Aktualisiert

Mail aus RioVai-vai Brasil!

In regelmässigen Abständen erreicht uns elektronische Post von unseren Reportern aus Rio. Peter Berger über seine Olympia-Premiere vor Ort.

von
pbt
Sarah Menezes strahlt mit ihrer Goldmedaille im Judo an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London.

Sarah Menezes strahlt mit ihrer Goldmedaille im Judo an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London.

Keystone/AP/Paul Sancya

Ich bin das erste Mal in Brasilien. Fan von diesem Land bin ich aber schon lange. Bereits als Kind hat mir die brasilianische Flagge farblich gefallen. Die Seleçao, die brasilianische Fussball-Mannschaft, schloss ich zuallererst deswegen in mein Herz. Dieses gelbe Leibchen – gelb ist meine Lieblingsfarbe – dann die blauen Hosen dazu. Die Brasilianer hatten einfach meistens das schönere Dress als der Gegner. Wohl auch deshalb behauptete ich während der WM 1986 immer noch in voller Überzeugung, Zico sei der bessere Spieler als der Argentinier Diego Armando Maradona. Erst später habe ich meine Meinung revidiert. Aber nicht bloss der Flagge und der Seleçao wegen habe ich Sympathien für Brasilien. Schon der Name tönt einfach gut, hat etwas Schönes und Geheimnisvolles – für mich ähnlich wie Jamaika.

Aber egal, was ich sagen will, ich hoffe, dass die Brasilianer viel Freude haben werden an diesen Olympischen Spielen. Denn in meinen ersten Tagen hier habe ich davon nichts gespürt. Eher scheinen die Leute die Spiele nicht sonderlich zu interessieren, zu gross sind wohl die Alltagssorgen. Ein Taxifahrer hat immer noch den Brazuca, den WM-Ball von 2014, als Schlüsselanhänger. Ein anderer hat ein Mini-Shirt der Fussball-Mannschaft von Vasco da Gama im Auto. Aber irgendwelche Artikel der Spiele wie etwa die Maskottchen Vinicius und Tom habe ich bisher nicht im Besitz der Leute gesehen.

Goldmedaillen würden helfen

Ich hoffe, das ändert sich schnell und sie lassen sich begeistern und zeigen dies auch. Denn immerhin hat es Brasilien geschafft, erster Austräger der Sommerspiele in Südamerika zu sein. Das sollen die Leute feiern. Um die Euphorie zu entfachen, braucht es nicht nur Tore von Marta oder Neymar, sondern auch Goldmedaillen. Die erste Chance dazu bietet sich am Samstag Sarah Menezes. Die Judoka ist Titelverteidigerin in der Klasse bis 48 Kilogramm. In diesem Sinne: Vai-vai Brasil!

Peter Berger ist Sportredaktor und berichtet für 20 Minuten von den Olympischen Spielen aus Rio.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.