08.04.2020 17:24

Freizeit

Velo- und Töfffahrer wollen trotz Corona-Krise raus

Die Behörden raten von Ausflügen ab, um die Spitäler zu entlasten. Verzichten kommt für Velo- und Töfffahrer aber nicht infrage.

von
B. Zanni
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Das Spitalpersonal soll das Maximum seiner Kräfte in die Behandlung von Corona-Patienten stecken können und dazu nicht noch Unfallverletzte behandeln müssen.

Das Spitalpersonal soll das Maximum seiner Kräfte in die Behandlung von Corona-Patienten stecken können und dazu nicht noch Unfallverletzte behandeln müssen.

Keystone/Laurent Gillieron
Täglich rufen die Behörden deshalb zum Zuhausebleiben auf. Am Dienstag rief Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, unter anderem auch zum Verzicht auf Motorradtouren auf.

Täglich rufen die Behörden deshalb zum Zuhausebleiben auf. Am Dienstag rief Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, unter anderem auch zum Verzicht auf Motorradtouren auf.

Keystone/Peter Klaunzer
Auch die Kantonspolizei Uri warnte, dass bereits ein relativ einfacher Sturz mit einem Motorrad einen Spitalaufenthalt von mehreren Tagen zur Folge haben könne. «In der gegenwärtigen Situation sind jedoch freie Kapazitäten in den Spitälern absolut notwendig.» Dennoch ist der Widerstand gegen die Appelle gross.

Auch die Kantonspolizei Uri warnte, dass bereits ein relativ einfacher Sturz mit einem Motorrad einen Spitalaufenthalt von mehreren Tagen zur Folge haben könne. «In der gegenwärtigen Situation sind jedoch freie Kapazitäten in den Spitälern absolut notwendig.» Dennoch ist der Widerstand gegen die Appelle gross.

Keystone/Alexandra wey

Täglich rufen die Behörden zum Zuhausebleiben auf. Das Spitalpersonal soll das Maximum seiner Kräfte in die Behandlung von Corona-Patienten stecken können und dazu nicht noch Unfallverletzte behandeln müssen. Dennoch registrierte etwa die Schwyzer Kantonspolizei am Samstag mehrere Motorradunfälle mit Verletzten.

Auch bevölkerten Wanderer am Wochenende den Alpstein im Kanton Appenzell Innerrhoden und riskierten damit Verletzungen. In der Folge kündigte die Standeskommission einen eingeschränkten Zugang an.

Am Dienstag rief Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, unter anderem auch zum Verzicht auf Motorradtouren auf. Auch die Kantonspolizei Uri warnte, dass bereits ein relativ einfacher Sturz mit einem Motorrad einen Spitalaufenthalt von mehreren Tagen zur Folge haben könne. «In der gegenwärtigen Situation sind jedoch freie Kapazitäten in den Spitälern absolut notwendig.» Dennoch ist der Widerstand gegen die Appelle gross.

Wanderer seien dämlich

«Dämlich seien jene, die jetzt wandern? Wie gross ist wohl der Garten, in welchem sich ⁦@Nikhartmann im schönen Zugerland die Füsse vertreten kann?», twitterte Stefan Schmid, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts». Dies, nachdem SRF-Moderator Nik Hartmann in einem Interview die derzeitigen Wanderer als dämlich bezeichnet und sich über die vielen Velofahrer aufgeregt hatte, die in Scharen um den Zugersee gefahren seien.

Auch Vertreter der Velo- und Motorradszene verteidigen ihr Hobby. «Es ist verrückt, wie man uns Töfffahrer an den Pranger stellt», sagt Rolf Kündig, Präsident des Motorfahrerclubs Thundorf. Mit der nötigen Vorsicht sollten Töfffahrer auch in der Corona-Krise ausfahren. «Oder soll man zu Hause warten, bis man tot umfällt?»

«Wer jetzt damit beginnt, tut das Richtige»

Matthias Aebischer, Präsident von Pro Velo Schweiz, macht darauf aufmerksam, dass die meisten Unfälle zu Hause passieren. «Der Bund sagt, man solle keine Unfälle machen. Aber das heisst nicht, dass man mit Velofahren aufhören soll.» Velofahren sei gesund. «Wer jetzt damit beginnt, tut das Richtige.» Einfache Strecken sollten jedoch schwierigeren vorgezogen werden. «Um das Unfallrisiko zu reduzieren, mache ich zum Beispiel nicht mehr die gleichen Touren wie vorher und bin auch mit weniger Tempo unterwegs.»

Zu einer Alternative rät hingegen Rolf Vögeli, Co-Präsident der Wanderfreunde Ostschweiz: «Jetzt ist Spazieren statt Wandern in den Bergen das Richtige.» Gerade Senioren sollten das Risiko, sich auf schmalen, steilen Pfaden zu verletzen, nicht eingehen. So könnten unnötige Spitaleinweisungen verhindert werden. «Wer jetzt in den Bergen wandern geht, verhält sich wenig solidarisch.»

Dynamische Situation

Im Jahr 2019 verunfallten in der Schweiz laut dem Bundesamt für Strassen 4600 Velofahrer und 3400 Motorradfahrer. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung registriert pro Jahr im Schnitt rund 24'000 verletzte Wanderer.

Die Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR) und die Spitäler appellieren daran, sich sich selbst und andere nicht zu gefährden. Die Situation im Hinblick auf Covid-19-Patienten sei äusserst dynamisch, sagt Martina Pletscher, Mediensprecherin des Universitätsspitals Zürich. Die Patienten lägen im Durchschnitt zwischen 10 und 14 Tagen auf den Intensivstationen. «Es ist deshalb sinnvoll, das Patientenaufkommen nach Möglichkeit tief zu halten.»

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