Aktualisiert 05.04.2016 03:49

Parlamentarischer VorstossVäter sollen acht Wochen Elternzeit erhalten

Kommt das Baby, gucken die Väter in die Röhre, findet Sarah Wyss (SP): Im Grossen Rat fordert sie nun, dass der Kanton auch frischgebackenen Vätern Urlaub ermöglicht.

von
lha

Kantonsangestellte haben in Basel-Stadt Anspruch auf 10 Tage Vaterschaftsurlaub. Damit sind sie besser gestellt als die meisten Angestellten in der Privatwirtschaft. Das gesetzliche Minimum beim bezahlten Vaterschaftsurlaub sind gemäss Obligationenrecht ein- bis zwei Tage – von Urlaub kann da kaum die Rede sein. Mütter sind diesbezüglich mit einem Anspruch auf mindestens 14 Wochen bei 80 Prozent ihres Lohnes privilegiert.

Dieses Modell, das die klassische Rollenverteilung in der Familie zementiert, sei überholt, findet Grossrätin Sarah Wyss (SP). In einem Anzug, der kommende Woche ans Basler Kantonsparlament gelangt, fordert sie die Einführung der sogenannten Elternzeit auf Ebene des kantonalen Personalgesetzes. «Dabei geht es um eine Grundeinstellung», so Wyss. Das Kind sei nicht einfach Sache der Mutter. Die Einführung der Elternzeit würde, so hofft sie, auch bei privaten Arbeitgebern zu einem Umdenken führen.

«Schluss mit dem Karriereknick»

Mutterschaft und Teilzeitarbeit gingen nach wie vor mit einem Karriereknick einher. «Damit muss endlich Schluss sein», sagt Wyss. In ihrem Vorstoss schlägt sie eine Elternzeit von 24 Wochen vor, wovon 16 Wochen auf den Mutterschaftsurlaub entfallen. Das übrige Kontingent fällt dem Vater zu, der mindestens acht Wochen bezahlte Elternzeit zugute haben soll.

Schweden kennt die Elternzeit bereits seit 1994. Auch in der Schweiz werden auf Bundesebene schon länger Überlegungen in diese Richtung gemacht. Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) schlug schon 2010 die Einführung der Elternzeit von 24 Wochen vor. Allerdings hatte das Anliegen bislang einen schweren Stand. Erst im Januar sprach sich die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats gegen einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub aus.

Der Arbeitgeberverband nahm das erfreut zur Kenntnis: Es sei nicht damit getan, wenn der Vater zwei oder drei Wochen nach der Geburt beim Kind sei. Die Erziehung beginne ja erst später, teilt der Arbeitgeberverband Basel auf Anfrage mit: «Will er unbedingt kurz nach der Geburt länger vollzeitlich beim Kind und bei der Frau sein, kann er sich Urlaub nehmen.» Barbara Gutzwiller, Direktorin des Verbands, tat das Anliegen als «Begehrlichkeit von Gewerkschaftskreisen» ab.

Kein linkes Gewerkschaftsanliegen

Allerdings sei die Elternzeit durchaus ein liberales Anliegen, hielt die «Neue Zürcher Zeitung» unlängst fest. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass der Mutterschaftsurlaub die traditionellen Rollenmuster stärke. «Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, die Verteilung der Arbeit in einem Haushalt nach der Geburt eines Kindes bloss einem Elternteil zu übertragen», schrieb die Zeitung in ihrer «liberalen Agenda» . Das Feld dürfe man nicht allein der Linken überlassen.

Wyss möchte ihren Anzug von möglichst vielen Parlamentariern aller politischen Couleur unterzeichnen lassen. In einer Woche wird sich dann zeigen, wie sehr die Elternzeit in Basel nur ein linkes Anliegen ist.

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