Bezirksgericht Brugg: Vater verurteilt, weil sein Sohn Cyrill (2) ertrank

Aktualisiert

Bezirksgericht BruggVater verurteilt, weil sein Sohn Cyrill (2) ertrank

Weil er seinen zweijährigen Sohn kurz aus den Augen verlor, ertrank das Kind in der Reuss. Der Vater stand nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

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Die Aargauer Polizei hat am Auffahrtstag 2015 beim Wasserkraftwerk Döttingen-Beznau den leblosen Körper eines Kleinkinds geborgen.

Die Aargauer Polizei hat am Auffahrtstag 2015 beim Wasserkraftwerk Döttingen-Beznau den leblosen Körper eines Kleinkinds geborgen.

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Angestellte des Kraftwerks hatten den Leichnam entdeckt.

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Das Gebiet wurde abgesperrt.

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Am 25. April 2015 ging ein Vater mit seinem damals zweijährigen Sohn Cyrill in Windisch AG an der Reuss spazieren. Im Bereich der Eisenbahnbrücke verlor er den Kleinen kurz aus den Augen, weil er auf eine Tafel blickte, wie der 46-Jährige am Dienstag vor dem Bezirksgericht Brugg sagte. Als er sich umdrehte, war Cyrill verschwunden. Drei Wochen später fand man die Leiche des Jungen in der Aare beim Wasserkraftwerk Döttingen-Beznau.

Laut Staatsanwalt Sandro Rossi hat der Vater seine elterliche Sorgfaltspflicht massiv verletzt. Cyrills Tod hätte verhindert werden können, wenn er ihn an der Hand gehalten oder vor sich herlaufen lassen hätte. Deshalb sei er der fahrlässigen Tötung schuldig, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt.

Laut Anwältin hat Vater den Tod von Cyrill provoziert

Die Anwältin von Cyrills Mutter forderte eine Genugtuung von 100'000 Franken. Die Eltern befanden sich damals in einem langwierigen Scheidungskrieg. Sie deutete an, der Vater habe den Tod von Cyrill sogar provoziert, um sich damit die Unterhaltszahlungen zu sparen. Es könnte sich laut der Anwältin demnach sogar um eine vorsätzliche Tötung handeln, schreibt die Zeitung.

Der Verteidiger forderte, dass sein Mandant wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen werden sollte. Es sei sein Fehler, dass Cyrill habe sterben müssen. Von einer Strafe sei jedoch abzusehen, da der Angeklagte durch den Tod seines Sohnes bereits genug bestraft worden sei.

Zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

Das Gericht fällte einen Mehrheitsentscheid und sprach den Vater der fahrlässigen Tötung schuldig. Er habe seinen Sohn zu wenig gut beaufsichtigt. Sein Verschulden sei zudem zu gross, als dass man auf eine Strafe verzichten könnte. Der Angeklagte wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse von 2000 Franken verurteilt. Der Mutter muss er ausserdem 35'000 Franken Genugtuung zahlen.

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