Demo gegen Fleischesser: Veganer müssen finanziell bluten
Aktualisiert

Demo gegen FleischesserVeganer müssen finanziell bluten

Im Januar trafen sich in St. Gallen elf Veganer zu einer Demo gegen Fleischesser. Da ihnen die Bewilligung dafür fehlte, müssen sie nun Bussen bezahlen.

von
jeb
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Autonome Veganer aus der ganzen Schweiz demonstrierten vor dem neuen Vegan-Shop Vegantasia  in St. Gallen gegen den Fleischkonsum. Die Polizei schickte Beamte in Zivil (verpixelt) und beendete die unbewilligte Demo. Die Demonstranten wurden alle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Autonome Veganer aus der ganzen Schweiz demonstrierten vor dem neuen Vegan-Shop Vegantasia in St. Gallen gegen den Fleischkonsum. Die Polizei schickte Beamte in Zivil (verpixelt) und beendete die unbewilligte Demo. Die Demonstranten wurden alle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

tso
Elf Personen demonstrierten, alle gehören zu den Autonomen Tierrechtsaktivisten Zürich (ATAZ). Mitglied ist auch der Ladeninhaber Renato Werndli (vierter von links). Er hat die Bussen wohl bewusst ...

Elf Personen demonstrierten, alle gehören zu den Autonomen Tierrechtsaktivisten Zürich (ATAZ). Mitglied ist auch der Ladeninhaber Renato Werndli (vierter von links). Er hat die Bussen wohl bewusst ...

ATAZ
... in Kauf genommen: «Wir hatten keine Bewilligung, also ist es klar, dass die Polizei uns verzeigt.» Arun Bertozzi von ATAZ ist über das Vorgehen der Polizei erstaunt: «In anderen Städten werden wir nicht gebüsst, nur gebeten, den Platz zu räumen.»

... in Kauf genommen: «Wir hatten keine Bewilligung, also ist es klar, dass die Polizei uns verzeigt.» Arun Bertozzi von ATAZ ist über das Vorgehen der Polizei erstaunt: «In anderen Städten werden wir nicht gebüsst, nur gebeten, den Platz zu räumen.»

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«427.30 Franken Busse, Gebühren und Auslagen für Polizeikosten soll ich bezahlen, bloss weil wir ein paar Minuten vor einem Laden standen», enerviert sich Tierschützerin und Veganerin Edith Zellweger. Sie seien vor dem Laden gestanden und hätten niemanden behindert. Die Polizei sah das anders: Die elf Personen hätten laut Strafbefehl zwei Drittel der Strassenbreite besetzt, Flyer verteilt und Plakate auf den Boden ausgebreitet.

Das Problem: Zellweger und die zehn anderen Personen hatten keine Bewilligung für eine Kundgebung. Die Stadtpolizei verzeigte die elf Personen bei der Staatsanwaltschaft, die die Betroffenen per Strafbefehl büsste.

Gegen wütende Fleischesser protestiert

Doch weshalb demonstrierten die Veganer Anfang Januar in St. Gallen? Auslöser war die Eröffnung eines Veganer-Shops. Von diesem fühlten sich im Vorfeld offenbar Fleischesser provoziert und kündigten dem Ladenbesitzer in einem anonymen Telefonanruf an, sie würden am Tag der Eröffnung vor dem Laden protestieren.

Diese Ankündigung rief darauf die Veganer auf den Plan, die zur Gegendemo aufriefen. Kurz vor der Eröffnung machten die Fleischesser jedoch aufgrund des Medienrummels über die geplante Aktion einen Rückzieher und sagten die Demo ab. Nicht so die Veganer, sie trafen sich, das Gesicht mit Gemüsemasken verhüllt, zur Gegendemo, obwohl die Fleischaktivisten nicht vor Ort waren. Gekommen ist jedoch die Polizei, mit dem Resultat, dass die Demonstranten gebüsst wurden.

Veganer werden von der Polizei kontrolliert

Weil sie ohne Bewilligung auf den veganen Lebensstil aufmerksam machen, werden elf Personen verzeigt.

Hier werden die Demonstranten von der Polizei kontrolliert. (Video: tso)

«Zum Dank wurden wir gebüsst»

Veganerin Zellweger ist wütend über die Busse. «Wir waren friedlich, haben nichts beschädigt und niemanden wirklich gestört. Als die Polizei uns kontrollierte, haben wir bereitwillig unsere Papiere vorgezeigt. Zum Dank wurden wir jetzt gebüsst.» Sie könne nicht verstehen, dass die elf Personen per Strafbefehl gebüsst wurden. Die Staatsanwaltschaft hätte Handlungsspielraum und hätte auch auf eine Busse verzichten können.

Sie ärgert sich deshalb, weil ihrer Meinung nach gewalttätige Demonstranten nicht so hart angefasst würden. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen verneint das. «Wo Anzeigen vorliegen, folgt immer eine Strafuntersuchung», sagt Regula Stöckli, Sprecherin der Staatsanwaltschaft St. Gallen. «Wir versuchen immer, herauszufinden, was passiert ist und wer für mutmassliche Straftatbestände verantwortlich ist.»

Stöckli weist darauf hin, dass gegen den Strafbefehl innert zehn Tagen Einspruch erhoben werden kann, wenn man nicht damit einverstanden ist. Geschieht das, wird ein Richter den Fall beurteilen. Dieser könnte zum Schluss kommen, dass die Busse aufgehoben wird.

Ob Zellweger den Strafbefehl akzeptiert oder weiterzieht, hat sie noch nicht entschieden. Sie will sich zuerst mit den anderen Betroffenen beraten.

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