05.03.2020 06:15

Corona-Angst

Vater will Gymiprüfung wegen Virus verschieben

Ein Vater findet die Durchführung der Gymiprüfungen verantwortungslos. Die kantonalen Bildungsdirektionen halten trotz Coronavirus an ihren Terminen fest.

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cse/les
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Ein besorgter Vater findet die Durchführung der Gymiprüfungen aufgrund der zunehmenden Coronavirus-Infektionen in der Schweiz «unverantwortlich».

Ein besorgter Vater findet die Durchführung der Gymiprüfungen aufgrund der zunehmenden Coronavirus-Infektionen in der Schweiz «unverantwortlich».

Keystone/Gaetan Bally
«Für die mehrstündige Prüfung kommen Hunderte Jugendliche im gleichen Gebäude zusammen. Somit besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr für meinen Sohn», sagt der Vater.

«Für die mehrstündige Prüfung kommen Hunderte Jugendliche im gleichen Gebäude zusammen. Somit besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr für meinen Sohn», sagt der Vater.

Keystone/Melanie Duchene
Und weiter: «Am besten verschiebt man sie. Gesundheit geht vor.»

Und weiter: «Am besten verschiebt man sie. Gesundheit geht vor.»

Keystone/Melanie Duchene

Am 9. März schreiben im Kanton Zürich 8000 Schüler die Gymiprüfung. Der besorgte Vater M. S.* aus Erlenbach ZH findet das aufgrund der zunehmenden Coronavirus-Infektionen in der Schweiz «unverantwortlich»: «Für die mehrstündige Prüfung kommen Hunderte Jugendliche im gleichen Gebäude zusammen. Somit besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr für meinen Sohn.» Es gehe ihm auch um den Schutz seiner ganzen Familie. Für seine geschwächte Mutter könne eine Infektion schlimm ausgehen.

Ganz ausfallen lassen will M. S. die Gymiprüfung nicht. «Die Prüfung sollte auf jeden Fall stattfinden, aber nicht mit so vielen Teilnehmern auf engem Raum. Am besten verschiebt man sie. Gesundheit geht vor.» Er wolle die Verschiebung nicht etwa deshalb, weil sein Sohn ungenügend vorbereitet wäre. «Er hat genug gelernt. Eine Verschiebung um einen Monat würde sowieso nicht helfen, wenn man sich bis heute noch nicht vorbereitet hat.»

Kranke Kandidaten sollen zu Hause bleiben

Während laut der «Basellandschaftlichen Zeitung» in beiden Basel über eine vorübergehende Schliessung der Schulen diskutiert wird, will die Zürcher Bildungsdirektion von einer Verschiebung der Gymiprüfung im Moment nichts wissen. Die Prüfung soll wie geplant stattfinden. Niklaus Schatzmann, Chef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, sagt: «Wir haben die Situation im Auge und würden die Eltern im Laufe der Woche je nach Lage informieren, ob es eine Verschiebung zu einem Termin Ende März gibt.» Die Schulen würden bezüglich hygienischer Massnahmen während der Gymiprüfung und weiterer Veranstaltungen immer auf den neuesten Stand gesetzt.

Gemäss den Richtlinien der Zürcher Bildungsdirektion werden Kinder mit Grippesymptomen bei der Gymiprüfung aktiv zurückgewiesen. Auch dürfen sich Eltern während der Prüfungen nicht auf dem Schulhausareal aufhalten. «Schüler, die sich am Prüfungstag nicht wohlfühlen, sollen zu Hause bleiben und am Nachholtermin die Prüfung absolvieren», ergänzt Schatzmann. Das Szenario einer Prüfungsabsage werde im Moment nicht in Betracht gezogen.

«Angst vor Nichtbestehen ist grösser»

Beim Schweizer Lehrerverband tönt es ähnlich. «Solange die Schulen geöffnet bleiben, gibt es keinen Grund, die Gymiprüfung abzusagen. Wichtig ist, das niemand krank zur Prüfung kommt. Das ist aber auch ohne Coronavirus wichtig», so Zentralsekretärin Franziska Peterhans. Sie wünsche den Schülern, dass sie bald gut vorbereitet ihre Prüfungen schreiben können. «Ich bin mir sicher, dass bei den Schülern die Angst, die Prüfung nicht zu bestehen, verbreiteter ist als die Angst, sich ausgerechnet an der Prüfung anzustecken.» Die Situation während der Gymiprüfung sei verglichen mit dem normalen Unterricht ohnehin einfacher zu handhaben, da die Schüler einen gewissen Abstand voneinander bräuchten.

Auch in den Kantonen St. Gallen und Schwyz finden die Gymiprüfungen im März statt, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Laut Tina Cassidy vom St. Galler Bildungsdepartement findet die Prüfung jedoch in kleineren Gruppen statt: «Grössere Ansammlungen von Schülern werden vermieden. Ausserdem werden die empfohlenen Hygienevorschriften strikt eingehalten.»

*Name der Redaktion bekannt

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