Aktualisiert 27.09.2012 14:46

Genetische Untersuchung

Vater testete Kinder, ohne Mutter zu fragen

Ein Stadtzürcher Vater hat seine beiden Kinder ohne Wissen seiner Frau einem Vaterschaftstest unterzogen. Damit hat er sich strafbar gemacht.

von
Attila Szenogrady

Es ist womöglich das erste Mal, dass die Zürcher Justiz einen Vater wegen «Vergehens gegen das Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen» für schuldig befunden hat. Der Schweizer Staatsangehörige mit bisher bestem Leumund wurde neben einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 100 Franken zu einer zu bezahlenden Busse von 800 Franken verurteilt. Zudem muss er für die Verfahrenskosten von 900 Franken aufkommen.

Laut Strafbefehl hatte der Beschuldigte im November 2010 seinen beiden Kindern in seiner Zürcher Wohnung je einen Wangenschleimhautabstrich abgenommen. Wie der Vater auf Anfrage erklärte, sei er bei der damals 8-jährigen Tochter zum Ziel gekommen, nachdem sie eingeschlafen war. Den 11-jährigen Sohn habe er mit einem angeblich medizinischen Gesundheitstest überreden können.

Tests in Spanien

Feststeht, dass der Vater danach das genetische Material seiner Kinder aus Kostengründen einem Labor in Spanien zustellte. Mit dem Ziel herauszufinden, ob seine beiden Sprösslinge tatsächlich seine eigenen sind. Ohne Wissen der Mutter, die nach einer 14-jährigen Ehe getrennt vom Beschuldigten lebte.

Gemäss den Angaben des Vaters ergab der Test, dass es sich beim Sohn tatsächlich um ein Kuckuckskind handelte. Als seine Noch-Ehefrau davon erfuhr, schaltete sie die Behörden ein. Worauf die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat ein Strafverfahren gegen den Vater einleitete. Sie machte ihm klar, dass er den Vaterschaftstest ohne erforderliche Ermächtigung durchgeführt und sich somit strafbar gemacht habe. Laut Strafbefehl hatte er genetische Untersuchungen ohne Zustimmung der Mutter durchgeführt.

Urteil ist rechtskräftig

Gemäss der zuständigen Staatsanwältin zeigte sich der Vater geständig und einsichtig. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Allerdings steht dem zerstrittenen Ehepaar noch ein schwieriger und rechtlich komplizierter Scheidungsprozess bevor.

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