Impfprämie – Valora zahlt Mitarbeitenden 150 Franken fürs Impfen
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ImpfprämieValora zahlt Mitarbeitenden 150 Franken fürs Impfen

Angestellte der Valora-Gruppe erhalten neu europaweit eine Impfprämie. Wer bereits geimpft ist, profitiert aber nicht davon. Das verärgert Angestellte.

von
Barbara Scherer
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Die Valora-Gruppe, zu der auch K Kiosk gehört, zahlt neu eine Impfprämie.

Die Valora-Gruppe, zu der auch K Kiosk gehört, zahlt neu eine Impfprämie.

20min/Simon Glauser
Angestellte, die sich bis zum 4. Februar vollständig impfen lassen, bekommen 150 Franken.

Angestellte, die sich bis zum 4. Februar vollständig impfen lassen, bekommen 150 Franken.

20min/Michael Scherrer
Dafür müssen sie ein gültiges Covid-Zertifikat vorlegen.

Dafür müssen sie ein gültiges Covid-Zertifikat vorlegen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

Die fünfte Welle rollt über die Schweiz. Erste Intensivstationen sind bereits wieder am Limit. Dabei ist der grösste Teil der Patienten und Patientinnen auf Intensivstationen ungeimpft. Damit sich mehr Leute impfen lassen, zahlt Valora seinen Angestellten nun eine Prämie.

Alle Mitarbeitenden, die sich zwischen dem 24. November und 4. Februar vollständig gegen Corona impfen lassen, bekommen einmalig 150 Franken. Zusätzlich muss ein gültiges Covid-Zertifikat vorgelegt werden, wie es in einem internen Schreiben des Konzerns heisst, zu dem Marken wie K Kiosk, Avec und Brezelkönig gehören (siehe Box).

Das ist Valora:

Angestellte, die bereits geimpft sind oder sich jetzt die dritte Impfung holen, erhalten aber keine Prämie. News-Scout K. arbeitet bei Valora und nervt sich über das Unternehmen: «Ich fühle mich total benachteiligt, weil wir Geimpften gar keine Vorteile haben. Ich finde das unfair.»

Impfung sichert Arbeitsplätze

Valora bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass europaweit allen Mitarbeitenden eine einmalige Prämie ausbezahlt werde. «Mit der Impfprämie wollen wir eine zusätzliche Motivation in der Belegschaft schaffen, sich jetzt doch noch impfen zu lassen», sagt eine Mediensprecherin.

Die Aktion diene allen Angestellten. Denn es komme vermehrt zu Massnahmen, die an den Impfstatus geknüpft werden. Das beeinträchtige Verkaufsstellen und Produktionswerke. Die Impfung helfe dabei, den Betrieb aufrecht zu erhalten und sichere dadurch Arbeitsplätze: «Das dient letztlich allen.»

Ein rechtlicher Graubereich

Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) unterstützt die Idee nicht, geimpften Mitarbeitenden eine Prämie zu bezahlen: «Wir sind der Ansicht, dass dies der falsche Ansatz ist», sagt Daniella Lützelschwab, Ressortleiterin Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht beim SAV.

Viel wichtiger sei zurzeit die korrekte Umsetzung der massgeschneiderten Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz. Arbeitsrechtlich bewegt sich Valora mit der Impfprämie in einem Graubereich, wie Roger Rudolph, Experte für Arbeitsrecht und Professor an der Universität Zürich, sagt.

«Bisher gibt es weder eine klare gesetzliche Grundlage dazu noch hat ein Gericht über so etwas schon entschieden», erklärt Rudolph. Allerdings sei es Unternehmen rechtlich grundsätzlich erlaubt, Mitarbeitende nach Kategorien zu unterscheiden und anders zu entlohnen.

Impf-Motivation könnte sinken

Grundsätzlich funktionieren Prämien oder Belohnungen im Arbeitsumfeld, erklärt Petra Schmid, Expertin für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich. Allerdings steigere sich dadurch nicht die Motivation, die Impfung aus eigener Überzeugung zu machen – diese könne sogar sinken.

Denn gewisse Arbeitnehmende können das Gefühl bekommen, dass sich die Firma in persönliche Angelegenheiten einmischt. «Impfunwillige mögen sich angegriffen und unverstanden fühlen», so Schmid. Gleichzeitig fühlen sich bereits Geimpfte unfair behandelt, wenn sie keine Prämie mehr bekommen.

Das wirkt sich negativ auf das Unternehmen aus: «Wer sich nicht mit den Werten der Organisation identifiziert und sich nicht fair behandelt fühlt, ist weniger motiviert und entscheidet sich eher dazu, eine Firma zu verlassen», sagt Schmid.

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