Aktualisiert 12.09.2014 09:11

Weniger FleischVegi-Vorschrift für Kantinen «völlig absurd»

Der Zürcher Gemeinderat will mehr Vegi-Menüs und weniger Fleisch in öffentlichen Kantinen. Weitere Städte könnten nachziehen. Die bürgerlichen Gegner sagen: «Das geht zu weit!»

von
J. Büchi
Grüne und grünliberale Politiker verschiedener Kantone wollen den Anteil vegetarischer Menüs in öffentlichen Kantinen erhöhen.

Grüne und grünliberale Politiker verschiedener Kantone wollen den Anteil vegetarischer Menüs in öffentlichen Kantinen erhöhen.

Vom Hortkind über den Spitalbesucher bis zum städtischen Beamten: Wer sich in einem Betrieb der Stadt Zürich verpflegt, muss künftig möglicherweise hin und wieder auf Schnitzel und Bratwurst verzichten. Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwoch ein Postulat zweier GLP-Politiker angenommen und dem Stadtrat den Auftrag erteilt zu prüfen, wie das vegetarische Angebot in städtischen Kantinen und Restaurants gefördert werden kann.

Künftig soll dort nur noch Bio-Fleisch auf die Teller kommen, Produkte aus Massenhaltung wären tabu. Da biologisch produziertes Fleisch teurer ist und die Umstellung budgetneutral erfolgen soll, heisst das: Insgesamt müsste der Fleischanteil in den Menüs deutlich verringert werden.

«Akzeptanz für das Anliegen wächst»

Auch in anderen Städten und Kantonen sind entsprechende Bestrebungen im Gang. Die Gruppe «Sentience Politics» hat im Juni im Kanton Basel-Stadt eine Initiative lanciert, die verlangt, dass in allen Kantinen mit mehr als einem Menü künftig auch ein veganes Gericht angeboten wird. Nora Bertschi, Grossrätin der Grünen und Mitinitiantin, freut sich darüber, dass ein ähnliches Anliegen nun in Zürich erfolgreich war: «Je mehr Städte und Gemeinden in der Schweiz auf ressourcenschonende Ernährung setzen, desto mehr wächst die Akzeptanz für solche Anliegen.»

Tatsächlich haben auch grüne Politiker im Aargau, in Luzern, Genf, Uri, Basel-Stadt und Zug bereits Vorstösse zur Förderung pflanzlicher Ernährung in öffentlichen Betrieben eingereicht.

«Wahlfreiheit wird beschnitten»

Für viele Bürgerliche und Liberale sind diese Pläne ein rotes Tuch. Gregor Rutz, Präsident der IG Freiheit und SVP-Nationalrat, kritisiert: «Das ist völlig absurd. Es fehlt gerade noch, dass den Bürgern in einem liberalen Staat vorgeschrieben wird, was sie zum Zmittag essen.» Dass derzeit in mehreren Kantonen versucht werde, die Wahlfreiheit der Bürger zu beschneiden, bereite ihm Bauchweh. «Das ist eine problematische Tendenz. Normalerweise schreiben nur totalitäre Systeme den Leuten vor, was sie essen und trinken dürfen.»

Diese Position hat die IG Freiheit bereits im Frühsommer deutlich gemacht, als sie den Urhebern der Basler Initiative den Spottpreis «Rostiger Paragraph» verliehen hat. Gerhard Pfister, CVP-Nationalrat und Vizepräsident der IG Freiheit, sagt: «Wenn es so weitergeht, haben wir wohl bald neue Anwärter auf den Preis.» Das Gestalten von Menüplänen sei definitiv keine Kernaufgabe der Politik.

«Nur Fleisch anzubieten, ist auch eine Bevormundung»

Nationalrat Bastien Girod (Grüne), der die Basler Initiative offiziell unterstützt, widerspricht: «Es ist umweltpolitisch einfach nicht möglich, dass alle so viel Fleisch essen wie wir. Die öffentliche Hand sollte deshalb als Vorbild vorangehen.» Städte seien prädestiniert, neue Standards zu setzen - zumal vegetarische und vegane Ernährung derzeit im Trend liege.

Davon, dass die Bürger zur veganen Ernährung gezwungen werden sollen, will er nichts wissen. Es gehe lediglich darum, gesunde und umweltfreundliche Alternativen anzubieten. «Es ist eine viel grössere Bevormundung, nur Fleisch anzubieten, wie dies heute gewisse Restaurants noch tun.»

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