Ohr-ab-Aktion: Van Gogh hats aus Frust über den Bruder getan
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Ohr-ab-AktionVan Gogh hats aus Frust über den Bruder getan

Die Selbstverstümmelung Vincent van Goghs gab Forschern lange Rätsel auf. Nach vielen Gerüchten präsentiert ein Autor nun wohl den wahren Grund.

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Auch wer keinen blassen Schimmer von Kunst hat, dürfte wissen, dass sich der niederländische Maler Vincent van Gogh ein Ohr abschnitt. Das war im Jahr 1888.

Auch wer keinen blassen Schimmer von Kunst hat, dürfte wissen, dass sich der niederländische Maler Vincent van Gogh ein Ohr abschnitt. Das war im Jahr 1888.

Keystone/AP/Kevin Clark
Davon zeugt nicht zuletzt ein Selbstporträt von 1889, das ihn mit Verband zeigt. Wie es dazu kam, lag jedoch bislang im Dunkeln. Das führte zu jeder Menge Erklärungsversuchen.

Davon zeugt nicht zuletzt ein Selbstporträt von 1889, das ihn mit Verband zeigt. Wie es dazu kam, lag jedoch bislang im Dunkeln. Das führte zu jeder Menge Erklärungsversuchen.

Keystone/Steffen Schmidt
Als am realistischsten galt bisher die Version, dass ein Streit mit seinem Malerkollegen und Mitbewohner Paul Gauguin den Meister des Post-Impressionismus zu der Tat veranlasste. Denn in der Nacht vom 23. Dezember 1888 gab es tatsächlich einen solchen.

Als am realistischsten galt bisher die Version, dass ein Streit mit seinem Malerkollegen und Mitbewohner Paul Gauguin den Meister des Post-Impressionismus zu der Tat veranlasste. Denn in der Nacht vom 23. Dezember 1888 gab es tatsächlich einen solchen.

PD

Auch wer die Bilder des niederländischen Malers Vincent van Gogh nicht kennt, der weiss meist zumindest, dass er es war, der sich 1888 das linke Ohr abschnitt. Die Hintergründe der Tat blieben jedoch stets im Dunkeln. Das führte zu jeder Menge Erklärungsversuchen.

Als am realistischsten galt bisher die Version, dass ein Streit mit seinem Malerkollegen und Mitbewohner Paul Gauguin den Meister des Post-Impressionismus dazu veranlasste. Denn in der Nacht vom 23. Dezember 1888 gab es tatsächlich einen solchen.

Doch ob die Auseinandersetzung wirklich der Auslöser für die Wahnsinnstat war, konnte nie ganz geklärt werden.

Hochzeitsankündigung ruft Panik hervor

Eine völlig neue Sicht auf die damaligen Geschehnisse hat Van-Gogh-Experte Martin Bailey aus Grossbritannien. Gemäss seinen Recherchen für das Buch «Studio of the South» hat nämlich nicht Gauguin, sondern ein Brief seines Bruders Theo den Stein ins Rollen gebracht.

In diesem soll der vier Jahre jüngere Bruder dem Maler von seiner kurz bevorstehenden Hochzeit berichtet haben, schreibt der «Guardian».

Handgemalter Animationsfilm erzählt die Geschichte von Vincent van Gogh

Lebensstandard in Gefahr

Nicht nur die spontane Entscheidung Theos – er hatte sich erst kurz zuvor verliebt – entsetzte Vincent, sondern er sah auch die enge Bindung zu seinem Bruder in Gefahr sowie die von ihm kommende finanzielle Unterstützung. Schliesslich kam Theo seit Jahren für seinen Lebensunterhalt auf.

Um seinen bisherigen Lebensstandard bangend, soll Vincent van Gogh laut Autor Martin Bailey erst zur Rasierklinge und dann zu seinem linken Ohr gegriffen haben.

Ungewöhnliches Geschenk – nicht nur für eine Prostituierte

Das abgetrennte Ohr vermachte der Künstler wenige Stunden später einer französischen Bauerntochter namens Gabrielle Berlatier. Die damals 18-Jährige arbeitete in einem Bordell in Arles und war des Malers Lieblingsprostituierte, wie Bernadette Murphy in ihrem Buch «Van Gogh's War: The True Story» schreibt.

Noch vom Blut des Aktes besudelt und sichtlich angetrunken, soll er ihr das Ohr mit den Worten, sie solle das Ding gut aufbewahren, überreicht haben. Als die Frau erkannte, was in ihrer Hand lag, soll sie in Ohnmacht gefallen sein.

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