Aktualisiert 08.01.2016 10:50

Fifa-SkandalValcke machte Deal mit eigenem Sohn

Luxuswohnung, Privatflüge, Jobs für den eigenen Sohn: Der suspendierte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke soll sich viele Freiheiten herausgenommen haben.

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dia
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Der Fifa-Korruptionsskandal im Überblick9. September 2016Ex-Präsident Sepp Blatter droht neuer Ärger. Die Ethikkommission des Fussball-Weltverbands hat ein neues Verfahren gegen dessen früheren Präsidenten eröffnet. Wegen Zahlungen von Gehältern und Boni wird  auch gegen den ehemaligen Generalsekretär Jérôme Valcke und Ex-Finanzchef Markus Kattner ermittelt.

Der Fifa-Korruptionsskandal im Überblick9. September 2016Ex-Präsident Sepp Blatter droht neuer Ärger. Die Ethikkommission des Fussball-Weltverbands hat ein neues Verfahren gegen dessen früheren Präsidenten eröffnet. Wegen Zahlungen von Gehältern und Boni wird auch gegen den ehemaligen Generalsekretär Jérôme Valcke und Ex-Finanzchef Markus Kattner ermittelt.

Keystone/Valentin Flauraud
5. August 2016Gianni Infantino kann aufschnaufen. Die Ethikkommission des Weltfussballverbandes hat die Ermittlungen gegen ihren Präsidenten eingestellt. Der Schweizer habe nicht gegen Verhaltensregeln verstossen. Untersucht wurden etwa Reisen des Wallisers wie auch dessen Personalpolitik.

5. August 2016Gianni Infantino kann aufschnaufen. Die Ethikkommission des Weltfussballverbandes hat die Ermittlungen gegen ihren Präsidenten eingestellt. Der Schweizer habe nicht gegen Verhaltensregeln verstossen. Untersucht wurden etwa Reisen des Wallisers wie auch dessen Personalpolitik.

AP/Rebecca Blackwell
3. Juni 2016Im Fifa-Hauptsitz von Präsident Gianni Infantino fand schon wieder eine Hausdurchsuchung statt. Es wurden Dokumente und elektronische Daten gesammelt.

3. Juni 2016Im Fifa-Hauptsitz von Präsident Gianni Infantino fand schon wieder eine Hausdurchsuchung statt. Es wurden Dokumente und elektronische Daten gesammelt.

epa/Rungroj Yongrit

Die Vorwürfe gegen den suspendierten Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke wiegen schwer. Der 55-Jährige soll einer Marketingfirma bei der WM 2014 Tickets zugehalten haben. Dafür wollte er einen Teil des Gewinns. Die US-Justiz verdächtigt ihn zudem, bei der WM 2010 zehn Millionen Dollar aus Südafrika an die von Skandalfunktionär Jack Warner kontrollierten Fussball-Verbände CONCACAF und CFU weitergeleitet zu haben.

Der Franzose wehrt sich vehement gegen diese Vorwürfe. Allerdings werfen Aussagen von Wegbeleitern ein anderes Licht auf Valcke. Wie der «Tagesanzeiger» berichtet, habe er oft Privates mit Geschäftlichem vermischt. Im Juli dieses Jahres sei er beispielsweise mit einem gemieteten Jet an eine Pressekonferenz nach St. Petersburg geflogen. An Bord waren neben Offiziellen der Fifa auch Privatpersonen, darunter Valckes Frau und seine Kinder. Alles bezahlt vom Weltfussballverband.

Keine Regeln für Privatflüge

Laut dem Bericht hat es ein halbes Dutzend ähnlicher Flüge gegeben. So wird ein Trip nach Indien im Jahr 2012 aufgeführt. Neben dem Treffen mit dem indischen Verband sei auch ein Abstecher zum Taj Mahal auf dem Programm gestanden. Allerdings habe Valcke da einen Teil der Mehrkosten selbst getragen. Dazu kommt, dass die Fifa keine detaillierten Regeln für Flüge mit Privatjets kennt.

Ein weiteres Beispiel, wie Valcke sein Geschäftsleben mit seiner Familie vermischte, sorgte in Brasilien für Kopfschütteln. Bei der WM 2014 erhielt Sohn Sébastian einen Job als «Assistant General Coordinator», obwohl er «nicht mehr als ein Faxgerät bediente», wie ein Fifa-Offizieller dem «Tagesanzeiger» sagte.

«Eine kurze Zündschnur»

Weitaus gravierender sei aber ein bislang nicht bekannter Deal. Die Fifa schloss 2014 mit dem US-Softwarehersteller EON Reality einen Vertrag über 700'000 Dollar ab. Valckes Sohn war bei der IT-Firma angestellt und sollte rund 50'000 Dollar Umsatzbeteiligung bei Vertragsunterzeichnung erhalten. Weitere 15'000 Dollar würden gezahlt, wenn die Fifa das Geld vorab überweise. Es wird vermutet, dass die Fifa-Ethikkommission von diesem Fall Kenntnis hat.

Nach Angaben der Zeitung gilt Valcke innerhalb der Fifa als aufbrausend, ein Mann, der «eine sehr kurze Zündschnur hat», wie ein Kadermann sagt. Er interessiere sich vor allem für seine Deals und sein Luxusleben. So habe er in Wollerau SZ eine Villa mit Pool sowie Domizile in Verbier und auf der Insel Korsika.

Luxuswohnung von Ronaldo

Auch bei der Arbeit habe der Franzose nicht auf Luxus verzichten wollen. Während er in Rio für die WM 2014 beschäftigt war, residierte er in einem luxuriösen Apartment. Dieses habe er vom ehemaligen Brasilien-Star Ronaldo gemietet. Laut Fifa-Quellen kostete die Wohnung allein im Jahr 2013 150'000 Dollar. Der Verband zahlte, auch wenn er darauf hinwies, dass eine Hotelsuite «weniger als die Hälfte» kosten würde.

Dem Generalsekretär werden zahlreiche Verstösse gegen den Ethikkodex vorgeworfen. Ob auch die genannten Fälle in das Urteil der Ethikkomission einfliessen werden, ist unklar. Fakt ist: Die Fifa hat Valcke am 17. September suspendiert, am 8. Oktober ist er mit einer 90-tägigen Sperre belegt worden. Diese ist am vergangenen Mittwoch um 45 Tage verlängert worden. Die Ethikrichter wollen innerhalb dieser Frist über die Zukunft des Franzosen entscheiden. Valcke droht eine neunjährige Sperre.

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