Aktualisiert 23.09.2011 16:26

Umstrittenes ProjektVBS legt Bau von Riesen-Antenne auf Eis

Das Armeedepartement krebst zurück: Weil sich Behörden und Bevölkerung hintergangen fühlen, wird die Montage einer 40 Meter hohen Antenne auf dem Moléson ausgesetzt.

von
Antonio Fumagalli

Fein säuberlich liegen die einzelnen Bestandteile der Antenne auf dem Parkplatz von Moléson-Village, bereit zum Abtransport mit dem Helikopter. Deren Bestimmungsort: der Gipfel des Moléson, der charakteristische Gebirgsstock in den Freiburger Voralpen. «Das ist ein Attentat auf die Landschaft. Diese Schweinerei kann nur das Werk eines Beamten sein, der sein Büro nie verlässt», ereifert sich SP-Präsident Christian Levrat, selbst Freiburger, in «Le Matin». Maurice Ropraz, Oberamtmann des betroffenen Bezirks Greyerz, ergänzt: «Der Moléson ist ein mythischer Gipfel und Teil der regionalen Identität.»

Adressatin des Zorns ist die Schweizerische Armee: Sie steht hinter dem Projekt, das im Freiburgerland für rote Köpfe sorgt. 40 Meter hoch soll die Empfangsantenne werden – und damit in der lieblichen Hügellandschaft weit sichtbar. Stein des Anstosses ist allerdings weniger das Aussehen der Antenne – sie wird von einer rotweissen Spitze überthront und mit Blinklichtern versehen –, sondern das Vorgehen des Verteidigungsdepartements (VBS).

Bezirksvorsteher Ropraz hat gemäss eigener Aussage erst letzte Woche einen Brief vom VBS erhalten, in welchem er vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Umgehend habe er die Nachricht an den offenbar völlig überraschten Freiburger Staatsrat weitergeleitet. «Das ist ein Skandal, man wähnt sich in Russland», sagt Regierungs-Vizepräsident George Godel in der Zeitung «La Gruyère».

«Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen informiert»

Beim VBS will man davon nichts wissen. «Wir haben die Behörden gemäss den gesetzlichen Bestimmungen informiert», sagt Sprecherin Silvia Steidle auf Anfrage von 20 Minuten Online. Laut der Aussage des Gemeindepräsidenten von Moléson-sur-Gruyère beschränkte sich der Kontakt hingegen auf einen Besuch im Jahre 2007, bei dem es um eine Antenne in «akzeptabler» Höhe von 20 Metern ging – seither habe Funkstille geherrscht.

Wenn es um die Infrastruktur geht, kann die Armee in der Tat Spezialkonditionen beanspruchen. Baubewilligungen werden gemäss einer vereinfachten Prozedur vergeben – und Einsprachen sind nicht möglich. «Der Moléson gehört nicht zum Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung», so VBS-Sprecherin Steidle. Zudem gebe es auf dem Berg bereits bestehende Infrastrukturen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) habe den Bau der Anlage, die überdies keine elektromagnetische Strahlung emittiere, abgesegnet.

Erfolgreiche Online-Petition

Im Freiburgerland gibt man sich aber noch nicht geschlagen. Eine französischsprachige Homepage mit dem Titel «Lasst uns den Moléson retten» sammelt Unterschriften. Zur Stunde haben sich knapp 2000 Personen eingetragen. Heute morgen konnten sie einen ersten Erfolg verbuchen: Auf Anordnung von Oberamtmann Ropraz wurde ein Baustopp für die Anlage verhängt. Armeesprecherin Steidle bestätigt, dass die Polizei die anwesenden Handwerker um 11 Uhr angewiesen habe, ihre Arbeit einzustellen.

Am Nachmittag hellte sich der Himmel für die Gegner der Riesenantenne weiter auf: Wie das VBS in einer Medienmitteilung verlauten liess, wird die Errichtung der Infrastruktur per sofort supendiert. Der Entscheid sei in Absprache mit Regierungsrat Godel gefällt worden. Man evaluiere nun mögliche Verbesserungen des ursprünglichen Projekts. Die Naturfreunde dürfen sich also mindestens noch bis Ende Jahr eines ungetrübten Blicks auf ihren Berg erfreuen: Wie das VBS mitteilt, verschieben sich die Arbeiten durch die Suspendierung ins Jahr 2012.

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