätern fällt es deshalb so schwer, zu ihren Fehlern zu stehen, weil sie ihren Status als Familienoberhaupt auf keinen Fall gefährden möchten.

Zugleich hat man immer mehr den Eindruck, als wollten heutige Väter die Kumpels ihrer Söhne sein.

Väter haben dazugelernt. Sie nehmen die Kumpelrolle auch deshalb

ein, weil sie wissen, dass sie damit viel mehr erreichen können. Sie wissen, dass sich ihre Kinder lieber von einem Freund etwas sagen lassen als von einem strengen Erzieher. Insbesondere gemeinsame Ferien können da sehr viel bewirken. Ich erinnere mich heute noch gerne an den Snowboardurlaub mit meinem Vater. Heute gehe ich mit ihm regelmässig in eine Kneipe. Das Biertrinken verbindet uns.

Worüber redet ihr da?

Über alles Mögliche. Früher habe ich meinen Vater bei Schulproblemen, Stress mit Freunden oder meiner Freundin gefragt, mal nach der Wahl des richtigen Rasierapparats, mal wenn ich unglücklich verliebt war. Heute sprechen wir eher darüber, wie der HSV gespielt hat.

Auch über Sex?

Nein, das ist das einzige Thema, über das ich mit meinem Vater auf keinen Fall sprechen möchte. Wie oft ich mit wem schlafe und warum, das muss mein Vater nicht wissen. Darüber rede ich lieber mit meinen Freunden. Väter können gerne danach fragen, sollten aber akzeptieren, wenn ihr Kind nicht mit ihnen darüber sprechen möchte.

Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, ca. 18.90 Fr.

Maximilian Brost (18)

Das Scheidungskind wuchs im edlen Hamburger Stadtteil Eppendorf auf, wo er noch heute lebt und die zehnte Klasse des dortigen Gymnasiums besucht. Sein Debütbuch «Wie Väter ticken» ist seine Antwort auf die erfolgreichen Ratgeber-Bücher seines Vaters Hauke Brost (u. a. «Wie Frauen ticken», «Wie Teenies ticken»), der in Hamburg vor allem als Kolumnist der Zeitung «Bild» bekannt ist. In seiner Freizeit spielt Max American Football. Vor allem aber, und darauf legt er viel Wert, ist er ein fanatischer HSV-Fan und genauso grosser Werder-Bremen-Hasser. Nach der Schule will er Geschichte und Journalismus studieren.

Deine Meinung