Überlastete Buslinie: VBZ lässt Passagiere stehen
Aktualisiert

Überlastete BuslinieVBZ lässt Passagiere stehen

Am Bärenbohl in Zürich-Affoltern müssen Pendler regelmässig zusehen, wie ihr Bus einfach an ihrer Haltestelle vorbeifährt: aus Sicherheitsgründen, der Bus ist zu voll.

von
Annette Hirschberg
Der kleine Midibus auf der Linie 37 ist schnell voll. Dann fährt der Chauffeur aus Sicherheitsgründen ohne zu halten an den restlichen Haltestellen vorbei.

Der kleine Midibus auf der Linie 37 ist schnell voll. Dann fährt der Chauffeur aus Sicherheitsgründen ohne zu halten an den restlichen Haltestellen vorbei.

Regula Meier (Name geändert) ist empört. Seit zwei Wochen läuft sie jeden Morgen zu Fuss von zu Hause bis zum Bahnhof Affoltern. Eigentlich hätte sie mit der Haltestelle Bärenbohl einen Bus ganz in ihrer Nähe. Der Bus Nummer 37, der um 7.08 Uhr an der Haltestelle hält, würde sie auch zur rechten Zeit an den Bahnhof bringen, damit sie dort die S-Bahn nach Zürich erwischen kann. «Doch oft fährt die Nummer 37 ohne zu halten am Bärenbohl vorbei», erzählt Meier entrüstet.

Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) bestätigt man, dass Bus-Chauffeure gelegentlich an der Haltesstelle Bärenbohl vorbeifahren: «Der Bus ist oft so voll, dass keine weiteren Passagiere zusteigen können», sagt Mediensprecherin Daniela Tobler von den VBZ. Aus Sicherheitsgründen halte der volle Bus darum manchmal nicht am Bärenbohl. Ein zusätzlicher Entlastungsbus fahre aber hinterher und nehme die Fahrgäste mit, die nicht einsteigen konnten.

Fünf bis zehn Personen verpassen Bus

Regula Meier hat kein Verständnis für diese Antwort. «Mit mir zusammen werden fünf bis zehn Personen an der Haltestelle einfach stehengelassen», ärgert sie sich. Zwar gebe es diesen zweiten Bus, der mehrere Minuten nach dem ersten komme. «Doch der kommt fast immer zu spät für die S-Bahn», so Meier. Nur einmal in den letzten zwei Monaten sei sie mit dem Folgebus rechtzeitig am Bahnhof gewesen. Rund zehnmal hingegen habe sie deswegen die S-Bahn verpasst.

«Mein Arbeitgeber fand das gar nicht lustig, dass ich so oft zu spät komme», sagt Meier. Die verpasste Arbeitszeit musste sie jeweils nacharbeiten. Darum lässt sie sich jetzt auf keine Experimente mehr ein und läuft wie viele andere Bewohner aus der Gegend die Strecke bis zum Bahnhof zu Fuss. Bei der VBZ hat sie sich beklagt, doch genützt hat es nichts.

Bus muss S-Bahn abwarten

«Es handelt sich hier um eine Verkettung unglücklicher Umstände», sagt Mediensprecherin Tobler. Der Entlastungsbus, der die zusätzlichen Passagiere aufnehmen sollte, kann nicht direkt hinter dem offiziellen Kurs herfahren. «Der Entlastungsbus muss auf dem Hinweg Richtung ETH die vielen Pendler der S-Bahn im Bahnhof Affoltern abwarten. Weil die S-Bahn oft verspätet ist, ist dann auch der Bus verspätet unterwegs», erklärt Tobler.

Bei der VBZ ist man gar nicht glücklich über die Situation in Affoltern. «Aber wir können im Moment nichts ändern», so Tobler. Denn dafür müsste die VBZ auf der Strecke anstelle des jetzigen kleinen Midi-Busses grössere einsetzen. «Derzeit stehen uns aber keine grösseren Fahrzeuge zur Verfügung», sagt Tobler. Besserung ist erst Ende Jahr in Sicht: Ab Dezember werden auf dieser Linie sogenannte Standardbusse verkehren. Regula Meier findet, dass die VBZ damit faktisch ihrer Beförderungspflicht nicht nachkomme. «Ich erwarte, dass das Problem jetzt und nicht erst in sechs Monaten gelöst wird.»

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