Sachbeschädigungen in Baden: Vandalen-Party: Polizei ermittelt gegen Juso
Aktualisiert

Sachbeschädigungen in BadenVandalen-Party: Polizei ermittelt gegen Juso

Sie wollten für billigeren Wohnraum demonstrieren, aber der Schuss ging nach hinten los: Nachdem die Juso Aargau in Baden ein Haus besetzt hatte, kam es zu Sachbeschädigungen. Die Polizei ermittelt gegen die Verantwortlichen, während die SP Schweiz sich verhalten distanziert.

von
Lukas Mäder

Am Sonntagmorgen gab es für die Jungsozialisten Aargau ein böses Erwachen. Sie hatten in der Nacht zuvor eine Aktion für günstigen Wohnraum für Familien und Junge in Baden durchgeführt — illegal. Rund 70 Personen besetzten bis morgens um 5 Uhr die Dependance Ochsen. Dumm nur: Am nächsten Morgen entdeckte die Eigentümerin des leerstehenden Hotels massive Sachbeschädigungen und den Diebstahl von Lebensmitteln. «Ich habe Anzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl eingereicht», sagt Christine Zehnder, Geschäftsführerin der Verenahof AG.

Sachbeschädigungen schwierig nachzuweisen

Die Kantonspolizei Aargau hat nun Ermittlungen aufgenommen und hat dabei auch die verantwortlichen Personen der Jungsozialisten (Juso) im Visier. «Wir werden die Verantwortlichen befragen müssen, auch wenn sie nur eine politische Aktion durchführen wollten», sagt Polizei-Sprecher Bernhard Graser. Sie dürften auch wegen Hausfriedensbruch zu belangen sein. Schwieriger wird es mit den Sachbeschädigungen, denn die Juso behauptet, davon nichts mitbekommen zu haben. «Jemandem die Sachbeschädigungen nachzuweisen, dürfte schwierig sein», sagt Graser.

Juso-Präsident Cédric Wermuth bedauert, dass es zu Vandalenakten kam: «Es ist zwar unklar, ob es unbekannte Gäste der Party waren. Aber die Chance ist gross.» Es seien aber sicher keine Juso-Mitglieder gewesen. Überhaupt sieht Wermuth nicht die Juso Schweiz in der Verantwortung: «Organisiert hat das aber die Juso Aargau», sagt er. Dort sei er nur normales Mitglied. Auf die Frage, ob er die Aktion mitorganisiert habe, sagt Wermuth ausweichend: «Das war eine spontane Party. Da muss man nicht viel organisieren.» Von der Polizei hat Wermuth aber noch nichts gehört. «Ich habe Kontakt aufgenommen, um zu sagen, was passiert ist», sagt er. Eine Antwort habe er von der Kapo aber noch nicht erhalten.

SP kann sich zu Distanzierung durchringen

Ebenfalls informiert hat Wermuth seine Mutterpartei, die SP Schweiz, deren Vizepräsident der 22-Jährige zusätzlich ist. «Ich habe die Rückendeckung der Parteileitung erhalten», sagt er. Trotzdem will er das Thema an der nächsten Präsidiumssitzung Anfang Februar nochmals einbringen.

Bei der SP Schweiz selbst ist das Thema Hausfriedensbruch offenbar heikel. So will Präsident Christian Levrat selbst keine Stellung nehmen, sondern verweist an das Parteisekretariat. «Das ist nicht der Weg, den die SP beschreiten würde», sagt dort SP-Sprecher Andreas Käsermann zur illegalen Aktion. Die Partei unterstütze zwar das Anliegen, bevorzuge aber den politischen Weg, sagt er weiter. Erst nach mehrmaligem Nachhaken kann sich Käsermann zu einem Statement zum Rechtsstaat durchringen: «Wir distanzieren uns vom Hausfriedensbruch, weil das nicht der Weg der SP Schweiz ist.»

Deine Meinung