Vegan und nachhaltig – neue Art Glitzer ist biologisch abbaubar
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Funkelt wie das OriginalVegan und nachhaltig – neue Art Glitzer ist biologisch abbaubar

Weihnachten rückt näher und die Zahl glitzernder Dekorationen, Grusskarten und Make-Up-Varianten nimmt zu. Doch die funkelnden Partikel sind ein Umweltproblem. Das könnte sich bald ändern.

von
Fee Anabelle Riebeling
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In 502 von 664 Kosmetikprodukten steckt Plastik drin.

In 502 von 664 Kosmetikprodukten steckt Plastik drin.

20min/Matthias Spicher
Das zeigte im Frühjahr 2021 eine Untersuchung von Greenpeace.

Das zeigte im Frühjahr 2021 eine Untersuchung von Greenpeace.

20 Minuten
Doch die winzig kleinen Plastikpartikel kommen auch in anderen Bereichen zur Anwendung, …

Doch die winzig kleinen Plastikpartikel kommen auch in anderen Bereichen zur Anwendung, …

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Darum gehts

  • Glitzer ist beliebt, hat aber einen schlechten Ruf.

  • Denn bei den funkelnden Partikeln handelt es sich um nicht anderes als umweltschädliches Mikroplastik.

  • Forschende haben nun eine vegane und biologisch abbaubare Alternative gefunden, die sich mit kommerziellen Maschinen herstellen lässt.

  • Trotzdem glitzert sie wie das Original.

Glitzer ist schön, aber leider nichts anderes als Mikroplastik, das die Umwelt verschmutzt und auch schon bereits in menschlichen Organen nachgewiesen wurde. Das wundert nicht, schliesslich steckt es in unzähligen Produkten. Laut australischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern essen wir pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik – das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte. Es steckt in vielen Produkten. So nehmen bereits Babys am Tag 1,5 Millionen Partikel Mikroplastik auf, wenn sie den Schoppen bekommen. In London und Sibirien regnet der Stoff sogar vom Himmel. Entsprechend emsig wird nach Alternativen geforscht, bislang jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

Doch zumindest punkto Glitzer gibt es gute Neuigkeiten: Forschende der Universität Cambridge haben einen Weg gefunden, nachhaltigen, ungiftigen, veganen und biologisch abbaubaren Glitzer aus Zellulose – dem Hauptbaustein der Zellwände von Pflanzen, Früchten und Gemüse – herzustellen, der genauso glitzert wie das Original. Davon berichten sie im Fachjournal «Nature Materials».

5500 Tonnen Mikroplastik allein in Kosmetika

Der ökologische Glitzer wird aus Zellulose-Nanokristallen hergestellt, die das Licht so biegen können, dass leuchtende Farben entstehen. Das gleiche Phänomen erzeugt einige der leuchtendsten Farben in der Natur – wie die von Schmetterlingsflügeln und Pfauenfedern –und führt zu Farbtönen, die selbst nach einem Jahrhundert nicht verblassen, heisst es in einer Mitteilung.

Mit Hilfe von sogenannten Selbstorganisationstechniken, die es der Zellulose ermöglichen, intensiv gefärbte Filme zu erzeugen, könnten ihre Materialien laut den Forschenden die in Kosmetika weit verbreiteten Kunststoff-Glitzerpartikel und winzigen mineralischen Effektpigmente ersetzen. In Europa verbraucht allein die Kosmetikindustrie jedes Jahr etwa 5500 Tonnen Mikroplastik.

Grünere Herstellung

Der nachhaltige Glitzer kann laut dem Bericht in grossen Mengen mit Hilfe von Rolle-zu-Rolle-Verfahren hergestellt werden. Dieses kommt auch bei der Herstellung von Papier aus Holzzellstoff zur Anwendung. Darüber hinaus ist das Verfahren weit weniger energieintensiv als herkömmliche Methoden. In der Studie nutzte das Team um Silvia Vignolini Zellstoff aus Holz, um Zellulose zu gewinnen. Um einen Zellulosefilm herzustellen, muss diese nur in Wasser eingelegt werden. Denn wenn das Wasser verdampft, ziehen sich die Kristalle darin zusammen und drehen sich spiralförmig. So erzeugen sie – je nach Ausrichtung – verschiedene Farben. Für den Glitter muss der Film nur noch gemahlen werden.

«Traditionell müssen Effektpigmentminerale bei Temperaturen von bis zu 800 Grad Celsius erhitzt werden, um Pigmentpartikel zu bilden. Wenn man bedenkt, welche Mengen an mineralischen Effektpigmenten weltweit hergestellt werden, wird klar, dass ihre Verwendung schädlich für den Planeten ist», erklärt Vignolinis Kollege Benjamin Droguet. Obwohl das Verfahren noch weiter optimiert werden muss, gehen die Forschenden davon aus, dass ihr Bio-Glitzer in ein paar Jahren auf den Markt kommt.

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