07.06.2019 02:49

Uzwil SGVater setzt Belohnung auf Mobberin von Tochter aus

Die Tochter von Claudio Raschle erhielt über Instagram Morddrohungen. Nun sucht der Vater Hinweise zur Absenderin und setzt dafür eine Belohnung von 2000 Franken aus.

von
juu
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Die damals 15-jährige Tochter von Claudio Raschle wurde im Mai 2017 massiv via Instagram bedroht.

Die damals 15-jährige Tochter von Claudio Raschle wurde im Mai 2017 massiv via Instagram bedroht.

Facebook
«Ich werde alles tun, damit du stirbst» und ...

«Ich werde alles tun, damit du stirbst» und ...

Facebook
... «Sage deinem Vater, ich werde deine ganze Familie vernichten» sind nur einige von Dutzenden Kommentaren.

... «Sage deinem Vater, ich werde deine ganze Familie vernichten» sind nur einige von Dutzenden Kommentaren.

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«Ich bin bereit, jedem, der gesicherte Hinweise zur Verfasserin von diesen Morddrohungen hat, die zu einer Anklage und Verurteilung führen können, zweitausend Franken zu zahlen», schreibt Claudio Raschle aus Niederuzwil in einer Facebook-Gruppe. Seine damals 15-jährige Tochter wurde im Mai 2017 über die Social-Media-Plattform Instagram massiv beleidigt und sogar mit dem Tod bedroht. «Sage das deinem Vater und ich werde deine ganze Familie vernichten» und «Ich werde alles tun, damit du stirbst» oder «ich brate deinen Hund zum Abendessen», sind nur einige der Dutzenden von Kommentaren, die das Mädchen unter seinen Bildern erhielt.

Alle wurden von jemandem mit dem Decknamen «lini_bini_bikini» verfasst. Nach Erscheinen der Drohkommentare behielt Raschle seine Tochter zu Hause. «Die Schule bestand darauf, dass sie zur Schule geht, für ihre Sicherheit konnte man aber nicht garantieren», sagt Raschle. Der psychische Zustand der Tochter verschlechterte sich währenddessen. Raschle sah nur noch einen Ausweg: den Gang zur Polizei.

Vater wegen Beschimpfung verurteilt

Wie die «Wiler Nachrichten» berichten, war es nur wenige Stunden vor den Morddrohungen zu einem Zwischenfall auf der Bahnhofstrasse in Niederuzwil gekommen. Als Raschle seine Tochter von der Schule abholte, bemerkte er an einer Kreuzung ein Mädchen, das ihm den Mittelfinger zeigte und die Zunge herausstreckte. Daraufhin habe ihm seine Tochter erklärt, dass es sich bei der Jugendlichen um ihre Mitschülerin J. H.* handle, die sie ebenfalls mobbe.

Laut dem Strafbefehl, der 20 Minuten vorliegt, hat Raschle die Schülerin wiederholt gefragt, weshalb sie ihm den Finger gezeigt und ihre Zunge herausgestreckt habe. Er nahm auch an, dass H. ihn gefilmt hatte, weswegen er zu ihr sagte: «Nimm dis Scheisshändy zum Grind us, sus schopp is dir id Frässä.» Wegen diesem Vorfall wurde Raschle wegen Beschimpfung und Drohung verzeigt und am 28. Mai 2019 vom Kreisgericht Wil zu 30 Tagessätzen à 160 Franken verurteilt. Die Geldstrafe wird bei einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Raschle überlegt sich laut «Wiler Nachrichten», das Urteil weiterzuziehen.

Handy von Familie H. sichergestellt

Seit der Urteilsverkündung Ende Mai ist klar, dass niemand für die massiven Drohungen gegen Raschles Tochter belangt werden wird. «Die IP-Adresse wurde zurückverfolgt und das Handy wurde im Haus von Familie H. sichergestellt», sagt Raschle. Doch da das Handy keine Display-Sperre besass, habe man nicht zweifelsfrei nachweisen können, dass die Nachrichten tatsächlich von J. H.* verfasst worden seien.

Deshalb setzt Raschle nun ebenfalls auf Social Media. In einer Facebook-Gruppe erzählt er seine Geschichte und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Für Hinweise, die zu einer Anklage und Verurteilung der Mobberin seiner Tochter führen, bietet der Vater 2000 Franken Belohnung.

«Das Leben meiner Tochter ist kaputt»

Doch die Polizei steht seinem Vorgehen kritisch gegenüber. Bereits in der Vergangenheit wurde immer wieder von privaten Fahndungsaufrufen abgeraten, da die so gewonnenen Informationen für die Polizei nicht immer verwertbar seien. Raschle ist das egal: «Ich als Vater bin es meiner Tochter schuldig, dass das restlos aufgeklärt wird.» Die damals 15-Jährige soll nach dem Vorfall aus der Schule geworfen worden sein und stehe ohne Lehre da. «Ihr Leben ist kaputt, sie leidet unter psychischen Problemen», wird er von den «Wiler Nachrichten» zitiert.

*Name der Redaktion bekannt

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