Fall Bonstetten: Vater muss für 18 Jahre ins Gefängnis
Aktualisiert

Fall BonstettenVater muss für 18 Jahre ins Gefängnis

Vor drei Jahren ermordete ein 63-Jähriger seinen Sohn in einem Hotel in Winterthur. Jetzt muss er eine langjährige Haftstrafe antreten, in Verwahrung kommt er hingegen nicht.

Der Mann, der im Februar 2010 in einem Winterthurer Hotel seinen fünfjährigen Sohn getötet hat, ist des Mordes schuldig und wird mit 18 Jahren Freiheitsentzug bestraft. Von einer Verwahrung sah das Bezirksgericht Winterthur in seinem Urteil vom Mittwoch ab.

Das Verschulden des heute 63-Jährigen wiege sehr schwer, sagte der Gerichtsvorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung. Er habe «kaltblütig, berechnend und krass egoistisch» gehandelt. Und er habe das Vertrauen und die Arglosigkeit des Kindes ausgenutzt. Eine langjährige Strafe sei angebracht.

Zu Lasten des Angeschuldigten spreche, dass er nie ein wirkliches Geständnis abgelegt, sondern stets nur das eingeräumt habe, was ihm nachgewiesen worden sei. Einsicht und Reue seien nicht erkennbar. Aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung und der damaligen Belastungssituation wurde ihm eine leicht verminderte Schuldfähigkeit attestiert.

Eine Therapie ordnete das Gericht nicht an. Alle bisherigen Therapien seien erfolglos geblieben. Dem Beschuldigten fehle die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Bis heute schiebe er die Verantwortung jeweils auf andere ab. Der Mutter des getöteten gemeinsamen Kindes hat er eine Genugtuung von 70'000 Franken zu entrichten.

Gericht verneint hohe Rückfall-Wahrscheinlichkeit

Entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft sprach das Gericht keine Verwahrung aus. Es könne, gestützt auf das Ergänzungsgutachten, keine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall erkennen. Dass der Beschuldigte wieder in eine vergleichbare familiäre Situation - eine Trennung - komme und zu einem Kind eine enge Beziehung habe, sei nicht wahrscheinlich.

Der Mann hat bereits 1990 seinen erstgeborenen Sohn aus einer früheren Beziehung zu töten versucht. Das Kind überlebte nur knapp. Der heute Erwachsene ist seither körperlich stark behindert. Er verfolgte das Geschehen im Gerichtssaal.

Rache oder eine Abstrafung der Mutter des gemeinsamen Sohnes seien als Tatmotiv nicht nachzuweisen, sagte der Richter. Der Beschuldigte habe befürchtet, dass die Mutter das Kind in ihre Heimat Brasilien entführen könnte und er den Sohn nie mehr sehe - obwohl es dafür keine objektiven Anhaltspunkte gegeben habe. Er habe diese Vorstellung nicht ausgehalten.

Nach Gabe von Schlafmittel gab es kein Zurück

Am Morgen jenes 26. Februartages fuhr der Beschuldigte mit dem Kind per Bahn von Bonstetten nach Winterthur, im Gepäck einen Feuerlöscher, mit dem er sich selbst töten wollte. Es sei klar, dass er beabsichtigt habe, den Sohn mit in den Tod zu nehmen, sagte der Gerichtsvorsitzende.

Wann genau der Tötungsvorsatz fiel, ob er zuerst ein Abtauchen mit dem Kind in Erwägung gezogen habe, sei unklar - spätestens aber, nachdem er den Buben mit einer Überdosis Schlafmittel in Tiefschlaf versetzt habe: «Von da an gab es kein Zurück.» Er habe das Kind am Tag vor dessen 5. Geburtstag mit einem Kissen erstickt.

Dann setzte er den Feuerlöscher in Gang und hoffte, am Staub zu ersticken. Weil dadurch Brandalarm ausgelöst wurde und Hotelangestellte ins Zimmer kamen, wurde der Suizid-Plan verhindert.

Warten auf schriftliche Begründung

Mit seinem Urteil folgte das Gericht weder der Anklage noch der Verteidigung. Der Staatsanwalt hatte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und Verwahrung gefordert, der Verteidiger hatte sieben Jahre Freiheitsentzug wegen vorsätzlicher Tötung beantragt.

Beide erklärten nach der Urteilseröffnung, sie würden sicher vorsorglich Berufung anmelden. Ein allfälliger Weiterzug hänge aber von der schriftlichen Urteilsbegründung ab.

Der Rechtsvertreter der Mutter behält sich rechtliche Schritte vor: Für ihn und seine Mandantin ist das Ergänzungsgutachten «nicht nachvollziehbar». Die Rückfallgefahr sei als hoch einzustufen.

Staatsanwalt unzufrieden mit dem Urteil

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