Aktualisiert 25.11.2008 18:08

ZürichVater entführte Kinder: Mutter verurteilt

Weil sie ihrem Mann das Besuchsrecht für die gemeinsamen Kinder verweigerte, hat das Bezirksgericht Dietikon eine Limmattaler Mutter verurteilt. Pikant ist dabei, dass der Vater inzwischen beide Kinder nach Argentinien entführt hat.

von
Attila Szenogrady

Bei Kampfscheidungen dreht sich der Streit meistens um das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder. Dabei zogen im Kanton Zürich die Väter bisher praktisch immer den Kürzeren. Einerseits erhalten in den meisten Fällen die Mütter die Obhut zugesprochen. Zudem haben bisher zahlreiche Frauen ihren verhassten Ex-Männern erfolgreich das Besuchsrecht verweigert. Einerseits weil sich die Behörden nicht getrauten, den ohnmächtigen Vätern zu helfen. Andererseits weil auch die Justiz in der Vergangenheit untätig blieb. So gelangten in den letzten sieben Jahren gerade einmal zwei Verfahren gegen Mütter bis vor das Zürcher Obergericht. In beiden Fällen wurden die Angeklagten freigesprochen.

Dietiker Piloturteil: Mutter verurteilt

Doch nun könnte es erstmals anders kommen. Am Dienstag hat das Bezirksgericht Dietikon eine 35-jährige Mutter von zwei Kindern in einem Piloturteil wegen mehrfachen Entziehens von Unmündigen zu einer Busse von 700 Franken verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hatte per Strafbefehl sogar eine strengere Sanktion von 30 Tagessätzen zu 100 Franken bedingt sowie 500 Franken Busse gefordert. Die Verteidigung einen vollen Freispruch. Die in der Sache geständige Mutter hatte im Frühling 2007 ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann in drei Fällen das Besuchsrecht verweigert.

Vor Gericht machte die Angeklagte ihre damalige Angst um ihre beiden Kinder vor ihrem gewaltbereiten Ehemann als Tatmotiv geltend. Die Verteidigerin erklärte, dass ihre Mandantin als Inhaberin der Obhut davon ausgegangen sei, dazu berechtigt gewesen zu sein.

Kinder inzwischen nach Übersee entführt

Zudem unterstrich die Verteidigerin, dass sich die Befürchtungen der Angeklagten inzwischen bewahrheitet hätten. So hat der Vater sowohl die neunjährige Tochter als auch den sechsjährigen Sohn im vergangenen Juli unerwartet nach Argentinien entführt. Da die südamerikanischen Behörden trotz juristischen Schritten bisher untätig geblieben seien, habe die Dietiker Mutter ihre beiden Kinder seit über vier Monaten nicht mehr gesehen, erklärte die Rechtsanwältin.

Schuldspruch mit Unbehagen

Der zuständige Einzelrichter Bruno Amacker machte während der Urteilseröffnung klar, dass es hier nicht um Moral gehe, sondern um die Anwendung der Gesetze. So habe sich die Mutter des mehrfachen Entziehens von Unmündigen klar schuldig gemacht, sagte er. Die Entführung der Kinder durch den Vater sei nämlich über ein Jahr nach den eingeklagten Vorfällen passiert. Im Frühling 2007 habe gemäss den Akten noch keine Gefahr für eine Entführung bestanden. Allerdings erfolgte der Schuldspruch nicht ohne Unbehagen des Gerichts. Was sich im absoluten Verzicht auf eine Geldstrafe äusserte. So hielt das Gericht der Mutter strafmildernd eine verzweifelte Situation sowie eine schwere Bedrängnis zugute. Das Verhalten der Angeklagten sei zwar nicht entschuldbar, aber nachvollziehbar, erklärte Amacker. Er zeigte sich im Weiteren darüber verärgert, dass der Vater nach einer viel schlimmeren Tat unbehelligt in Argentinien sitze, während die Mutter eine Strafe erhalte.

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