«Backwerk»-Kauf: Valora sucht Erfolg mit aufgemotztem Billigbäcker
Aktualisiert

«Backwerk»-KaufValora sucht Erfolg mit aufgemotztem Billigbäcker

Die Kioskbetreiberin Valora kauft den deutschen Selbstbedienungs-Bäcker Backwerk. Und will auch in der Schweiz mehr Läden eröffnen.

von
Dominic Benz
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Valora kauft die Billigbäckerei Backwerk und will damit neben Deutschland, Österreich und den Niederlanden in der Schweiz expandieren.

Valora kauft die Billigbäckerei Backwerk und will damit neben Deutschland, Österreich und den Niederlanden in der Schweiz expandieren.

Keystone/Georgios Kefalas
Valora betreibt neben den Kiosks auch das Caffè Spettacolo...

Valora betreibt neben den Kiosks auch das Caffè Spettacolo...

Keystone/Marcel Bieri
...und den Brezelkönig.

...und den Brezelkönig.

Keystone/Steffen Schmidt

Weggli, Sandwiches oder Berliner zum Nehmen aus der Box – die Snacks der Selbstbedienungs-Bäckerei Backwerk in Deutschland boomen. Nun wird sie schweizerisch. Die Kioskbetreiberin Valora kauft das Unternehmen mit Sitz in Essen für 190 Millionen Euro (knapp 220 Millionen Franken).

In der Schweiz hat Backwerk, das seine Filialen im Franchise-Modell betreibt, bereits zwei Filialen in Winterthur und Schaffhausen. Richtig Fuss fassen konnte des Konzept hier aber bisher nicht. Das soll sich jetzt mit Valora ändern. «Wir streben mit Backwerk nach weiterem Ausbau in der Schweiz», sagt Valora-Sprecher Lukas Mettler zu 20 Minuten.

«Treiben Expansion in der Schweiz voran»

Die Wachstumspläne sind ambitiös. Insgesamt hat Backwerk rund 340 Filialen vorwiegend in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Nun sollen 80 bis 100 weitere hinzukommen. «Wir wollen schwergewichtig in den bestehenden Märkten wie Deutschland, Niederlande und Österreich weiter wachsen und ebenso die Expansion in die neuen Märkte wie die Schweiz weiter vorantreiben», so Mettler.

Wo es genau in der Schweiz neue Shops geben wird, ist noch unklar. Es sei noch zu früh, über konkrete Standorte zu sprechen. «Wir werden uns wie bisher auf Hochfrequenzlagen bei Bahnhöfen, aber auch in Innenstädten konzentrieren», ergänzt der Sprecher.

«Billig-Image wurde abgelegt»

Dass nun die Schweiz mit einem Filialen eines Billigbäckers überschwemmt wird, verneint Valora. Zwar sei Backwerk ursprünglich als Discounter positioniert gewesen, sagt Mettler. Mittlerweile habe sich die Marke aber geändert. «Das Billig-Image wurde abgelegt und ist einem breiten, hochwertigen Snack-Angebot gewichen.» In der Schweiz werde man auch die lokalen Kundenbedürfnisse berücksichtigen.

Von der Pleite der Backwerk-Filiale am Bahnhof Stadelhofen 2013 lässt sich Valora nicht abschrecken. Die Ausgangslage sei heute ganz anders als damals, versichert Mettler.

Keine Angst vor Migros und Coop

Auch fürchtet sich Valora nicht vor der Konkurrenz wie Migros und Coop mit seinen Take-away-Shops. Mit dem Caffè Spettacolo und Brezelkönig habe man in den letzen Jahren bewiesen, dass man sich im Schweizer Markt behaupten könne, sagt Mettler. Bei Coop wollte man sich nicht zu den neuen Plänen von Valora äussern.

Für den Vontobel-Analysten René Weber sind die Chancen in der Schweiz allerdings begrenzt: «Auf dem Schweizer Snack-Markt gibt es nur geringes Wachstum.» Daher werde Deutschland weiter Umsatzträger bleiben.

Konstantes Wachstum

Bei der Expansion spielt laut Weber der Image-Wechsel eine Rolle. «Seit Backwerk nicht mehr ein Billigbäcker ist, hat das Unternehmen den Umsatz um rund 5 Prozent jährlich steigern können.» Daher passe das Konzept zu Valora.

Obwohl der Übernahmepreis für Backwerk hoch sei, mache der Zukauf für Valora wegen Synergie-Effekten beim Einkauf, der Distribution und Produktion durchaus Sinn.

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