Pflanzenbasierte Babynahrung liegt im Trend – auch in der Schweiz

Pflanzenbasierte Lebensmittel für Babys und Kleinkinder erobern den Markt. Auch in der Schweiz.

Pflanzenbasierte Lebensmittel für Babys und Kleinkinder erobern den Markt. Auch in der Schweiz.

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An Gemüse gewöhnenVegane Babynahrung liegt im Trend – auch in der Schweiz

Der Wunsch von Eltern, ihr Baby pflanzlich zu ernähren, wächst. Ein grosser Hersteller verkauft neu Pflanzenproteine für den Schoppen, ein Schweizer Start-up setzt schon länger auf Brei auf Pflanzenbasis.

von
Luise Faupel

Lebensmittel-Riese Danone führt pflanzenbasierte Säuglingsnahrung ein – laut Unternehmen als Reaktion auf den Wunsch vieler Eltern, ihr Baby vegetarisch, flexitarisch oder pflanzlich ernähren zu wollen. Eine pflanzenbasierte Ernährung besteht vor allem aus Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs. Im Gegensatz zur veganen Ernährung schliesst sie kleinere Mengen an tierischen Lebensmitteln nicht aus – bei Danone etwa geringe Anteile an Milch. 

Immer mehr Eltern möchten ihre Kinder pflanzenbasiert ernähren. 

Immer mehr Eltern möchten ihre Kinder pflanzenbasiert ernähren. 

Keira Burt / Pexels

Laut Danone ist die neue Babynahrung die branchenweit erste gemischte Babynahrung, in der mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent, des Proteins aus Pflanzen stammt. Entwickelt wurde sie speziell für eine vegetarische Ernährung.

Danones neue Dairy & Plants Blend Babynahrungsformel besteht zu 60 Prozent aus Inhalten pflanzlichen Ursprungs.

Danones neue Dairy & Plants Blend Babynahrungsformel besteht zu 60 Prozent aus Inhalten pflanzlichen Ursprungs.

Danone

Die Proteine sind aus gentechnikfreiem Sojaprotein und anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Sonnenblumen-, Kokos- und Rapsöl gewonnen. Die anderen 40 Prozent in der Formel macht das Milchprotein aus. Dazu gehören Kasein und Molkenprotein aus Kuhmilch sowie Laktose. 

Würdest du dein Kind oder deine Kinder pflanzenbasiert ernähren?

Babys an Gemüse gewöhnen

Mit seinen pflanzenbasierten Produkten will Danone Kinder bereits im frühen Alter an den Geschmack von Pflanzen gewöhnen. «Wenn Kinder früh dem Geschmack von Lebensmitteln ausgesetzt werden, kann das dazu beitragen, zukünftige Lebensmittelpräferenzen zu prägen – beispielsweise für Gemüse», so das Unternehmen.

«Unsere Formel soll Babys und Kleinkinder auf sanfte Weise mit Pflanzenaromen vertraut machen und so eine Orientierungshilfe für zukünftige flexitarische Lebensmittelentscheidungen bieten.»

Danones neue Babynahrung soll Kinder nun bereits im jüngsten Alter an den Geschmack von Pflanzen gewöhnen.

Danones neue Babynahrung soll Kinder nun bereits im jüngsten Alter an den Geschmack von Pflanzen gewöhnen.

Andrea Piacquadio / Pexels

Der pflanzliche Konsum nimmt stark zu. 37 Prozent der EU-Verbraucher wählen eine vegane, vegetarische oder flexitarische Ernährung. Das geht aus einer für Danone durchgeführten Umfrage hervor. Fast 70 Prozent der Eltern wünschen sich laut Umfrage ausserdem, dass ihre Kinder mehr pflanzliche Lebensmittel essen. Sie betonen, dass das auch die CO2-Emissionen reduziere.

