Nach Gerüchten: Vasella bestätigt 72-Millionen-Fallschirm
Aktualisiert

Nach GerüchtenVasella bestätigt 72-Millionen-Fallschirm

Jetzt ist es Fakt: Daniel Vasella erhält einen gigantischen goldenen Fallschirm. Entgegen den Berichten handle es sich jedoch um «nur» 72 und nicht um 75 Millionen.

von
jam

Gegenüber der Tagesschau von SRF bestätigt Daniel Vasella die Abgangsentschädigung, die er von Novartis in den nächsten sechs Jahren ausbezahlt erhält, sofern er sich an das Konkurrenzverbot hält. Er betont aber, dass er gedenkt, eine Schenkung zu machen. (Quelle: SRF)

Daniel Vasella erhält nach seinem Abgang bei Novartis 72 Mio. Franken. Der abtretende Präsident bestätigte in einem Interview mit der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SRF diesen Betrag, der gekoppelt ist an ein Konkurrenzverbot in den nächsten sechs Jahren.

Zuvor hatte auch das Internetportal «Inside Paradeplatz» von einer Summe in dieser Grössenordnung berichtet.

«Das ist eine hypothetische Zahl», sagte Vasella im Interview. Erfüllt er in den nächsten sechs Jahren vertragliche Bedingungen wie etwa das Konkurrenzverbot, werden ihm jährlich 12 Mio. Franken gezahlt. Er habe vor, eine Schenkung zu machen, sagte er im Interview.

Öl ins Feuer der Abzocker-Gegner

Der Betrag dürfte die Diskussionen kurz vor der Abstimmung zur Abzocker-Initiative weiter anheizen. «Es brodelt in der Bevölkerung», stellte Bundesrätin Simonetta Sommaruga in der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens fest. Was man am Freitag über Vasella gehört habe, mache sie «sprachlos».

In der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens kamen weitere Politiker zu Wort. Die Reaktionen lassen sich in der Formulierung «Was zuviel ist, ist zuviel» treffend zusammenfassen. So sprach FDP-Präsident Philipp Müller davon, dass die Abzocker-Initiative damit «zur Lex Vasella» wird. «Das heisst: Herr Vasella führt die liberale Schweiz aufs Schafott», wählte Müller drastische Worte.

SVP-Nationalrat Hansjörg Walter stösst vor allem eines sauer auf: «Wir haben gehört, dass er das nach Abzug aller Steuern spenden will. Das ist für den normalen Schweizer Bürger sehr schwer nachvollziehbar.»

Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) sprach von einem «ganz krassen Fall von Abzockerei, der mit der Initiative verbunden wäre». Der parteilose Schaffhauser Ständerat Thomas Minder, Initiant der Abzocker-Vorlage, dürfte sich über das Bekanntwerden dieses gigantischen Fallschirms für Vasella freuen - so kurz vor der Abstimmung. Darauf ging er jedoch gegenüber der Tagesschau nicht ein, sagte nur: «Die Summe ist exorbitant, und es geht gar nicht, dass man das versichert. In einer guten Kinderstube geht man nicht zur Konkurrenz. Er war 31 Jahre lang bei der Novartis, er hat Aktienoptionen in dieser Unternehmung drin, und er will doch seine Novartis nicht schädigen.»

Letztjähriges Gehalt: 13,1 Millionen Franken

Vasella zählte jahrelang zu den bestverdienenden Manager des Landes. Im vergangenen Geschäftsjahr etwa erhielt er ein Gehalt von 13,1 Mio. Franken. Das sind zwar rund 400'000 Franken weniger als 2011, aber immer noch mehr als der Grossteil des Novartis-Gremiums erhielt. Die anderen elf Mitglieder des Novartis-Verwaltungsrats haben im letzten Jahr Vergütungen zwischen 350'000 und 853'000 Fr. erhalten.

Novartis gab den Rücktritt Vasellas am 23. Januar bekannt, zusammen mit den Jahresergebnissen. Zwar war bereits damals von dem Konkurrenzverbot die Rede. Details zur Vereinbarung gab es allerdings keine.

Zukunft geregelt

Nachfolger Vasellas soll Jörg Reinhardt werden. Der 56 Jahre alte Deutsche ist derzeit Chef der Pharmasparte von Bayer und war zuvor lange Zeit bei Novartis tätig gewesen.

Mit dem Abgang von Vasella geht bei Novartis eine Ära zu Ende: Vasella wurde 1996 bei der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy der erste Konzernchef von Novartis.

1999 übernahm er zusätzlich das Präsidium des Verwaltungsrats und übte damit eine Doppelrolle aus, die oft kritisiert wurde. 2010 überliess Vasella den Chefsessel am Konzernsitz Joe Jimenez und konzentrierte sich auf das Verwaltungsratspräsidium. (jam/sda)

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