Aktualisiert 10.02.2004 14:23

Valentin: Liebesgrüsse aus dem altem Rom

In vielen Kulturen hat der Valentinstag eine uralte Tradition mit unterschiedlichen Bedeutungen. Bereits im alten Rom zelebrierte man diesen Tag. In der Schweiz wurde er allerdings erst 1949 von geschäftstüchtigen Gärtnern eingeführt.

Den Valentinstag feierten die alten Römer seit dem 5. Jahrhundert. In Frankreich und England wird er seit dem Mittelalter begangen. In der Schweiz dagegen wurde er erst 1949 eingeführt - von der geschäftstüchtigen Gärtnerzunft.

Am Valentinstag wählen Vögel ihre - lebenslangen - Partner, glaubten die Briten seit dem 14. Jahrhundert. In Shakespeares «A Midsummer Night's Dream» beispielsweise wundert sich jemand über ein schmusendes Pärchen: Valentinstag sei doch vorbei, warum sich die Waldvögel wohl jetzt erst paarten?

Mit diesem Aberglauben verbunden waren seit jeher sogenannte Brautorakel. Sah eine Engländerin am Valentinstag ein Rotkehlchen fliegen, musste sie mit einem Seemann als Gatten rechnen. Ein Spatz verhiess eine glückliche Ehe mit einem armen Mann, ein Distelfink versprach einen vermögenden Lebenspartner.

Das Herz auf der Zunge

Partnerwahl gehörte auch schon zum römischen Fruchtbarkeitskult «Lupercalia». Am Anfang des mehrtägigen Fests Mitte Februar wurde eine Liebeslotterie zu Ehren von Juno, der Schutzgöttin der Ehe, organisiert. Junge Männer mussten Lose ziehen, auf denen Namen der Mädchen standen, um die sie werben sollten.

Die Liebeslotterie ist in amerikanischen Schulen heute noch gebräuchlich wie einst im mittelalterlichen England. Dort hefteten sich die Männer das Zettelchen eine Woche lang an den Hemdärmel. Daraus entstand die Wendung «to wear your heart on your sleeve», sein Herz auf dem Ärmel tragen, etwa wie deutsch sein «Herz auf der Zunge».

Augenlicht als Valentinsgeschenk

Den Schritt von den römischen Lupercalia zum christlichen Valentinstag verordnete 496 nach Christus Papst Gelasius. Vor allem traditionelle Riten wie das Schlagen von Frauen mit Ziegenlederriemen (»februa») zwecks Erhöhung ihrer Fruchtbarkeit waren der Kirche ein Dorn im Auge.

Welchem der 17 bekannten heiligen Valentins Gelasius den Feiertagsnamen entlehnt hat, ist umstritten. Wahrscheinlichster Kandidat ist der Bischof Valentin von Treni (Umbrien), der unter Kaiser Claudius II den Märtyrertod starb. Claudius hatte ein Heiratsverbot erlassen, weil er befürchtete, die Ehe schwäche seine Streitmacht. Valentin verheiratete trotzdem heimlich Paare und wurde eingekerkert.

Im Gefängnis befreundete er sich mit der blinden Tochter des Wärters, die ihn liebevoll betreute. Am Tag vor der Hinrichtung schrieb er ihr ein Briefchen. Zur Stunde seines Todes wurde es ihr ausgehändigt und gleichzeitig bekam sie ihr Augenlicht wieder. Das billet doux war mit «von deinem Valentin» signiert. Aus dieser Unterschrift soll der angelsächsische Ausdruck «Valentine» für «Schatz» entstanden sein.

Hochleistungskitsch

«Valentine» nennen die Amerikaner aber auch die Glückwunschkarten, von denen sie sich jeden 14. Februar etwa eine Milliarde schicken. Ursprünglich waren die Karten handgemacht und aufwendig mit Bildchen, Spitzen und Bändern verziert. Die ersten kommerziellen «Valentines» produzierte 1847 die 19-jährige College- Studentin und Papeteristentochter Esther Howland in Worcester, Massachusetts.

Sie bildete mit ihren Brüdern und Freundinnen lange vor Henry Ford eine «assembly line» und erfand gleichsam das Fliessband: Jemand schnitt Bildchen zu, der zweite arrangierte, die dritte klebte und so weiter. Die Valentines machten Howland reich und zu einer der ersten Karrierefrauen der Wirtschaftsgeschichte.

(sda)

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