«Tierquälerei»: Veganerin fordert Kuhglocken-Verbot
Aktualisiert

«Tierquälerei»Veganerin fordert Kuhglocken-Verbot

Mit der Facebook-Gruppe «Kuhglocken out» kämpft eine Holländerin gegen die Schweizer «Kuhglocken-Tradition», die sie als Tierquälerei bezeichnet.

von
huf
Zwei Sennen befreien eine Kuh von ihrer schweren Glocke, die sie beim Alpaufzug getragen hat.

Zwei Sennen befreien eine Kuh von ihrer schweren Glocke, die sie beim Alpaufzug getragen hat.

«Kuhglocken sind in etwa so laut, wie wenn wir uns einen Presslufthammer direkt ans Ohr halten würden», begründet Nancy Holten ihren Kampf gegen die Schweizer Tradition gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung». Auf ihrer Facebook-Seite«Kuhglocken out» schreibt die 40-jährige dreifache Mutter: «Stelle dir vor, du hättest eine Glocke um den Hals und es bimmelt dir ständig ins Ohr? ;-)

Wie ein Tinnitus, nur hundert Mal stärker...»

Tierquälerei sei das, sagt die sich vegan ernährende Frau aus Gipf-Oberfrick und beruft sich dabei auf eine ETH-Studie, die gezeigt habe, dass Kühe mit Glocken weniger fressen und sich seltener hinlegen. Dass es sich bei den Glocken um eine Schweizer Tradition handle, die für viele ein Stück Heimat bedeute, sei kein Grund, die gutmütigen Tiere zu quälen. «Wenn ein Bauer sagt: Eine Kuh ohne Glocke ist keine richtige Kuh, dann sträuben sich mir die Nackenhaare», sagte sie zu der Zeitung.

Über 100 Gleichgesinnte

Auch dass Kuhglocken durchaus ihren Sinn haben, beispielsweise um dafür zu sorgen, dass Kühe auch nachts oder bei Nebel auf der Weide gefunden werden können, lässt sie nicht gelten. «Heute sind die meisten Weiden eingezäunt, da sticht dieses Argument nicht mehr», argumentiert die Tierfreundin.

Über hundert Gleichgesinnte hat sie mit ihrer Facebook-Gruppe bereits gefunden, die ihre Einträge fleissig liken, kommentieren und teilen. Bei den Lesern von 20 Minuten kommt ihre Idee hingegen weniger gut an. 3000 der 4000 Umfrageteilnehmer sind gegen ein Kuhglocken-Verbot.

Bund wartet Veröffentlichung der Studie ab

Auch Experten und Tourismus-Vertreter sind grundsätzlich gegen ein Verbot und weisen darauf hin, dass die ETH-Studie mit grossen, schweren Glocken durchgeführt worden sei, die Kühe im Alltag auf der Weide aber wesentlich kleinere und leichtere Modelle tragen. Das Bundesamt für Veterinärwesen wartet die definitive Veröffentlichung der Studie ab, ehe eine Stellungnahme abgegeben wird, wie Sprecherin Regula Kennel auf Anfrage sagt.

Und auch für den Schweizer Tierschutz ist die Glocken-Problematik ein Nebenschauplatz. «Es gibt in der Schweiz immer noch über 100'000 Kühe, die immer im Stall sind. Diese würden sich sicher nicht an einer Glocke stören, wenn sie dafür draussen auf der Weide sein könnten», sagt Sprecherin Helen Sandmeier.

«Soundtrack der Alpen»

Klar gegen ein allfälliges Kuhglocken-Verbot ist Schweiz Tourismus. «Die Kuhglocke ist ein Markenzeichen der Schweiz und steht für den Soundtrack der Alpen», sagte Sprecher Alain Suter gegenüber «blick.ch». Einzig wenn die Experten einhellig zum Schluss kämen, dass die Glocken den Tieren schaden, würde man den Entscheid akzeptieren.

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