Missbrauch in der Kirche: Vatikan rüstet sich zum Gegenangriff
Aktualisiert

Missbrauch in der KircheVatikan rüstet sich zum Gegenangriff

Die katholische Kirche soll ihre pädophilen Priester in den USA gedeckt haben. Jetzt schützt der Vatikan den Papst vor weiteren US-Klagen. Ein Strategiepapier liegt vor.

Hilft da nur noch ein Gebet? Papst Benedikt XVI.

Hilft da nur noch ein Gebet? Papst Benedikt XVI.

Nach immer neuen Berichten über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche der USA bereitet der Vatikan derzeit eine Verteidigungsstrategie vor, um Papst Benedikt XVI. vor der amerikanischen Justiz zu schützen. Das geht aus US-Justizdokumenten vor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen. Danach planen Anwälte des Heiligen Stuhls unter anderem zu argumentieren, dass der Papst als Staatsoberhaupt eine Immunität geniesst. Ausserdem seien US-Bischöfe keine Angestellten des Vatikans, heisst es.

Im konkreten Fall geht es um mehrere Missbrauchsfälle in Kentucky. Darin werfen drei Kläger dem Vatikan vor, mit Berichten über Missbrauchsfälle nachlässig umgegangen sei und weder die Polizei noch die Öffentlichkeit über Priester informiert zu haben, die Kinder missbraucht haben sollen. Die Klage wurde bereits 2004 eingereicht.

Die Skizzierung der Verteidigungsstrategie, die der AP von einem Informanten zugespielt wurde, ist im Februar am US-Bezirksgericht in Louisville eingereicht worden. Der Vatikan wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen.

Die Anwälte der Kirchenführung zielen darauf ab, dass das Verfahren eingestellt wird, bevor Benedikt dazu befragt oder die Herausgabe geheimer Dokumente verlangt werden kann.

Der Fall in Kentucky ist von Bedeutung, weil er einer von mehreren in den USA ist, in denen der Vatikan selbst als Ziel anvisiert ist. Dabei geht es um die grundsätzliche Frage, ob Opfer tatsächlich Ansprüche gegen die Kirchenspitze in Rom und nicht nur gegen die katholische Kirche in den USA geltend machen können. Frühere derartige Versuche sind gescheitert oder noch in der Schwebe. (dapd)

So viel kostete der katholischen Kirche der Missbrauch – bis jetzt

Irland in den letzten Jahren über Tausende Missbrauchsfälle unter dem Dach der Kirche ans Licht gekommen waren, wurden die Opfern mit insgesamt 750 Millionen Euro entschädigt. Die Zahlungen gingen an Menschen, die als Kinder in kirchlich geführten Schulen, Heimen und Krankenhäusern sexuell, körperlich oder seelisch misshandelt wurden.

USA wurden über 10 000 Fälle sexuellen Missbrauchs Kinder und Jugendlicher durch katholische Geistliche bekannt geworden, vor allem aus den 1940ern und bis in die 1990er Jahre. Im Juli 2007 erklärte sich die Erzdiözese von Los Angeles bereit, eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 660 Millionen Dollar als aussergerichtlichen Einigung an rund 500 Kläger zu zahlen. Damit summierten sich die kirchlichen Entschädigungszahlungen auf rund zwei Milliarden US-Dollar (2,15 Milliarden Franken). Die hohe Entschädigungssummen haben viele Diözesen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben - der Erzbischof von Boston sitzt seit 2004 nicht mehr in seiner Residenz, sondern in einer Mietwohnung.

(kle)

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