Aktualisiert 30.03.2014 15:50

Martin Candinas, CVPVäter sollen zwei Wochen Urlaub erhalten

CVP-Nationalrat Martin Candinas will Taggelder, die bei der Armee frei werden, in einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub investieren. Die Chancen des Vorstosses sind intakt.

von
Simon Hehli
CVP-Nationalrat Martin Candinas möchte einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub – und könnte mit seiner Forderung durchkommen.

CVP-Nationalrat Martin Candinas möchte einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub – und könnte mit seiner Forderung durchkommen.

Bis die Schweizer Mütter einen bezahlten Schwangerschaftsurlaub bekamen, verstrichen viele Jahrzehnte. So lange soll es bei den Männern nicht gehen, findet CVP-Nationalrat Martin Candinas. Er hat einen Vorstoss eingereicht, der dem schon seit einiger Zeit diskutierten Vaterschaftsurlaub zum Durchbruch verhelfen könnte.

Candinas' Modell sieht vor, dass die Väter über die Erwerbsersatzordnung (EO) nach der Geburt ihres Kindes zehn Tage Urlaub bezahlt bekommen. Sie könnten diesen am Stück beziehen oder auf einzelne Tage verteilt. Die Präsenz der Väter nach der Geburt sei unerlässlich für einen guten Start ins Familienleben, sagt der Bündner, der selber zwei Kinder hat. «Wir sollten den Vätern Zeit geben, sich auf die neue Situation einzustellen.»

Mittel frei dank kleinerer Armee

Der Ausbau des Sozialstaates würde den Steuerzahlern nicht einmal höhere Lohnbeiträge bescheren, verspricht Candinas: Weil es in der verkleinerten Armee weniger Diensttage gebe, würden Mittel frei für den Vaterschaftsurlaub. Er hat für seine parlamentarische Initiative breite Unterstützung innerhalb seiner Fraktion gewonnen – CVP-Präsident Christophe Darbellay und Vize-Fraktionschefin Viola Amherd stehen dahinter, aber auch Yannick Buttet und Ruth Humbel vom konservativen Parteiflügel.

Diese Rückendeckung kann entscheidend sein. Denn nur wenn er die CVP praktisch geschlossen hinter sich schart, hat Candinas Aussichten auf Erfolg. Ein Vorstoss von SP-Nationalrätin Valérie Piller für einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub scheiterte im letzten Herbst mit 84 zu 96 Stimmen relativ knapp – vor allem, weil die CVP gespalten war.

«Das Geld gehört den Unternehmen»

SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr signalisiert Unterstützung für die weniger weit gehende Initiative von Candinas: «Es ist erfreulich, dass aus bürgerlichen Kreisen ein Vorschlag für einen ersten Schritt in Richtung Vaterschaftsurlaub kommt.» Spielen auch Grüne und Grünliberale mit, liegt im Nationalrat eine – knappe – Mehrheit für den Vorstoss in Reichweite.

Nichts vom Vorschlag wissen will SVP-Sozialpolitiker Roland Borer. Er habe Verständnis dafür, wenn ein Vater die ersten Tage im Leben seines Kindes miterleben wolle – «aber wenn ihm das so wichtig ist, soll er dafür halt Ferien beziehen». Die Schweiz könne sich einen weiteren Ausbau der Sozialwerke schlicht nicht leisten. Dass die EO langfristig Überschüsse erzielen würde, sei Quatsch, sagt der Solothurner. «Und selbst wenn: Dann gehört das Geld den Unternehmen und wir müssen die Beiträge runterfahren, um den Werkplatz zu stärken.»

Mutter soll Urlaub mit Vater teilen

FDP-Nationalrat Andrea Caroni erklärt, auch seine Fraktion werde aus Kostengründen Candinas' Vorstoss ablehnen. Caroni kämpft stattdessen für seine eigene Lösung, die er während der Frühlingssession präsentierte: Vater und Mutter sollen den 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub selber unter sich aufteilen können – zumindest jenen Teil, der über die gesetzlich vorgeschriebene Schonzeit von acht Wochen für die Mutter hinausgeht.

«Eine solche Flexibilisierung bringt den Eltern mehr Freiheiten und dem Staat keine Mehrkosten», so Caroni. Wenn ein Vater noch mehr Zeit brauche, solle er das mit dem Arbeitgeber aushandeln – und etwas Geld auf die Seite legen für einen unbezahlten Urlaub.

Für Bundesrat «nicht erste Priorität»

In eine ähnliche Richtung zielte ein Postulat von SP-Ständerätin Anita Fetz: Sie regte eine Vorsorge-Einrichtung an, in die künftige Eltern steuerbefreit einzahlen können, um auf den späteren Babyurlaub sparen zu können. Der Bundesrat nutzte den Vorstoss gleich, um im letzten Herbst eine grosse Auslegeordnung mit acht verschiedenen Modellen für einen Eltern- oder Vaterschaftsurlaub zu präsentieren. Die Regierung betonte aber auch, dass ein solcher nicht erste Priorität geniesse.

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