Bienenschädling: «Varroamilben sind eher Werwölfe als Vampire»
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Bienenschädling«Varroamilben sind eher Werwölfe als Vampire»

Varroamilben befallen massenhaft Bienenvölker und saugen die Arbeiterinnen aus. Allerdings ernähren sie sich ganz anders, als bisher angenommen.

von
jcg
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Ohne Bienen wäre die Welt eine andere.

Ohne Bienen wäre die Welt eine andere.

Keystone/Martin Ruetschi
Umso beunruhigender ist deshalb die Tatsache, dass weltweit die Bestände eingebrochen sind. Ganze Bienenvölker starben.

Umso beunruhigender ist deshalb die Tatsache, dass weltweit die Bestände eingebrochen sind. Ganze Bienenvölker starben.

Andy Duback

Die Varroamilbe gilt als eine der grössten Gefahren für die Honigbiene. Bislang ging man davon aus, dass die Milben den Honiglieferanten hauptsächlich die sogenannte Hämolymphe aussaugen, eine Körperflüssigkeit ähnlich dem Blut. Doch das stimmt offenbar nicht, wie US-Forscher nun berichten.

Demnach ernähren sich die 1,6 Millimeter kleinen Tiere in der Hauptsache vom Fettkörper der Bienen, wie ein Team um Samuel Ramsey von der Universität Maryland in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («Pnas») schreibt.

Lebenswichtiges Organ

«Der Fettkörper ist absolut überlebenswichtig für die Honigbiene», sagte Ramsey laut einer Mitteilung seiner Universität. Das Organ übernehme bei Bienen ähnliche Funktionen wie die menschliche Leber, speichere zudem Nahrung und stärke das Immunsystem. Wird der Fettkörper beschädigt, seien die Bienen anderen Gefahren wie Pestiziden und einem geringen Nahrungsangebot viel stärker ausgesetzt.

Seit den 1960er-Jahren hielt sich die Vorstellung, dass sich die Varroamilbe von der Hämolymphe ernährt. «Wir haben über diese Milben geredet, als wären sie Vampire, dabei sind sie eher wie Werwölfe. Wir haben versucht, sie mit einem Pflock zu töten, dabei brauchen wir eigentlich eine Silberkugel», sagte Ramsey.

Neue Behandlungsmethoden erhofft

Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse zur Bekämpfung der Milbe beitragen können. «Die Ergebnisse sind revolutionär, um zu verstehen, welchen Schaden Milben bei den Bienen anrichten», schreibt Co-Autor Dennis van Engelsdorp. Das Ergebnis eröffne ganz neue Möglichkeiten, Behandlungen zu finden und die Milbenpopulation zu kontrollieren.

Nach Angaben des Forschungsinstituts Agroscope stammt der Parasit ursprünglich aus Ostasien. In der Schweiz wurde die Varroamilbe erstmals 1984 entdeckt. (jcg/sda)

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