Zürich-Langstrasse: VBZ entfernen Sitzbank wegen Randständigen
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Zürich-LangstrasseVBZ entfernen Sitzbank wegen Randständigen

Bei der VBZ-Haltestelle Militär-/Langstrasse kann man nicht mehr sitzend auf den Bus warten. Grund: Anwohner sind genervt von den Randständigen, die sich dort ausruhen.

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jen

Das denken die Leute an der Langstrasse über die Entfernung der Sitzbank (Video: jen)

Die Bushaltestelle Militär-/Langstrasse ist bekannt als Hot Spot für Randständige: Sie machen es sich dort gemütlich, trinken Bier und nicht selten wird auch auf der Sitzbank geschlafen. Doch damit ist nun Schluss: Die Sitzbank ist seit Dienstag weg.

«Damit reagieren wir auf die Dutzenden Beschwerden, die wir von Anwohnern und Gewerblern erhalten haben», sagt Andreas Uhl, Sprecher der VBZ. Diese hätten sich vor allem auf die Präsenz der Randständigen und Obdachlosen, die dort schlafen, bezogen.

Holzbalken zum Anlehnen

Auch die Busbenützer hätten reklamiert, weil die Sitzbank ständig durch Randständige belegt gewesen sei. Dabei sei diese primär für die Fahrgäste gedacht. «Es gab keine andere Möglichkeit, als die Bank wegzunehmen und durch eine pragmatische Lösung zu ersetzen», sagt Uhl weiter.

Mit «einer pragmatischen Lösung» meint Uhl zwei Holzbalken, die im Haltestellenhäuschen montiert sind, um sich anzulehnen. «So können wir den Fahrgästen zumindest eine gewisse Ausruhgelegenheit bieten.»

«Das ist genau das Richtige»

Zwar gibt es an diversen Bus- und Tramhaltestellen in Zürich bereits solche Holzbalken zum Anlehnen. Nur dort werden sie wegen der engen Platzverhältnisse verwendet. Uhl: «Bei der Langstrasse haben wir zwar genug Platz, aber wenn wir permanent Telefone von verärgerten Anwohnern, Fahrgästen und Gewerblern erhalten, muss die Reissleine gezogen werden.»

Einige Passanten, die 20 Minuten an der Langstrasse befragte, haben Verständnis für das Vorgehen der VBZ: «Das ist genau das Richtige. Ich habe oft Betrunkene oder unter Drogen stehende Leute hier gesehen», sagt Gabriela Codon (38) aus Zürich. Vor allem störe sie der Müll, den die Randständigen hinterliessen.

Aufatmen beim Kleiderladen

Auch bei Marco Di Renzo, dem Kleiderladen gleich hinter der Bushaltestelle, ist man froh über das Entfernen der Sitzbank: «Für unseren Laden war es nicht ideal, wenn alkoholisierte oder unter Drogen stehende Leute auf der Bank sassen», sagt Filialleiterin Tiziana Scala (30).

Andere hingegen verstehen die Gangart der VBZ überhaupt nicht: «Grundsätzlich ist es nicht korrekt. Jeder soll sitzen können, wie und wo er will», sagt Martin M.* (38) aus Zürich. Ausserdem würden diese Leute zum Kreis 4 dazugehören. Gleich sieht das Britta Hänni (15) aus Zürich: «Dass die Bank weg ist, finde ich nicht gut. Leute, die auf der Strasse sind, haben auch ein Recht, sich irgendwo hinzusetzen oder zu legen.»

Lage habe sich entspannt

Ebenfalls skeptisch äussert sich Christian Fischer, Betriebsleiter der sozialen Ambulanz SIP Zürich: «Ich halte Szenenbekämpfung mittels der Demontage von städtischen Möblierungen nicht unbedingt für wirkungsvoll.»

Ausserdem stelle er fest, dass sich die Lage bezüglich der Randständigen an der Langstrasse deutlich entspannt habe. «Wir haben dort heute weniger Drogenabhängige als noch vor 16 Jahren», sagt Fischer. Dafür seien mehr Partygänger unterwegs.

*Name der Redaktion bekannt

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