Kantonsgericht AR: Vater auf Pausenplatz erstochen – 9 Jahre Haft
Aktualisiert

Kantonsgericht ARVater auf Pausenplatz erstochen – 9 Jahre Haft

Ein Streit zwischen Jugendlichen gipfelte letztes Jahr mit dem Tod eines 52-jährigen albanischstämmigen Serben. Am Dienstag stand der Täter vor Gericht. Er muss neun Jahre ins Gefängnis.

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jeb
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Am Sonntagabend (22. März 2015) kam es in Heiden im Bereich der Zufahrt des Schulhauses Wies zu einer Auseinandersetzung.

Am Sonntagabend (22. März 2015) kam es in Heiden im Bereich der Zufahrt des Schulhauses Wies zu einer Auseinandersetzung.

jeh
Dabei erlitt ein 52-Jähriger eine tödliche Stichverletzung.

Dabei erlitt ein 52-Jähriger eine tödliche Stichverletzung.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Das Opfer wohnte mit seiner Familie nur unweit des Tatorts entfernt.

Das Opfer wohnte mit seiner Familie nur unweit des Tatorts entfernt.

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Am Sonntagabend, 23. März 2015, kam es auf dem Pausenplatz des Schulhauses Wies in Heiden zu einem Handgemenge zwischen zwei Vätern aus dem Kosovo, das tödlich endete. Grund dafür soll eine Streiterei vom Vorabend zwischen Jugendlichen gewesen sein, bei dem ein Freund des Sohnes des Täters einen Nasenbruch erlitt. Beim Streit zwischen den beiden Männern zückte der Täter ein Messer mit dem er seinen Kontrahenten in die Brust stach und damit tötete.

Der Staatsanwalt forderte dafür am Dienstag vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht zehn Jahre Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Tötung.

Messer zufälligerweise dabei

Wie die Tat genau ablief, konnte vor Gericht nicht restlos geklärt werden. In seinen Ausführungen zum Tathergang machte der Täter eine Notsituation geltend: Das spätere Opfer habe ihn gewürgt, woraufhin er sich gewehrt habe.

Das Messer habe er zudem nicht absichtlich mitgeführt. Dieses habe er nur dabei gehabt, weil er vorher am Möbel auspacken gewesen sei, bevor er informiert worden sei, dass sich sein Sohn und weitere Personen zu einer möglichen Aussprache auf dem Pausenplatz treffen würden.

Ausgelacht und provoziert

Auf dem Pauslenplatz war es dann zu einem Handgemenge zwischen ihm und dem späteren Opfer gekommen, nachdem er provoziert und ausgelacht worden sei, weil er nicht gut zu Fuss war. Bei der Keilerei sei er vom späteren Opfer gewürgt worden, so der Angeklagte. In Todesangst habe er nach seinem Natel tasten wollen und habe da bemerkt, dass er das Messer in der Tasche hatte. Aus Angst um sich und seine Familie habe er es eingesetzt. Dass der 52-Jährige gestorben sei, tue ihm leid. Er entschuldigte sich während der Verhandlung mehrfach bei der Opferfamilie dafür. Seine eigene Familie erschien nicht zur Verhandlung.

Reine Schutzbehauptung

Die Würge-Story glaubte der Staatsanwalt dem Täter nicht. Das sei eine reine Schutzbehauptung. «Dafür gibt es keine glaubhaften Zeugenaussagen und auch das Gutachten der Rechtsmedizin stützt diese These in keiner Weise.»

Auch die Richterin schien den Aussagen des Täters zu misstrauen. «Sie passen ihre Aussage immer schön der Beweislage an», stellt sie während der Befragung fest. Der Staatsanwalt forderte zehn Jahre Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Tötung.

Aus Notwehr gehandelt

Damit war die Verteidigung nicht einverstanden. Sein Klient sei gewürgt worden und er habe aus Notwehr gehandelt, so der Anwalt. Zudem führte er Verfahrensfehler auf. Seinem Klienten sei die Teilnahme bei Befragungen von Zeugen verweigert worden. Die Staatsanwaltschaft habe diesbezüglich geschlampt. Deshalb, und weil der Täter aus Notwehr gehandelt habe, sei die Strafe auf drei Jahre anzusetzen, wobei die Hälfte bedingt auszusprechen sei, bei einer Bewährung von zwei Jahren.

Das Gericht verurteilte den Täter am Dienstagabend zu neun Jahren Freiheitsstrafe. Zudem muss der Täter 80'000 Franken an die Familie des Opfer zahlen. Die Verfahrenskosten wurden dem 51-jährigen Kosovaren ebenfalls auferlegt.

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