Expertinnen schockiert - Vater klebt Töchterchen «Steckt euch euren Covid-Pass …»-Schild auf Rücken
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Expertinnen schockiertVater klebt Töchterchen «Steckt euch euren Covid-Pass …»-Schild auf Rücken

Am Hauptbahnhof Zürich trug ein kleines Mädchen eine vulgäre Massnahmenkritik auf dem Rücken. Wohl platziert vom Vater. Hier werde ein Kind instrumentalisiert, sagen Expertinnen.

von
Nicolas Meister
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Am Hauptbahnhof Zürich lief ein Mädchen mit einem Mann, der sehr wahrscheinlich ihr Vater ist, mit einem «Steckt euch euren Covid-Pass in den Arsch» -Schild herum. 

Am Hauptbahnhof Zürich lief ein Mädchen mit einem Mann, der sehr wahrscheinlich ihr Vater ist, mit einem «Steckt euch euren Covid-Pass in den Arsch» -Schild herum.

Twitter
SP-Politikerin und Präsidentin des «Kinderschutz Schweiz» Yvonne Feri bezeichnet dies als «Kindesmissbrauch». Es sei zu jung, um das Ausmass des Schildes zu verstehen.

SP-Politikerin und Präsidentin des «Kinderschutz Schweiz» Yvonne Feri bezeichnet dies als «Kindesmissbrauch». Es sei zu jung, um das Ausmass des Schildes zu verstehen.

Parlament
Oft sei die Maskenpflicht der Auslöser für Konflikte in Klassen, sagt Dagmar Rösli, Präsidentin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer. 

Oft sei die Maskenpflicht der Auslöser für Konflikte in Klassen, sagt Dagmar Rösli, Präsidentin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer.

Dagmar Rösler/ LCH/ zVg.

Darum gehts

Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern der Corona-Massnahmen sind verhärtet. Trug sich der Kampf einst zwischen Erwachsenen aus, werden zunehmend auch Kinder instrumentalisiert. Das zeigte sich kürzlich am Hauptbahnhof Zürich, als ein ungefähr achtjähriges Mädchen auf dem Rücken ein Schild trug, das lautete: «Steckt euch euren Covid-Pass in den Arsch.» Sie war in Begleitung eines Mannes, der wohl ihr Vater war.

Auch etwa die Twitter-Gemeinde zeigt sich schockiert. So meinte ein User: «Wann ist es eigentlich gesellschaftlich akzeptabel geworden, den eigenen Kindern Hassbotschaften auf den Rücken zu kleben?»

«Das Mädchen wird missbraucht»

Auch Yvonne Feri, SP-Nationalrätin und Präsidentin des «Kinderschutz Schweiz», ist irritiert. Solche erschreckenden Fälle seien ihr bis dato nicht bekannt. Dennoch findet sie klare Worte: «Das Mädchen wird hier für eine Aussage missbraucht.» Es verstehe wegen seiner altersbedingten geringen Urteilsfähigkeit die Aussage des Schildes wohl kaum. Zudem könne es sich dazu noch keine klare eigene Meinung bilden.

Nichtsdestotrotz dürften Eltern ihrem Kind keine Meinung aufzwingen, da auch Kinder ein Recht auf Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung hätten, so Feri. Gleiches gelte übrigens bei der Covid-Impfung. «Ein Kind darf nicht gegen dessen Willen geimpft werden.» Feri rät den Eltern deshalb, dem Kind die Pandemie-Situation so weit wie möglich altersgerecht zu erklären.

Mobbing in der Schule

Der SP-Nationalrätin bereitet aber auch die Exponierung des Mädchens in der Öffentlichkeit Sorgen. «Viele Erwachsene werfen dem Mädchen wahrscheinlich verwirrte Blicke zu oder sprechen es an.» Das kann das Kind verwirren. Ähnliches lasse sich auch in Schulen beobachten. Dort ende es leider oft im Mobbing, sagt Feri.

Auch Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer (LCH), sind solche Konflikte bekannt. Wenn zum Beispiel nur ein Kind in einer Klasse keine Maske trage, könne ein Konflikt unter den Schülerinnen und Schülern entstehen, sagt Rösler. «Dann ist es wichtig, dass die Lehrperson gemeinsam mit dem Kind und der Klasse das Gespräch sucht.»

«Kinder wollen dazugehören»

Solche Konflikte kämen jedoch nur selten vor, sagt Chantal Galladé, Präsidentin der Winterthurer Kreisschulpflege Stadt-Töss. «Die Kinder wollen zu den anderen dazugehören und übernehmen deshalb beispielsweise das Maskentragen.» Bei Eltern mit extremen Meinungen kämen die betroffenen Kinder in einen Loyalitätskonflikt.

Yvonne Feri schlägt vor, in einer solchen Situation das Gespräch zum Kind oder den Eltern zu suchen. Hier seien gesunder Menschenverstand und Sorgfalt gefragt. «Das Mädchen mit dem Schild könnte man zum Beispiel fragen, ob es denn verstehe, was das Schild aussage.» Aggressive oder provozierende Kommentare seien fehl am Platz, sagt Feri.

Einschätzung eines Kinderpsychologen

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Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

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