Aktualisiert 03.07.2016 08:11

Mangelernährung

Vegane Schwangere gefährden ihr Baby

Veganismus liegt im Trend. Schwangere sollten aber vorsichtig sein: Ohne Nahrungsergänzung gefährden sie ihr Kind.

von
num
Kann fürs Kind gefährlich sein: Vegane Schwangere sollten einen Ernährungsplan haben.

Kann fürs Kind gefährlich sein: Vegane Schwangere sollten einen Ernährungsplan haben.

Thinkstock

Viele Schweizerinnen und Schweizer ernähren sich vegan – der Ernährungstrend hat sogar Einzug in die Restaurants gehalten. Und auch in den Geburtsabteilungen der Spitäler macht sich der Trend bemerkbar, wie Markus Hodel, Co-Chefarzt Neue Frauenklinik am Luzerner Kantonsspital, der «Zentralschweiz am Sonntag» sagt.

Er gehe aktiv auf die Frauen zu und frage sie nach ihrer Ernährung. «Ob eine Frau tierische Produkte isst oder nicht, sieht man ihr schliesslich nicht an. Es ist deshalb wichtig, dass die Ärzte nachhaken.» Denn: Vegane Ernährung birgt für ungeborene Kinder ein Risiko.

Hirnfehlbildungen drohen

Grund sei das Vitamin B12, sagt Hodel der Zeitung. Es kommt nur in tierischen Produkten vor, weshalb Veganerinnen, die weder Fleisch noch Milchprodukte oder Eier essen, ein Mangel droht. Hodel sagt: «Aus Studien wissen wir, dass etwa 60 Prozent der Frauen mit einer veganen Ernährung, einen Vitamin-B12-Mangel haben.»

Wenn Vitamin B12 fehle, werde die Myelinscheide, eine Schutzschicht um die Nervenzellen, nicht ausgebildet, was zu schweren kindlichen Hirnentwicklungsstörungen führen könne. Er selber habe so einen Fall miterlebt. Weitere Konsequenz des Veganismus sei ein Folsäure-Mangel, der zu einem offenen Rücken, Hirnfehlbildungen und Blutarmut beim Kind führen könne.

Genauer Ernährungsplan

Hodel sagt zur «Zentralschweiz am Sonntag», dass er nicht generell von dieser Ernährungsform abrate. Es brauche aber einen genauen Ernährungsplan, um Mangelerscheinungen mit der Einnahme von Hülsenfrüchten, Vollgetreide, Nüssen und Ölsamen zu verhindern. Und gewisse Stoffe wie Eisen und Eiweisse müssten sowieso künstlich zugeführt werden.

Er kritisiert, dass auf veganen Blogs und Websites teilweise behauptet wird, man sei rundum versorgt mit veganer Ernährung. «Ich finde es zynisch, zu behaupten, das sei kein Problem.» Dies bestätigt auch Katharina Quack Lötscher, Fachärztin für Prävention und Gesundheitswesen am Universitätsspital Zürich. Veganerinnen müssten in der Schwangerschaft medizinisch begleitet werden.

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