Wegen Tests an Tieren - Veganerinnen und Veganer stecken im Impf-Dilemma
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Wegen Tests an TierenVeganerinnen und Veganer stecken im Impf-Dilemma

Corona-Impfkampagne wegen Tierversuchen boykottieren, oder sich trotzdem impfen lassen? Vegan lebende Personen stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Sie fordern das Ende der millionenfachen Tötung von Hühnerembryonen und Kälberföten.

von
Fabian Pöschl
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Tierschützerinnen und Tierschützer fordern ein Ende der Tierversuche bei der Impfstoffforschung.

Tierschützerinnen und Tierschützer fordern ein Ende der Tierversuche bei der Impfstoffforschung.

imago stock&people
Sie stören sich daran, dass es keine Alternative zu Impfstoffen gibt, die ohne Tierversuche auskommen.

Sie stören sich daran, dass es keine Alternative zu Impfstoffen gibt, die ohne Tierversuche auskommen.

Schweizer Tierschutz STS
Sie sind deshalb im Impf-Dilemma.

Sie sind deshalb im Impf-Dilemma.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • In Grossbritannien gilt eine Impfpflicht für Pflegende.

  • Veganerinnen und Veganer können diese aber umgehen.

  • Weil es für die Impfstoffforschung Versuche an Tieren gab, sehen manche Tierschützerinnen und Tierschützer die Impfung kritisch.

Bei Google und Facebook gilt die Impfpflicht bereits, in Frankreich und Grossbritannien müssen Angestellte im Gesundheits- und Pflegesektor ebenfalls schon bald geimpft sein. Auch in der Schweiz tobt eine Debatte um die Impfpflicht.

Doch bei den Briten gibt es Ausnahmen. So sollen Veganerinnen und Veganer vom Impfzwang am Arbeitsplatz befreit sein. Sie stören sich an den Tierversuchen für die Impfstoffforschung (siehe Box). Der ethische Veganismus ist seit einem Gerichtsurteil besonders geschützt, vergleichbar mit religiösen Gruppen und Menschen mit bestimmten Erkrankungen, wie der «Telegraph» schreibt.

Tierschützer im Impf-Dilemma

Laut der britischen Vegan Society haben sich rund hundert Mitglieder bei der Organisation gemeldet, die sich nicht impfen lassen. Sie lehnen die Impfung mit der Begründung ab, dass diese an Tieren getestet wurde. Andere Mitglieder würden sich zwar impfen lassen wollen, seien aber ebenfalls gegen die Tierversuche.

Wie die britischen Tierschützerinnen und Tierschützer fordert auch die Interessenvertretung der vegan lebenden Personen, Swissveg, «schon seit Jahren ein Ende der jährlichen zig-millionenfachen Tötung von Hühnerembryonen und Kälberföten für die Impfstoffherstellung», wie die stellvertretende Geschäftsführerin Simone Fuhrmann zu 20 Minuten sagt. Es müsse dringend nach geeigneten Alternativen geforscht werden.

Alternativen ohne Tierversuche gibt es nicht

Allerdings plädiert der Verein Vegane Gesellschaft Schweiz für eine lösungsorientierte und wissenschaftliche Debatte beim Impfen. Solange es keine Alternativen gibt, empfiehlt er, den Empfehlungen des Bundes zu folgen, wie Geschäftsleiterin Laura Lombardini auf Anfrage sagt. «Beim Veganismus geht es um Leidverminderung. Dazu gehört auch, die eigene Gesundheit ernst zu nehmen», so Lombardini.

«Ich gebe mir Mühe, vegan zu leben, aber ich habe mich trotz der Tierversuche gegen Corona impfen lassen, weil das unsere Pflicht in einer Pandemie ist. Gäbe es eine Alternative ohne Tierversuche, würde ich mich natürlich dafür entscheiden.»

Tierschützerin Susy Utzinger

Auch die Denkfabrik Sentience Politics ist grundsätzlich für die Corona-Impfung, wie Geschäftsleiter Silvano Lieger auf Anfrage sagt. «Natürlich wollen auch wir weniger Tierversuche, dafür braucht es aber Gesetzesänderungen, weil Impfstoff- oder Medikamenten-Patente ohne Tierversuche oft gar nicht zugelassen sind», so Lieger.

Gieri Bolliger von der Stiftung Tier im Recht bestätigt auf Anfrage, dass es für impfwillige Bürgerinnen und Bürger derzeit keine Alternativen ohne Tierversuche zu den bisher bekannten Wirkstoffen gegen Corona gibt. Er sei allgemein skeptisch bei Tierversuchen. «Doch solange es keine Impfstoffe ohne Tierversuche gibt, müssen wir schweren Herzens auf die vorhandenen Impfstoffe zurückgreifen», so Bolliger.

Auch die weltweit grösste Tierschutzorganisation Peta plädiert fürs Impfen. Den Impfstoff aus ethischen Gründen zu verweigern, helfe weder den Tieren aus früheren Versuchen noch denen bei zukünftigen Tests. Peta lobt stattdessen, dass diesmal aufgrund der Dringlichkeit bestimmte Tierversuche übersprungen wurden und klinische Studien mit Menschen parallel durchgeführt wurden.

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