Aktualisiert 26.06.2017 19:12

Kalifornien

Vater beerdigt Sohn – dann klingelt das Telefon

Sein Sohn sei tot, teilt die Gerichtsmedizin Frank Kerrington mit. Der Vater richtet die Beerdigung aus. Elf Tage später klingelt das Telefon. Am anderen Ende: sein Sohn.

von
kko
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Frank Kerrigan zeigt eine Aufnahme seiner drei Kinder John, Carole und Frank (r.). Letzterer wurde fälschlicherweise für tot erklärt (23. Juni 2017).

Frank Kerrigan zeigt eine Aufnahme seiner drei Kinder John, Carole und Frank (r.). Letzterer wurde fälschlicherweise für tot erklärt (23. Juni 2017).

AP/Andrew Foulk
Der 82-Jährige richtete eine Beerdigung für seinen Sohn aus – elf Tage später meldete sich dieser per Telefon.

Der 82-Jährige richtete eine Beerdigung für seinen Sohn aus – elf Tage später meldete sich dieser per Telefon.

AP/Andrew Foulk
Die Familie Kerrigan hatte einen Mann beerdigt, der von den Behörden als der junge Frank erklärt worden war.

Die Familie Kerrigan hatte einen Mann beerdigt, der von den Behörden als der junge Frank erklärt worden war.

AP/Andrew Foulk

Frank J. Kerrigan umklammert den Telefonhörer. Er kann nicht glauben, was ihm der langjährige Familienfreund Bill Shinker eben gesagt hat: «Dein Sohn lebt.»

Es ist die Nacht des 23. Mai. Elf Tage zuvor hat der 82-Jährige aus dem kalifornischen Wildomar seinen Sohn beerdigt. 20'000 Dollar bezahlte die Familie dafür, rund 50 Verwandte und Freunde kamen, um Abschied zu nehmen. Shinker war einer der Sargträger. Und jetzt sollte Frank M. Kerrigan am Leben sein? Er habe seinen Sohn ans Telefon verlangt, erzählt Kerrigan dem Onlineportal «The Orange County Register». «Hi Dad», habe am anderen Ende Frank gesagt.

Falsche Fingerabdrücke

Eine glückliche Wende für die trauernde Familie, die sich nun aber fragt, wen sie tatsächlich beerdigt hat und wie es zu diesem Fehler kommen konnte.

Ihren Anfang nimmt die unglaubliche Geschichte am 6. Mai, als die Rechtsmedizin den älteren Kerrigan über den Tod seines Sohnes informiert. Der 57-jährige Obdachlose, der mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, sei tot in Fountain Valley gefunden worden. Der Ort liegt rund eine Autostunde von Wildomar entfernt.

Ob es einer Identifizierung bedürfe, fragt Kerrigan. Nicht nötig, die Identität sei aufgrund der Fingerabdrücke bereits bestätigt, so die Behörde. «Wenn mir jemand sagt, mein Sohn sei tot und sie hätten seine Fingerabdrücke, glaube ich ihm», sagt der 82-Jährige.

Zwei Momente machen stutzig

Auch als er noch einen letzten Blick in den Sarg wirft, um sich von seinem Sohn zu verabschieden, fällt ihm nichts auf. Die Trauer muss zu gross gewesen sein: «Ich wusste doch nicht, wie mein Sohn tot aussehen wird.»

Zwei Dinge machen die Familie jedoch stutzig. Die Tochter, Carole Meikle (56), fährt unmittelbar nach der Todesnachricht zum Ort, wo ihr Bruder gefunden worden sein soll. Die Beamten hätten von einem friedlichen Tod gesprochen, aber «da waren Blut und dreckige Laken».

Und in den persönlichen Sachen des Toten, die der Familie ausgehändigt werden, vermisst sie etwa eine Uhr, die Franks Ein und Alles gewesen war.

Altes Foto war Beweis genug

Nach dem Anruf seines Sohnes hat Frank J. Kerrigan einen Anwalt auf den ungewöhnlichen Fall angesetzt. Nach bisherigen Erkenntnissen erhielt die Gerichtsmedizin keine Resultate zu den in die Datenbank eingespeisten Fingerabdrücken. Der Vergleich eines alten Fotos des Obdachlosen mit der Leiche war der Behörde Beweis genug gewesen. Die Familie will nun gegen sie klagen. Es sei das Schlimmste, was sie je erlebt hätten, sagt Meikle.

Der für tot erklärte Frank ist nach Angaben seiner Familie auf die Strasse zurückgekehrt und lehne eine geschützte Unterkunft ab. Aufgrund seines psychischen Zustands sei er nicht in der Lage, zu verstehen, welchen Ängsten seine Angehörigen ausgesetzt waren.

Die Identität des beerdigten Mannes konnte noch nicht eindeutig zugewiesen werden.

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