Vegane Babynahrung: Das sagen Fachleute

Im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie einen Leitfaden mit Handlungsanweisungen zur vegetarischen und veganen Ernährung im Säuglings- und Kleinkindesalter erarbeitet. Das sind die wichtigsten Punkte:

Empfohlen wird die omnivore Ernährung

Die empfohlene Ernährungsform im Säuglings- und Kindesalter sei die omnivore Ernährung (hier werden weder Fleisch, Fisch noch Obst oder Gemüse ausgeschlossen) basierend auf dem Konzept der optimierten Mischkost.

Vegane Ernährung bei Kindern muss gut geplant sein

Laut Leitfaden stellt eine gut geplante vegetarische Ernährung im Säuglings- und Kleinkindesalter keine grosse Schwierigkeit dar. Sie müsse aber gut geplant, supplementiert und kontrolliert werden, um dem Risiko von potenziellen Nährstoffdefiziten vorbeugen zu können.

Vegetarische Ernährung ist risikofrei

Laut den Verfassenden des Leitfadens wird der Nährstoffbedarf im Säuglings- und Kleinkindesalter bei den geläufigsten vegetarischen Ernährungsformen erreicht.

Würdest auch du es besser finden, wenn deinem Kind Obst und Gemüse besser schmecken würden? Laut Danone liegt der Ursprung in der Babynahrung. 

Würdest auch du es besser finden, wenn deinem Kind Obst und Gemüse besser schmecken würden? Laut Danone liegt der Ursprung in der Babynahrung. 

Anastasia Shuraeva / Pexels

In der Schweiz schon ein Ding

Die neue Formel von Danone wird zunächst in den Niederlanden auf den Markt gebracht, Ende 2022 folgen unter der Marke Aptamil noch andere Länder.

In der Schweiz ist pflanzenbasierte Ernährung für Kinder längst ein Ding. So vertreibt das Zuger Start-up Yamo seit 2017 pflanzenbasierte, frische Snacks und Gläschen-Alternativen aus Bio-Zutaten und ökologischem Anbau.

«Die ersten 1000 Tage bestimmen die Gesundheit eines Kindes. Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Allergien stehen in engem Zusammenhang mit dem Einbezug von Gemüse und Früchten», erzählt uns Yamo-Mitgründer Luca Michas.

Das haben er und seine Kollegen herausgefunden, nachdem sie sich erstmals vegan ernährt hatten und immer wieder von den Zusatzstoffen mancher Produkte überrascht worden waren. «Wir griffen schliesslich zur Babynahrung, weil wir dachten, in dieser muss ja Gutes drin stecken. Dem war aber nicht so.»

Die Lebensmittel für Babys waren ausserdem teils bis zu fünf Jahre haltbar, was bei den dreien für Stirnrunzeln sorgte. Lebensmittelwissenschaftler und Team-Kollege José machte zudem auf kritische Inhaltsstoffe und zugesetzten Zucker aufmerksam. «Das wollten wir ändern und tauschten uns vor der Gründung von Yamo mit Eltern über ihre Wünsche bei der Ernährung ihrer Kinder aus», so Michas. 

Grund zur Kritik? 

Auf unsere Frage, ob es manchmal Kritik hagle oder Leute der Meinung seien, im Babyglas müsse auch mal Bolognese-Brei drinstecken, antwortet Michas: «Erstaunlicherweise gibts kaum Kritik.» Yamo betreibe viel Aufklärungsarbeit auf Social Media und nenne Vorteile von pflanzenbasierter Ernährung. «Wir sagen aber auch nicht: Ernähre dein Kind ausschliesslich mit Yamo, sondern ergänzend.»

Überzeugte Eltern würden die Hälfte ihrer Zeit für ihr Kind kochen, was sie wollen, die andere Hälfte der Zeit wirke Yamo unterstützend. Das helfe der Umwelt und der Gesundheit – beides Anliegen, auf die Yamo laut dem Mitgründer Wert legt. 

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