Aktualisiert 16.05.2007 08:25

VDSL: Superschnelle Leitungen ins Internet

Sie sind so schnell, wie es früher nur Mietleitungen waren, kosten aber nur so viel wie ein privater Internetanschluss: VDSL macht die Datenautobahn zur Wirklichkeit und lässt ADSL ganz schön langsam aussehen.

Wer im Vor-ADSL-Zeitalter schon im Internet gesurft ist, kann sich vielleicht noch daran erinnern, wie die Bilder langsam über die Wählleitung auf den Computer getropft sind. Wie man vor dem Rechner sass und warten musste. Der Umstieg von der Wählleitung auf ADSL war wie der Wechsel vom Velo auf den Schnellzug.

Jetzt steht erneut ein Wechsel an, der einen ähnlichen Geschwindigkeitsfortschritt mit sich bringt: von ADSL zu VDSL. Die Abkürzung steht für «Very High Speed Digital Subscriber Line» und bezeichnet eine Weiterentwicklung der ADSL-Technik.

Superschnell über superkurze Distanzen

VDSL-Verbindungen sind in der Lage, Geschwindigkeiten von bis zu 52 Mbit pro Sekunde zu realisieren - wenigstens theoretisch und auch das nur über sehr kurze Distanzen. Swisscom Fixnet stellt bis jetzt maximal 16 Mbit pro Sekunde zur Verfügung. Das reicht immer noch für mehr als ein Megabyte Daten pro Sekunde aus. Was mit einem ADSL-Anschluss noch Minuten gedauert hat, dauert mit einem VDSL- Anschluss also nur noch Sekunden.

Im Unterschied zur ersten Steigerung wird die erneute Temposteigerung beim Surfen allerdings kaum spürbar sein. Allenfalls beim Herunterladen von Musikdateien oder von Programmen aus dem Internet kommt die Geschwindigkeit zum Zug.

Voraussetzung ist aber auch dann, dass der anbietende Server einen dicken Schlauch ins Internet zur Verfügung stellt. Denn das ist der Haken an der grossen Bandbreite: Flaschenhälse im Internet bremsen das Netz.

VDSL ist schon lange Realität

Fast im Versteckten ist VDSL in der Schweiz schon länger in Betrieb: BluewinTV, das Fernsehangebot von Swisscom Fixnet, ist in vollem Umfang nur mit VDSL im Hintergrund möglich.

Bereits anlässlich der Ankündigung des Fernsehangebots gab Swisscom Fixnet die VDSL-Abdeckung in der Schweiz mit 65 Prozent an: Rund zwei Millionen Haushalte hatten also schon im letzten Oktober Zugang zur VDSL-Technologie.

Verteilerkästen in den Quartieren

Voraussetzung dafür, dass VDSL verfügbar ist, sind Glasfaserleitungen, die bis ins Quartier reichen. Swisscom hat deshalb in der ganzen Schweiz neue Verteilerkästen in den Quartieren gebaut.

Die neuen, flachen Kommunikationszentralen im schmucklosen Blechgewand haben die alten Verteilersäulen ersetzt. Sie sorgen dafür, dass die Haushaltanschlüsse maximal 750 Meter von der Glasfaserzuführung entfernt sind.

Insgesamt baut Swisscom in der ganzen Schweiz 5800 solcher Verteilerstellen und investiert dabei bis Ende 2008 insgesamt über 600 Mio. Franken. Bis Ende 2007 wird das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 50 Prozent der Schweizer Haushalte mit dieser Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur abdecken.

Laut Swisscom-Sprecher Sepp Huber ermöglicht das in der Praxis Anschlüsse mit einer Bandbreite von 30 Mbit/s - genügend Kapazität, um einen Haushalt über eine normale Kupferleitung mit superschnellem Internet, hochauflösenden Fernsehbildern auf gleichzeitig zwei Kanälen und Telefonie zu versorgen.

Cablecom hat bereits reagiert

Schon bevor Swisscom ihre neuen VDSL-Anschlüsse ankündigte, hat Konkurrentin Cablecom reagiert und ein neues Abonnement namens «hispeed 10000» verfügbar gemacht. Cablecom bietet dabei Zugang zum Internet mit einer Geschwindigkeit von 10 Megabit pro Sekunde.

Wirklich sinnvoll sind so grosse Bandbreiten allerdings nur bei Business-Anwendungen. Der durchschnittliche Anwender hat nur bei der Übertragung von Sprache und vor allem von Video etwas davon: Das Ohr reagiert sehr empfindlich auf Verzögerungen im Datenfluss, und Videos bringen nun mal sehr viel mehr Daten mit sich.

(sda)

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