Babypause: Vaterschaftsurlaub bald so normal wie WK?
Aktualisiert

BabypauseVaterschaftsurlaub bald so normal wie WK?

24 Wochen Ferien für junge Eltern? Männerorganisationen erwarten, dass der Bundesrat am Mittwoch endlich Initiative zeigt.

von
D. Pomper
In Deutschland bekommen Väter zwei Monate Elternzeit. In der Schweiz einen Tag.

In Deutschland bekommen Väter zwei Monate Elternzeit. In der Schweiz einen Tag.

Kaum ist das Kind auf der Welt, muss der frischgebackene Vater auch schon wieder zur Arbeit zurück. Zurzeit dürfen Väter in der Schweiz je nach Arbeitgeber einen oder mehrere Tage frei nehmen. Sehr zum Missfallen vieler: Wie eine Umfrage von 20 Minuten mit 5200 Teilnehmern zeigt, wünschen sich 82 Prozent einen Vaterschaftsurlaub. Allerdings sind bereits 26 entsprechende Vorstösse in National- und Ständerat gescheitert. In Schweden beträgt die Elternzeit 480 Tage, wobei 60 Tage für den Vater reserviert sind. In Deutschland bekommen die Eltern 14 Monate frei.

Nun kommt das Thema in der Schweiz erneut aufs Parkett. Der Bundesrat wird voraussichtlich am Mittwoch einen Bericht über verschiedene Möglichkeiten für Eltern- und Väterzeit beraten und acht verschiedene Modelle vorstellen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Diese reichen von einem im Obligationenrecht verankerten Recht auf einen Vaterschafts- oder Elternurlaub bis hin zu einem über die Erwerbsersatzordnung EO finanzierten Elternurlaub von 24 Wochen.

Günstiger als Familieninitiative

Markus Theunert, Präsident von männer.ch, gibt zu bedenken, dass 16 Wochen Vaterschaftsurlaub wesentlich günstiger wären, als die SVP-Familieninitiative, die 1,4 Milliarden Franken kosten würde. Die Kosten für eine Woche Elternzeit belaufen sich auf etwa 70 Millionen Franken. Seit acht Jahren kämpft Theunert bereits für einen Vaterschaftsurlaub. «Die aktuelle Situation ist beschämend.» Immerhin sei es als Fortschritt zu werten, dass zumindest ein Bericht erarbeitet worden sei.

Dass sich der Bundesrat tatsächlich für eines der acht Modelle durchringen wird, bezweifelt SP-Ständerätin Anita Fetz. Denn Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf hätten für den Bundesrat Vorrang. Damit sei das Thema aber nicht vom Tisch. Fetz überlegt sich in diesem Fall einen überparteilichen Vorstoss für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub zu lancieren. «Die neue Männergeneration ist viel aufgeschlossener, man sollte ihnen eine Chance geben», sagt Fetz.

«Wir können nicht immer nur davon reden, dass sich Väter mehr an der Kindererziehung beteiligen sollen, sondern endlich auch handeln», so die Baslerin. Es sei wichtig, dass Väter schon früh eine Beziehung mit ihrem Kind aufbauen könnten. Diese Erfahrung sei sicher auch eine Motivation, sich für einen Teilzeitjob stark zu machen.

Elternzeit flexibel einsetzen

Oliver Hunziker, Präsident der verantwortungsvoll erziehenden Väter und Mütter Vev, plädiert dafür, dass Väter die Elternzeit flexibel einlösen könnten. «Schön wäre es, wenn man die Elternzeit kurz nach der Geburt, vor der Geburt eines weiteren Kindes oder während der Schulzeit beziehen könnte.» Nach der Geburt frei zu bekommen sollte für die Unternehmen ebenso selbstverständlich werden, wie wenn man ins Militär geht, findet Hunziker.

Auch wenn der Bundesrat einen gesetzlich verankerten Vaterschafts- oder Elternurlaub weiter ablehnen sollte, geben die Befürworter nicht auf. Mit einem Musterprozess, bei dem das Netzwerk «Gleichberichtig» bis ans Bundesgericht und nötigenfalls sogar bis an den Gerichtshof für Menschenrechte gehen will, beabsichtigen sie, den Vaterschaftsurlaub in der Schweiz durchzusetzen. Dessen Patronatskomitee gehören laut der «NZZ am Sonntag» Nationalräte von SVP, FDP, CVP und SP sowie etwa der bekannte Kinderarzt und Buchautor Remo Largo an.

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