Zürich: Wegen «billiger» Konkurrenz? VBZ stoppt Projekt für Studi-Trampiloten

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ZürichWegen «billiger» Konkurrenz? VBZ stoppt Projekt für Studi-Trampiloten

Die VBZ wollten in einem Pilotversuch Studierende zu Trampilotinnen und Trampiloten ausbilden. Das Projekt hat aber «zahlreiche Fragen» aufgeworfen und wird nun sistiert.

von
Daniel Krähenbühl
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Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) suchten Studierende, die als Nebenjob Trampilotinnen und Trampiloten werden wollen.

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) suchten Studierende, die als Nebenjob Trampilotinnen und Trampiloten werden wollen.

20min/Marco Zangger
Statt der üblichen 43 Tage dauert die Ausbildung nur 26 Tage. 

Statt der üblichen 43 Tage dauert die Ausbildung nur 26 Tage. 

Screenshot VBZ
Mit diesem Pilotprojekt wollten die VBZ eine neue Zielgruppe ansprechen.

Mit diesem Pilotprojekt wollten die VBZ eine neue Zielgruppe ansprechen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts 

  • Studierende hätten bei den VBZ nach einer 26-tägigen Ausbildung Tram fahren können.

  • Laut der Gewerkschaft VPOD sind die Trampilotinnen und Trampiloten über das Pilotprojekt nicht erfreut.

  • Sie befürchten, dass mit diesem Projekt die Türe für billige Arbeitskräfte und schlechtere Arbeitsbedingungen geöffnet wird.

  • Die VBZ sistiert nun das Projekt vorerst, bis alle Fragen geklärt sind. 

Nach 26 Tagen Ausbildung einen Stundenlohn von 30 bis 35 Franken pro Stunde: In einem Pilotversuch wollten die VBZ unter Studierenden neue Trampilotinnen und Trampiloten rekrutieren. Die Ausbildung zum «aufregendsten Studijob in der Schweiz» – so preiste ihn die VBZ an – wäre am 2. August gestartet. Für die bis zum 6. September dauernde Ausbildung zur Trampilotin oder zum Trampiloten winkte den Studierenden eine Entlöhnung von 6240 Franken. 

Das Jobinserat stiess auf grosses Interesse, innert kürzester Zeit bewarben sich laut VBZ zahlreiche Personen für die Stelle. Sie alle müssen sich jedoch gedulden: Wie die Zürcher Verkehrsbetriebe am Donnerstag mitteilen, sei das «Pilotprojekt Student*innenlinie» vorerst sistiert. Laut den VBZ hat das Projekt sowohl bei den VBZ-Mitarbeitenden wie auch bei den Sozialpartnern zahlreiche Fragen aufgeworfen. Diese Fragen und Anliegen gelte es vorderhand zu klären. Das Pilotprojekt werde deshalb – nach Rücksprache mit Stadtrat Michael Baumer – nicht per Anfang August und somit auch nicht mehr in diesem Jahr starten. 

Fragen werden bei Treffen aufgenommen

Die Sozialpartner Syna, transfair und VPOD und die VBZ hätten sich am 30. Juni 2022 zum VBZ-Pilotprojekt getroffen. Auch das von den Sozialpartnern gewünschte Treffen mit Stadtrat Michael Baumer hätte am 7. Juli 2022 stattgefunden, schreibt die VBZ in der Mitteilung. Dabei sei vereinbart worden, die Fragen und Anliegen im Rahmen der nächsten Sitzung der Kommission der Sozialpartner im September aufzunehmen. Ebenfalls in die Aufarbeitung einfliessen werden demnach die Fragen, welche die Fahrdienstmitarbeitenden aufgeworfen haben.

Bereits nach Verkündigung des Pilotprojekts äusserten die Gewerkschaften Kritik. Die Mitarbeitenden hätten sich insbesondere über Aussagen im Inserat, wie zum Beispiel «du kannst arbeiten, wann immer du willst», gestört. «Langjährige Mitarbeitende haben diese Konditionen nicht und fühlen sich deshalb vor den Kopf gestossen», sagte Duri Beer vom VPOD. «Sie befürchten, dass mit diesem Pilotprojekt die Türe für billige Arbeitskräfte und schlechtere Arbeitsbedingungen geöffnet wird.» 

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