Aktualisiert 01.01.2016 12:03

Veganes EssenVegi-Burger floppen bei Testessern

Mit einer neuen Generation veganer Lebensmittel wollen US-Hersteller den Markt erobern. Bei Testessern fallen die fleischlosen Alternativen aber durch.

von
Candice Choi
AP

«Vergammelt» und «irgendwie unnatürlich» lauteten die vernichtenden Urteile über vegane Würstchen und Hamburger. Einer Mayonnaise ohne Ei hingegen stellten die Testesser ein gutes Zeugnis aus. Drei Kritiker kosteten fleischlose Lebensmittel einer neuen Generation, mit denen US-Hersteller die Ernährungsgewohnheiten revolutionieren wollen. Ihr Fazit: An den Geschmack der Originale reichen die meisten veganen Alternativen noch nicht heran.

«Wenn ich das in der Annahme essen würde, es wäre ein normaler Hamburger, würde ich denken, er sei verdorben», sagte Byron Champlin, Stadtrat aus Concord im US-Staat New Hampshire, nach dem ersten Bissen in einen fleischlose Burger des Produzenten Gardein. Dieser will zusammen mit anderen Unternehmen wie Beyond Meat und Hampton Creek einen Markt neu beleben, der in den USA lange von Marken wie Morningstar Foods (Gründung 1970), Nasoya (1978) und Quorn (1985) beherrscht wurde.

Die neuen Anbieter hoffen darauf, mit besser schmeckenden Alternativen zu Rind, Hühnchen und Mayonnaise mehr Amerikaner für eine pflanzliche Ernährung begeistern zu können.

Gesünder und umweltverträglicher?

Mit dieser Idee haben die Hersteller viel Aufmerksamkeit in den Medien erregt und Investitionen in Millionenhöhe hinter sich gebracht. Sie werben auch damit, dass ihre Produkte gesünder und umweltverträglicher seien als die veganen Lebensmittel der ersten Generation. An den Rezepten müssen sie indes nach Ansicht der Testesser noch arbeiten. Die Kritiker in der Testküche in Concord zogen in einigen Fällen die etablierteren vegetarischen Produkte vor. Alle drei waren nach eigenen Angaben Fleischesser, jedoch offen für vegetarisches Essen – sofern es schmeckt.

Dan St. Jean, Küchenchef des Restaurants «The Common Man» in New Hampshire, missfiel schon der Geruch des Gardein-Bratlings. Sarah Kinney, Redakteurin bei der Tageszeitung «The Concord Monitor» stimmte ihm zu: «Es schmeckt fast, als hätte jemand versucht, aus einem Fleischklops einen Hamburger zu machen, aber dabei etwas falsch gemacht.«

Noch schlechter fiel die Reaktion auf den «Beast Burger» von Beyond Meat aus, der 2015 neu in die Läden kam. Anders als Gardein will Beyond Meat laut Unternehmensangaben den Geschmack von Fleisch imitieren anstatt lediglich vegetarische Alternativen anzubieten. Doch Champlin spuckte den «Beast Burger» nach nur einem Bissen wieder aus und bezeichnete ihn als «vergammelt» und «unidentifizierbar». Alle drei Testesser befanden den «Original Griller» des Pioniers Morningstar Foods für noch am ehesten geniessbar. Ein Hit war aber auch dieser Bratling nicht: Champlin sagte, er würde ihn essen, wenn nichts anderes da wäre.

Nur Frühstückswürstchen schneiden gut ab

Das fleischlose Poulet schnitt nicht viel besser ab. «Schmeckt wie Gummi», sagte Kinney über gewürzte Hähnchenstreifen von Beyond Meat, die seit 2013 im Supermarktregal liegen. Champlin monierte einen schlechten Nachgeschmack, den er nicht näher benennen könne. Auch die «Chick'n Scallopini» von Gardein erschienen ihm fade. Für St. Jean war genau das ein Pluspunkt: Wenn er die Streifen mit Käse und Tomatensosse servieren würde, würden seine Kinder nicht merken, dass es kein Fleisch sei.

Sowohl Champlin als auch Kinney kürten in der Kategorie ein Pouletbrust-Imitat von Quorn zum Testsieger. Zugleich stimmten sie aber St. Jean in der Einschätzung zu, das Nahrungsmittel sehe aus wie «ein gegrilltes Baguette».

Punktabzug bekamen die veganen Angebote auch für ihre fehlenden Duftaromen beim Kochen. In der Testküche, wo eine Köchin am Herd die Produkte zubereitete, breiteten sich kaum Gerüche aus – ganz anders, als wenn dort Fleisch gebrutzelt worden wäre. «Wenn man mit dem Rücken zum Herd steht, würde man gar nicht merken, dass dort gekocht wird», sagte St. Jean.

Die Kritiker kosteten auch ein veganes Frühstückswürstchen von Morningstar sowie fleischlosen Schinken des Herstellers Lightife, der ebenfalls seit den 70er-Jahren am Markt ist. Das Würstchen wurde zum Tagessieger: Alle Testesser lobten seine Konsistenz, die dem Original besonders nah komme. Beim Schinken hingegen senkten sich die Daumen. Champlin verglich ihn mit Leder, St. Jean fühlte sich gar an Hunde-Leckerli erinnert. Auch geschmacklich konnte das Produkt nicht punkten: «Die Salzigkeit fehlt, das Knusprige fehlt», sagte St. Jean.

Nicht besser als das Original

Anders als die Fleisch-Imitate kam die eifreie Mayonnaise «Just Mayo» von Hampton Creek, die Ende 2012 eingeführt wurde, bei den Testern gut an. Die Sosse wird inzwischen auch von grossen Supermarkt-Ketten wie Target und Wal-Mart geführt. Zwar wurde sie von allen als vegan identifiziert. Doch die Testesser waren sich einig, dass «Just Mayo» an herkömmliche Mayonnaisen heranreiche. «Damit hätte ich kein Problem», sagte Champlin. Auch St. Jean und Kinney könnten sich die Sosse auf ihrem Esstisch vorstellen. Den Geschmack einer Mayonnaise von Nasoya beschrieben die Kritiker dagegen als «unkonventionell» und «irgendwie teigig».

Eine Kaufempfehlung sprach das Panel schliesslich für die Würstchen von Morningstar und für «Just Mayo» aus. Doch die Tester waren sich einig, dass keines der getesteten Produkte über einen «Wow«-Faktor verfüge. «Keines davon war besser als das Original», sagte Kinney.

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