Aktualisiert 09.06.2011 19:15

Wegen Übergewicht

VBZ erteilen Bewerber Absage

Zu dick, um als Tramführer zu arbeiten: Thomas H.* hat zwar einen Body Mass Index unter 30, wie von den VBZ verlangt. Trotzdem scheiterte die Bewerbung am Gewicht.

von
Deborah Sutter

«Die VBZ suchen auch für ­dieses Jahr wieder motivierte Tramführer», schreiben die Verkehrsbetriebe Zürich auf ihrer Homepage. Der 29-jährige Thomas H., mit 1,86 Meter und 98 Kilogramm ein stattlicher Mann, erhielt jedoch nach ­seinem Vorstellungsgespräch einen niederschmetternden Bescheid: «Sie sagten mir, dass sie keine Mitarbeiter mit Body Mass Index über 30 einstellen», erzählt er und ist enttäuscht, dass sein Bubentraum geplatzt ist. «Dabei habe ich bloss einen BMI von 28.» Als Trost habe man ihm gesagt, eine erneute Bewerbung in ein paar Jahren sei nicht ausgeschlossen, falls er bis dahin einige Kilos ver­loren habe.

Die VBZ möchten diesen Fall nicht kommentieren. «Das Gewicht ist aber nie das einzige Kriterium, das zu einer Absage führt», sagt Sprecherin Daniela Tobler. Ausserdem sei ein BMI von 30 kein sakrosankter Wert, nach dem entschieden werde. Tobler: «Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass der Schichtbetrieb zu Gewichtszunahme führen kann – gerade bei Personen, die schon Mühe mit ihrem Gewicht haben.»

Die Gewerkschaft VPOD hält dagegen: «Es ist nicht in Ordnung, wenn der BMI ein An­stellungskriterium ist», so der Regionalsekretär Duri Beer. Wenn jemand übergewichtig sei, heisse das nicht, dass er krank sei. Beer: «Ausserdem ist es Sache eines Arztes, das zu entscheiden, und nicht der Personalabteilung der VBZ.»

*Name der Redaktion bekannt

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