Neu im Kino: «Les invasions barbares»: Vater und Freund nimmt Abschied
Aktualisiert

Neu im Kino: «Les invasions barbares»Vater und Freund nimmt Abschied

Satire mit Tiefgang: Der Film «Les invasions barbares» zeigt, dass die Unterschiede zwischen zwei Generationen eigentlich gar nicht so gross sind.

1986 landete der Kanadier Denys Arcand mit «Le déclin de l'empire américain» («Der Untergang des amerikanischen Imperiums» einen Welthit. 17 Jahre später doppelt er nun mit denselben Schauspielern von damals nach. Und stellt sich die Frage, wie es mit der 68er-Generation und ihrem Nachwuchs wohl weitergeht.

Sozialist Rémy (erneut Rémy Girard) liegt unheilbar krank im Bett. Bald wird er sterben. Sein Sohn Sébastien – ein erfolgreicher Business-Mann – versucht, die «letzte Meile» für seinen Vater so angenehm wie möglich zu gestalten. Und so profitiert Rémy doch noch von den Auswirkungen der Marktwirtschaft: schönes Spitalzimmer, vornehmes Essen und – Heroin. Genau: Sébastien serviert seinem alten Herrn den Stoff quasi auf dem Silbertablett. Das Paradoxe: Eine Bekannte ist heroinsüchtig. Sie zeigt Rémy, der ihr Vater sein könnte, wie er die Droge einnehmen muss. Auch seine Ex-Frau, Freunde und Freundinnen besuchen den Mitfünfziger am Sterbebett.

Das Satirische, manchmal auch Zynische, ist in «Les invasions barbares» in fast jeder Situation erkennbar. Dies ist das eine, das den Film so wunderbar liebenswürdig macht. Ein anderes ist die eindrückliche Behandlung der Schauspielerinnen und Schauspieler: Sie werden perfekt eingeführt, mit Gefühl überzeichnet und ebenso feinfühlig verabschiedet. Denys Arcand ist ein beeindruckend reifer Film gelungen.

Benjamin Bögli

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