Religiöser Wahn: Vater verbrannte Tochter — weil sie Christin wurde
Aktualisiert

Religiöser WahnVater verbrannte Tochter — weil sie Christin wurde

Rania hatte Angst. Ihre Familie habe Verdacht geschöpft, schrieb die saudi-arabische Frau in einem Blog, dass sie zum Christentum übergetreten sei. Kurz darauf war sie tot.

von
Daniel Huber

Die junge Frau, die ihre Postings in dem Blog unter dem Nickname «Rania» geschrieben hatte, starb einen qualvollen Tod. Ihr Vater schnitt ihr nach einem heftigen Streit die Zunge heraus. Dann verbrannte er seine Tochter. Der Grund für den bestialischen Mord war, dass das Mädchen zum Christentum konvertiert hatte, wie Mariam Al Hakeem, die saudi-arabische Korrespondentin für die in den Vereinigten Arabischen Emiraten domizilierte Zeitung Gulf News berichtet.

Kreuz auf dem Bildschirm

Der Tod der jungen Frau habe in den diversen Blogs, in denen sie unter verschiedenen Namen gepostet hatte, zu entsetzten Reaktionen geführt. Der saudischen Website Al Ukhdoud zufolge hatte sie einige Tage vor ihrem Tod noch in einem der Blogs als «Rania» geklagt, sie fürchte um ihr Leben, seit ihre Familie über ihre Konversion Verdacht geschöpft habe. Ihr Bruder habe einige christliche Texte gefunden, die sie verfasst hatte. Zudem habe er ein Kreuz auf ihrem Computer-Bildschirm gesehen. Seither beleidigte er sie und gab dem Internet die Schuld für ihren Abfall vom rechten Glauben.

Eine Frage der «Ehre»?

Auf der Website «Free Copts» schrieb ein Freund des Opfers, der Täter befinde sich in Polizeigewahrsam und werde verhört — allerdings nicht wegen Mordes, sondern wegen «Ehrenmordes». Sollte dieses Motiv anerkannt werden, drohen dem Mann höchstens drei Jahre Gefängnis.

Da der Vater Mitglied der «Kommission für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters» ist, dürfte er in Fragen der Ehre in der Tat besonders empfindlich reagiert haben. Die Kommission, die es ausser in Saudi-Arabien auch noch in anderen islamischen Ländern gibt, ist eine Art Sitten- oder Religionspolizei, die über den Lebenswandel der Bevölkerung wacht. Im puritanischen Saudi-Arabien geht die Sittenpolizei besonders rigide gegen Frevler vor: So werden beispielsweise Frauen, die zu hohe Absätze tragen, mit Peitschenhieben auf die Beine zur Ordnung gerufen.

Intolerantes Saudi-Arabien

Apostasie, also der Abfall vom Glauben, gilt im Islam als — je nach Auslegung — todeswürdiges Verbrechen. In Saudi-Arabien, wo der strenge und dogmatische Wahhabismus Staatsreligion ist, leben Apostaten besonders gefährlich. Das Land, in dem 99 Prozent der rund 28 Millionen Einwohner Moslems sind und in dem sich die beiden heiligsten Stätten des Islam befinden, erlaubt die öffentliche Ausübung anderer Religionen nicht. Es ist auch das einzige islamische Land, in dem zur Zeit keine Kirchen oder Synagogen gebaut werden dürfen. Die meisten Christen im Land sind Gastarbeiter.

Verderblicher Einfluss des Internets

Saudische Religionswächter haben schon mehrmals vor der Gefahr gewarnt, die für junge Moslems von christlichen Webseiten und Satellitensendern ausgehe, auf denen für die Konversion zum Christentum geworben wird. Der Konsum solcher Medien ist als unislamisch gebrandmarkt worden.

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