Aktualisiert 03.07.2019 05:28

Fertig mit Franchise-System Valora kündigt Avec-Shop-Betreibern die Verträge

Der Kioskkonzern Valora will die Verträge mit den selbständigen Avec-Filialen auflösen. Die Shops sind bald nur noch Agenturpartner, die Betreiber bangen um ihre Gewinne.

von
S. Spaeth
1 / 10
Valora verzichtet künftig aufs Franchise-System und setzt aufs Agenturmodell. Die Verträge mit den selbststänigen Unternehmer werden noch in diesem Juli gekündigt.

Valora verzichtet künftig aufs Franchise-System und setzt aufs Agenturmodell. Die Verträge mit den selbststänigen Unternehmer werden noch in diesem Juli gekündigt.

urs Jaudas
Valora diktiert den Avec-Läden im Rahmen des Agenturmodells die Preise. Im Bild: Valora-CEO Michael Mueller (r.) und der Retail-Chef Roger Vogt.

Valora diktiert den Avec-Läden im Rahmen des Agenturmodells die Preise. Im Bild: Valora-CEO Michael Mueller (r.) und der Retail-Chef Roger Vogt.

Noemi Braem
Die bisherigen Franchise-Nehmer sind unzufrieden: «Während Jahren habe ich selbstständig einen Avec-Shop aufgebaut. Mit dem Agenturmodell habe ich beinahe das gleiche Risiko, darf aber fast nichts mehr selbst bestimmen», sagt ein Avec-Shop-Betreiber zu 20 Minuten.

Die bisherigen Franchise-Nehmer sind unzufrieden: «Während Jahren habe ich selbstständig einen Avec-Shop aufgebaut. Mit dem Agenturmodell habe ich beinahe das gleiche Risiko, darf aber fast nichts mehr selbst bestimmen», sagt ein Avec-Shop-Betreiber zu 20 Minuten.

Avec

«Wollen Sie selbstständig arbeiten und Ihr eigener Chef sein?» So preist Valora sein Agenturmodell an, das der Konzern bei seinen K-Kiosken oder Press-&-Books-Läden anbietet. Bei den Avec-Shops hingegen setzte Valora bisher auch auf das Franchise-System. 30 eigenständige Unternehmer zahlen monatlich eine Franchise-Gebühr an Valora und führen über 50 Läden auf eigenes Risiko. Will heissen: Sie waren freier in der Preis- und Sortimentsgestaltung und konnten allfälligen Gewinn Ende Jahr für sich behalten.

Nun ist aber fertig mit dem Franchise-System. Valora hat die Partner per eingeschriebenem Brief darüber informiert, ihre Franchise-Verträge per Ende Jahr aufzulösen. «Wir werden Ihnen einen Agenturvertrag anbieten, welcher im Anschluss an die Laufzeit des Franchisevertrags gilt und diesen ersetzen soll», heisst es im Schreiben von Valora. Elementar im neuen Avec-Konzept sei eine attraktive Preisstrategie, hiess es weiter: «Eine solche lässt sich mit Agenturen sehr viel einfacher sicherstellen, da Valora die Verkaufspreise an die Endkunden selbstständig festlegen kann.» Beim Agenturmodell verkauft der Partner im Namen und auf Rechnung von Valora.

«Als Agentur darf man fast nichts selbst bestimmen»

Die bisherigen Franchise-Nehmer sind enttäuscht und sehen sich Valora ausgeliefert: «Während Jahren habe ich selbstständig einen Avec-Shop aufgebaut. Mit dem Agenturmodell habe ich beinahe das gleiche Risiko, darf aber fast nichts mehr selbst bestimmen», sagt ein Avec-Shop-Betreiber zu 20 Minuten. Er sei bald kein richtig selbstständiger Unternehmer mehr. Laut dem Avec-Shop-Betreiber gibt Valora beim Agenturmodell etwa grosse Teile des Sortiments und die Verkaufspreise vor.

Valora bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten den Abschied vom Franchise-System. «Der Versand der Kündigungsschreiben an 30 Franchisepartner ist bis Ende Juli 2019 vorgesehen», so eine Sprecherin. Ab August werde Valora den Franchisenehmern einen neuen Agenturvertrag anbieten und die künftigen Vertragskonditionen verhandeln. Laut der Sprecherin ist der parallele Betrieb verschiedener Partnersysteme und zusätzlichen eigenen Standorten für Valora zunehmend kompliziert geworden.

Geschäftsführer bangen um Gewinne

Die bisherigen Avec-Shop-Betreiber bangen um ihre Einkünfte. Bis jetzt habe er sich als Geschäftsführer 13 Monatslöhne über rund 6000 Franken ausbezahlt, wie einer von ihnen berichtet. Dazu sei nach einem schlechten Geschäftsjahr 20'000, nach einem guten 40'000 Franken zusätzlich für ihn als Unternehmer geblieben. «Leider geht dieser Gewinn künftig an Valora», so ein Shop-Betreiber. Valora hält dagegen: «Der Agent erhält eine Provision auf dem Umsatz. Mit dieser bezahlt er unter anderem die Löhne.» Der Gewinn variiere und hänge vom Umsatz und den Kosten ab, was massgeblich vom Agenturpartner beeinflusst werden könne.

Laut Valora können die Agenturpartner weiterhin als selbstständige Unternehmer im Valora-Netzwerk agieren, dabei Arbeitgeber ihres eigenen Personals sein und von unternehmerischen Freiräumen profitieren. Von den total rund 1100 Valora-Verkaufsstellen in der Schweiz werden rund 70 Prozent als Agenturen betrieben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.