03.11.2014 05:15

Abstimmung in ZürichVCS wirbt mit Merkel für die Stadelhofen-Initiative

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf einem Plakat des VCS zur Abstimmung über den Stadelhofen-Ausbau in Zürich zu sehen. Den Segen dazu hat sie freilich nicht gegeben.

von
rom

Rushhour am Bahnhof Stadelhofen in Zürich: Pendler verlassen oder besteigen einen S-Bahn-Zug – und mittendrin ein bekanntes Gesicht: Angela Merkel, Bundeskanzlerin von Deutschland. Darüber steht geschrieben: «Ja Ausbau Bahnhof Stadelhofen. Pünktlich und zuverlässig.» Mit solchen Plakaten wirbt die Zürcher Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) für ein Ja am 30. November zu ihrer Initiative.

«Das Ganze war eine spontane Idee», sagt Gabi Petri, Co-Geschäftsführerin des VCS Zürich und Kantonsrätin der Grünen. «Ich war kürzlich mit der Bahn in Deutschland unterwegs und stellte erneut fest, wie viel pünktlicher und zuverlässiger unser ÖV im Vergleich dazu ist.» Zurück in der Schweiz habe sie gedacht, die bürgernahe Merkel müsste eigentlich mal nach Zürich kommen und sich ein Bild davon machen.

Vertrauen auf deutschen Humor

Und so kam die Bundeskanzlerin zu ihrem Auftritt auf den Plakaten, die in verschiedenen Bahnhöfen hängen. Dass man die Magistratin beinahe mit der Lupe suchen muss, ist kein Zufall: «Sie ist ja nicht unsere Bannerträgerin, vor allem aber weiss sie nichts davon.» Rechtliche Konsequenzen befürchtet Petri keine: «Die Deutschen haben da sicher genügend Humor.»

Zumindest in Berlin kann man nicht darüber lachen: «Leider werden immer wieder auf der Welt Bilder der Bundeskanzlerin auch zu Werbezwecken missbraucht», sagt ein Regierungssprecher auf Anfrage und bestätigt, dass die Plakate «ohne Wissen und Zustimmung der Bundeskanzlerin» zustande gekommen sind. Zu allfälligen rechtlichen Schritten äusserte er sich nicht.

Misstrauisch gegenüber Bern

Mit seiner Initiative will der VCS die Erweiterung des Bahnhofs Stadelhofen über eine Vorfinanzierung durch den Kanton Zürich vorantreiben. Heute müssen sich die neun S-Bahn-Linien mit drei Gleisen begnügen, ein viertes wäre dringend nötig. Dies bestreitet keine der Parteien. Trotzdem sind der Regierungsrat und die grosse Mehrheit des Parlaments gegen das VCS-Begehren. Der Bund sei für den Ausbau des Schienennetzes zuständig und habe ja eine Objektstudie in Auftrag gegeben.

«Ich vertraue nicht gerne auf die Berner Politik», sagt Petri. «Wenn wir in Bern nicht verbindlich zeigen, dass es uns ernst ist, werden weniger wichtige Ausbauprojekte bevorzugt.» Dass ein Vorpreschen der Zürcher bei den anderen Kantonen arrogant rüberkäme, glaubt sie nicht: «Im Gegenteil – eine Vorfinanzierung durch den Kanton Zürich macht Sinn, ohne eine solche stünde etwa die Durchmesserlinie in der heutigen Form auch nicht.»

Der VCS wirbt auch mit einem Videoclip für seine Initiative

Kantonsrat sagte deutlich Nein

Nur Grüne, GLP und AL stimmten im Zürcher Kantonsrat für das VCS-Begehren, wonach der Kanton Zürich den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen vorfinanzieren soll. Entsprechend fasste er mit 125 zu 49 Stimmen die Nein-Parole. Auch der Regierungsrat hält die Initiative für unnötig. Letztlich geht es am 30. November nicht darum, ob man als Stimmberechtigter für oder gegen den Ausbau ist, sondern nur darum, ob der Kanton Zürich eine Anschubfinanzierung leisten soll.

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