Käse-Ersatz: Veganes Raclette boomt an Weihnachten
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Käse-ErsatzVeganes Raclette boomt an Weihnachten

Fleischesser freuen sich besonders auf Weihnachten. Doch für Veganer gibt es mittlerweile ebenfalls alles: Hackbraten, Lachsfilet, Fondue Chinoise und sogar Raclette.

von
T. Bircher
Veganes Raclette sieht aus wie echtes Raclette, es besteht aber nicht aus Käse, sondern aus Mandeln, Kartoffeln, Hefe und verschiedenen Gewürzen.

Veganes Raclette sieht aus wie echtes Raclette, es besteht aber nicht aus Käse, sondern aus Mandeln, Kartoffeln, Hefe und verschiedenen Gewürzen.

Kein Anbieter/Screenshot Vegusto

Weihnachten heisst für viele automatisch auch Schlemmen. Die Familie kommt zusammen, ein grosses Festmahl wird aufgetischt, danach gibt es Guetzli oder ein selbst gemachtes Dessert. Typisch fürs Schweizer Weihnachtsessen ist das Fondue Chinoise. Einige schieben aber auch einen Truthahn oder einen Braten in den Ofen. Eines ist jedenfalls klar: Fleisch gehört für viele Schweizer zu Weihnachten wie das Amen zur Kirche.

Doch dann sind da ja noch die Vegetarier, die Veganer, die Laktose-Intoleranten und die Gluten-Empfindlichen. Was essen diese Menschen an den Festtagen? Cristina Roduner, Sprecherin der Veganen Gesellschaft Schweiz, weiss dies bereits genau. Bei ihr gibt es einen Dreigänger: Zur Vorspeise serviert sie einen Chicorée-Salat mit Ananas, Kresse, Pistazienkernen und «fürs Auge noch ein paar rote Zwiebeln».

Vegane Fertigmischung für Käsefondue und Raclette

Die Hauptspeise besteht aus einem selbst gemachten veganen Hackbraten. «Statt Hackfleisch mache ich ihn mit Seitan» – ein Produkt aus Weizeneiweiss mit fleischähnlicher Konsistenz. Dazu gibt es eine «rassige» Tomatensauce und grüne Bohnen. Ausserdem kommen noch zwei Arten von Kartoffelstock auf den Tisch, ein klassischer und einer mit blauen Kartoffeln. «Zum Dessert mache ich ein Blutorangen-Mousse, einen Blutorangen-Salat und kleine Mandeltörtchen.»

Für Veganer sei es heutzutage keine Hexerei mehr, einen feinen Festschmaus zu kreieren. «Es gibt praktisch nichts, was wir nicht auch machen können», so Roduner. Mittlerweile könne man sogar vegane Fertigmischungen für Käsefondue kaufen, und Raclette gebe es neuerdings.

Käse aus Mandeln, Kartoffeln, Hefe und Gewürzen

Beides bekommt man beim auf veganes Essen spezialisierten Unternehmen Vegusto in Neukirch TG. «Wir werden derzeit mit Bestellungen für Raclette und Fondue überrannt. Gestern haben wir gleich 100 Portionen Raclette auf einmal verkauft», sagt Sprecherin Angelika Fränkel.

Den Käse ersetzten sie durch eine Mischung aus Mandeln, Kartoffeln, Hefe und verschiedenen Gewürzen. «Da wir keine härtenden Stoffe verwenden, ist der Käse bereits flüssig, er bildet eine schöne Kruste», so Fränkel. Auch normale Fleischesser und vor allem laktoseintolerante Menschen würden regelmässig die vegane Ausgabe von Raclette und Fondue kaufen.

Entenbrust und Lachsfilet

Beliebt seien derzeit auch gefüllte Braten, die sie extra für Weihnachten produziert hätten, und ihre Version des Fondue Chinoise komme ebenfalls gut an. «Dafür gibt es unsere Fleischalternativen – die muss man dann nur noch in Stücke schneiden.»

Veganes Essen sei ein totaler Boom, so Fränkel. «Bereits letztes Jahr hat es extrem angezogen, die Nachfrage ist riesig, das zeigen die Verkaufszahlen.»

Das bestätigt auch Eva Kelemen, Inhaberin des Vegan Shops Eva's Apples in Zürich. Abgesehen von Raclette und Fondue sind ihre derzeitigen Verkaufsschlager Entenbrust- und Lachsfilet.

Mailänderli, Lebkuchen und Panettone – glutenfrei

Vegetarier und Veganer sind also bedient, was das Weihnachtsessen betrifft. Wie sieht es aber mit den Gluten-Empfindlichen aus? Hier helfen mittlerweile sogar die grossen Detailhändler aus: Die Migros beispielsweise hat bereits im letzten Jahr zu Weihnachten das glutenfreie Mailänder-Guetzli auf den Markt gebracht.

Heuer feiert der glutenfreie Lebkuchen Premiere. In Reformhäusern greifen die Kunden dieser Tage zudem zu glutenfreiem Panettone oder Birnenbrot, wie das Müller Reformhaus Vital Shop sagt.

Veganes Sechs-Gang-Menu

Spitzenkoch Raphael Lüthy führt das Hotel Swiss Die Krone – und zwar rein vegan. Er kocht aber nicht gerne mit Ersatzprodukten. Die vegane Küche biete genug Alternativen, sagt er.

Folgendes Sechs-Gang-Menu servierte er am Montag seinen Gästen im Hotel:

1. Ein Apfel-Randen-Carpaccio mit einer Randen-Terrine

2. Ein Garten-Nüsslisalat an rosa Pfefferdressing.

3. Eine Kokos-Suppe mit Mango-Wan-Tan

4. Ein Sellerie-Schnitzel auf einem Linsen-Rotkraut-Sockel in Weinschaum

5. Lasagne mit Soja-Hack, Wintergemüse und Kohlrabi-Perlen an einer Granatapfel-Sauce

6. Schokoladenmousse, Schokoladenkuchen, Crème Brûlée und ein Basilikum-Sorbet

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